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SyreN-System

Sauer macht lustig: Neun Tipps zum Ansäuern von Gülle und Gärresten

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am Donnerstag, 23.04.2020 - 14:00 (Jetzt kommentieren)

Der Zusatz von Schwefelsäure hilft, Stickstoff-Verluste bei Gülle und Gärresten ordentlich zu senken und Mineraldünger zu sparen. Das hat mit der neuen Düngeverordnung höchste Priorität.

Das Ansäuern von Gülle und Gärresten senkt Ammoniakverluste beim Ausbringen. So kommt mehr Stickstoff an die Kulturen. Zudem wird Phosphor besser verfügbar. Und es stinkt weniger.

1. Wie Verluste senken?

Neben dem bodennahen Ausbringen oder direkter Injektion in den Boden verspricht das Ansäuern flüssiger Wirtschaftsdünger eine deutlich verbesserte N-Ausnutzung. Das senkt die Salden in Nährstoffvergleich und Stoffstrombilanz.

Die Höhe der gasförmigen Verluste hängt maßgeblich vom pH-Wert der Gülle ab. Der lässt sich durch die Zugabe von Säure absenken. Das verbessert die Ausnutzung. Besonders Gärreste haben häufig hohe pH-Werte von 7,5 bis 8. Sie sind somit verlustgefährdet. Bei pH-Werten von etwa 6 hingegen ist das anders.

2. Wie funktioniert SyreN?

Beim System SyreN der dänischen Firma Biocover wird beim Ausbringen konzentrierte Schwefelsäure aus einem Fronttank in den Güllestrom dosiert. Per Echtzeitmessungen des pH-Werts wird immer genau die Säuremenge hinzugefügt, die für den Zielwert von etwa pH 6 nötig ist. 

So ist das Ausbringen mit normaler Technik wie Schleppschlauch oder Schleppschuh und entsprechend großen Arbeitsbreiten möglich. Der durch die Säure zugefügte Anteil an Schwefel (S) von rund 0,6 kg S/l Säure soll zudem voll düngewirksam und pflanzenverfügbar sein. Der Grund: Er liegt nach Reaktion mit den Nährstoffen als Sulfatschwefel im Boden vor.

3. Was zeigen Versuche?

Versuche zum Ansäuern beim Ausbringen gibt es bereits. Die Kammer Niedersachsen hat 2018 dazu Versuche mit Gärresten im Wintergerste, Roggen und Weizen angelegt. Verglichen wurden Schleppschlauch, -schuh und Schlitzgerät sowie Ansäuern mit rein mineralisch gedüngten Varianten. 

Auf Sandboden mit langjährig organischer Düngung in Wehnen sind die Unterschiede in Gerste sehr deutlich. Sie zeigen, dass es bei ausschließlich organischer Düngung deutliche Ertragsunterscheide zwischen Schleppschlauch sowie Schuh- und Schlitztechnik gibt.

Das Ansäuern auf pH 6 zeigte sowohl bei Schleppschlauch und -schuh deutlich gesicherte Ertragsvorteile gegenüber nicht angesäuert. Wenn zusätzlich zur organischen Düngung eine mineralische Ergänzung auf den Bedarfswert folgte, sind die Unterschiede tendenziell noch zu sehen. Die positive Ertragswirkung des Ansäuerns bleibt aber bestehen.

Weitere Versuche in anderen Ländern zeigen ein ähnliches Bild. Die Ertragsvorteile lassen auf eine erhöhte N-Ausnutzung und damit bessere Ertragswirkung der Ansäuerung schließen. Weitere Versuchsjahre müssen aber noch folgen.

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4. Wie viel Säure zugeben?

Besonders wegen der im Dürrejahr 2018 geringeren Wirksamkeit der N-Dünger bleibt abzuwarten, wie sich die Unterschiede in den kommenden Jahren darstellen. Zudem schwankt der Säurebedarf für das pH-Absenken je nach Gülle oder Gärrest sehr stark. Die im Versuch eingesetzten Mengen von bis zu 10 l Säure/m³ erschweren einen ökonomisch sinnvollen Einsatz. Sie wären auch umwelttechnisch fraglich.

