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Stoppelbearbeitung

Sieben Tipps gegen Strukturschäden nach nasser Ernte

Fahrspuren durch aufgeweichte Böden bei der Ernte
am Donnerstag, 29.07.2021 - 11:01 (Jetzt kommentieren)

Es ist nass, doch das Korn muss vom Feld. Die Folge sind tiefe Fahrspuren. Wir geben Tipps gegen Strukturschäden und Ausfallsamen.

Bundesweit ist es derzeit viel zu nass für eine reibungslose Ernte. In den trockenen Zeitfenstern hinterlassen Mähdrescher und Transportfahrzeuge oft tiefe Spuren und Bodenverdichtungen. Solche Strukturschäden kennen wir aus den letzten Jahren kaum.

Was tun? Pflanzenbauberater Andreas Lohrer vom Landwirtschaftsamt Tübingen gibt sieben Tipps, mit denen Sie größere Schäden vermeiden.

Tipp 1: Nicht zu früh lockern!

Lockern Sie die Verdichtungen erst, wenn sie abgetrocknet sind. Sonst entstehen Schmierschichten, die das Wurzelwachstum ebenfalls stark beeinträchtigen.

Tipp 2: Schicht für Schicht arbeiten!

Die Bearbeitung sollte flach beginnen und schrittweise tiefer gehen. Einerseits verhindern Sie dadurch die Bildung von groben Kluten, bekämpfen Sie damit Wurzelunkräuter wie Disteln und Quecken mechanisch.

Für diese Maßnahmen, eventuell auch nur auf Teilflächen, sollte es nach der Bearbeitung trocken bleiben. So vertrocknen die abgeschnittenen Wurzelteile und wachsen nicht wieder neu an.

Nach dem erneuten Austrieb erfolgt ein nächster Bearbeitungsgang wenige Zentimeter tiefer. Das schwächt die Wurzelunkräuter nachhaltig.

Tipp 3: Nährstoffnachlieferung beachten!

Jede Bearbeitung regt die Mineralisation an. So kann es zu einer Nitratverlagerung in tiefere Bodenschichten bis ins Grundwasser kommen, wenn eine Aufnahme durch Pflanzen nicht möglich ist.

Wägen Sie daher die Ziele und Effekte der Maßnahmen sorgfältig gegeneinander ab.

Tipp 4: Bei Glyphosatprodukten Zulassung beachten!

Ebenfalls möglich ist eine chemische Behandlung nach einem Neuaustrieb mit glyphosathaltigen Produkten. Beachten Sie die jeweiligen Zulassungen und Auflagen.

Gegen Zaunwinde oder zur Teilflächenbehandlung gegen Ackerwinde sind Starane XL oder Pyrat XL mit 1,8 l/ha auf Getreide- oder Rapsstoppel zugelassen.

Tipp 5: Tiefes Vergraben verschiebt das Problem nur!

Bei Samen von Ackerfuchsschwanz und bei Ausfallraps gilt: Ein Vergraben durch zu tiefe Bearbeitung führt zu einer sekundären Keimruhe von unkalkulierbarer Dauer.

Tipp 6: Ausfallraps zum Keimen anregen!

Bei Ausfallraps lässt sich die Keimung durch ein flaches Ankratzen der Bodenoberfläche anregen, beispielsweise mit einem Strohstriegel oder auch bereits beim Mulchen. Bei letzterem öffnen sich auch noch geschlossene Schoten.

Beseitigen Sie den Aufwuchs möglichst flach oder chemisch.

Tipp 7: Ackerfuchsschwanz bildet risikoreichen Bodenvorrat!

Bei Ackerfuchsschwanz keimen nach der Ernte allerdings nur ca. 10 Prozent der aktuell ausgefallenen Samen, die restlichen Keimlinge stammen aus dem Bodenvorrat.

Mit Material von Andreas Lohrer, LRA Tübingen
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