Vom Hersteller werden Säuremengen von 2 bis 4 l/m³ bei Gülle sowie 4 bis 6 l/m³ bei Gärresten als Zielvorlage genannt. Sie sollen auch bei Nichterreichen des Ziel-pH-Werts nicht überschritten werden. Der wird mit 6- bis 6,5 zudem weniger strikt gefasst. Selbst damit seien gesenkte Emissionen und verbesserte Wirkgrade zu erreichen. Das ist aber noch durch weitere Versuche abzusichern.

5. Wie mit dem Gefahrstoff umgehen?

Beim Umgang mit Schwefelsäure ist Vorsicht geraten. In jedem Fall ist besonnene Arbeit nötig. Spezielle Adapter und Anschlüsse sorgen aber für berührungsfreien Umgang. Im Straßenverkehr ist für Beförderer ein Gefahrgutschein nötig. 

Der Anbau im Front des Schleppers schreckt oft ab. Hier sind aber bereits Stützräder zu haben, um den Säurevorrat ins Gespann zu integrieren. Sobald die Säure in die Gülle oder den Gärrest eingebracht ist, reagiert die mit einer Neutralisation. Daher sind keine Folgen mehr auf Boden und Mikroorganismen zu erwarten. Allerdings ist eine leichte Schaumbildung auf der Oberfläche möglich.

6. Wie viel Mineraldünger sparen?

Sobald die Gülle in den Boden eingezogen ist, ist NH4 verfügbar für die Kulturen. Die NH3-Verluste an sinken um bis zu 85 Prozent gegenüber unbehandelter Gülle. Bei 25 m³/ha Schweinegülle bedeutet das ein Plus von 12 kg/ha NH4-N, bei 30 m³/ha Rindergülle gar 25 kg/ha.

Die effektivere Nährstoffausnutzung bedeutet, merklich Mineraldünger einzusparen. Möglich sind Mehrerträge von 4 bis 8 dt/ha. Das kann schnell ein Plus von 60 bis 120 Euro / ha bedeuten.

7. Wie viel Schwefel gleich mitdüngen?

Der Bedarf an Schwefel (S) variiert je nach Kultur. Oft werden 30 kg S / ha genannt. Mit H2SO4 wird dieser Bedarf beim Güllefahren parallel zur N-Düngung gedeckt. So lassen sich Überfahrten und Mineraldünger sparen, bis zu 10 Euro/ha. H2SO4 gilt als vergleichsweise preisgünstig

Sehr interessant ist die Frage, ob Ansäuern im Blick auf die Düngeverordnung zu erleichterten Einarbeitungspflichten führt, wenn es die Emission ähnlich senkt wie das direkte Einarbeiten.

8. Wie wirtschaftlich effizienter sein?

Die Einsatzmöglichkeiten von SyreN lassen sich nur bedingt mit Zahlen belegen. Die Wirtschaftlichkeit hängt von den spezifischen Gülleeigenschaften, den jeweiligen Betriebsstrukturen, der Systemintegration sowie den Pflanzen- und Bodeneigenschaften ab. Rechenhilfen gibt es im Internet.

Das flexible Ansäuern lässt sich an etliche Güllearten und Witterungsverhältnisse anpassen. In Getreide oder auf Grünland sind im Vergleich zur Schlitztechnik niedrigere Kosten möglich.

9. Welche Fördermittel abschöpfen?

Für die Technik gibt es 20 Prozent Investitionsförderung bis Ende 2019 und 60 Euro/ha bis Ende 2021. Das steht jedenfalls im Rahmenplan EU-Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung Agrarstruktur und Küstenschutz. Informationen bietet auch die Offizialberatung vor Ort.

Mit Material von Dr. Gerhard Baumgärtel, Kai-Hendrik Howind, Landwirtschaftskammer Hannover, Biocover, SyreN

Technikcheck: So funktioniert das Ansäuern von Gülle und Gärresten

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