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Einkommensquelle

So rentabel ist der Strohverkauf

Dr. Mathias Schindler/LWK Niedersachsen/Katharina Krenn/agrarheute
am
27.07.2016

Die Perspektiven beim Getreideverkauf sind derzeit verhalten. Insbesondere für tierhaltende Betriebe kann der Verkauf von Stroh rentabel sein. Das sind die Rahmenbedingungen.

Der angemessene Preis für Stroh hängt von der „Vermarktungsstufe“ ab. Weil sich der in einer Kalkulation zu berücksichtigende Aufwand deutlich verändert, wenn statt „Stroh vom Feld zur Selbstbergung“ lieber „Strohballen just in time (also aus einem Lager) frei Haus“ gewünscht werden, empfiehlt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen ein modular aufgebautes Kalkulationsschema an. Dieses sollte folgende Kostenpositionen berücksichtigen:  

  • den pflanzenbaulichen Wertverlust,
  • die Bergekosten und
  • ggf. die Lager- und Anlieferungskosten

Humusbilanz betrachten

Beim Strohverkauf werden sowohl Nährstoffe entzogen als auch die Humusbilanz beeinflusst. Während sich für Betriebe in Regionen mit sehr hohem Viehbesatz durch eine Strohabgabe die Wirtschaftlichkeit der Flächennutzung verbessert, weil sie sich die (höhere) Wirtschaftsdüngeraufnahme bezahlen lassen können (oder selber weniger Wirtschaftsdünger abgeben müssen), verursacht Strohverkauf hingegen in reinen Ackerbaubetrieben Kosten für „Ausgleichsdüngung“ und eventuell sogar noch für andere Aktivitäten zum Humuserhalt.

Kostenrechnung für Ackerbaubetriebe

Eine durchschnittliche Betrachtung ergibt für das Stroh einen reinen Nährstoffwert von etwa 21,18 €/t, der sich um anteilige Kosten von 1,98 €/t für die Maschinenkosten und den Lohnanspruch einer zusätzliche Mineraldüngerausbringung pro Jahr erhöht und um 2,98 €/t für die eingesparten Kosten beim Verzicht auf das Strohhäckseln durch den Mähdrescher verringert. So bleiben unterm Strich ca. 20 €/t bzw. 100 €/ha nach der reinen Kostenrechnung. Nach einem Risikoaufschlag von 20 % sind also 24 €/t bzw. 120 €/ha als Minimum angemessen, wenn das regionale Angebot die Nachfrage übersteigt.

Kosten bei gepresster Ware

Möchte der Käufer das Stroh erst in einigen Tagen abholen und drohen zwischendurch Niederschläge, ist (zur Risikominderung) der Verkauf „ab Feld gepresst“ sinnvoll. Weil dies dann je nach Art der Presse und Mechanisierung sowie Auslastung Kosten zwischen 14,37 €/t bei sehr gut ausgelasteten Rundballenpressen und bis zu 31,69 €/t für Kleinballenpressen mit geringerer Auslastung an zusätzlichen Maschinenkosten verursacht, sind deshalb Netto-Preise zwischen 41,50 und 62,25 €/t angemessen (inkl. 20% Risikoaufschlag).

Kostenkalkulation bei Lieferung

Soll das Stroh dann auch noch angeliefert werden, wird die Preiskalkulation schon deutlich aufwändiger. Beim Aufladen hat man die Wahl: In der Übersicht (Bild rechts) sind die Rahmendaten genannt, dann das Ergebnis, wobei die reinen Maschinenkosten für das Ladefahrzeug zwischen 5,26 (6,31) und 6,82 (8,18) €/t (inkl. 20% Risikoaufschlag) liegen. Beim Transport wird für Quader- und Rundballen das gleiche System verwendet, allerdings bringen die Rundballen wegen der ungünstigeren Raumausnutzung weniger Transportgewicht zustande.

Für beide ist die Zeit der Parallelfahrt beim Laden mit einkalkuliert. So kostet der Transport über 5 km zwischen 8,06 (9,67) und 12,44 (14,93) €/t (+20% für Risiko) zusätzlich. Obwohl bei den kleinen HD-Ballen wegen des Nicht-Stapelns das Transportgewicht deutlich niedriger ausfällt, wird der Transport durch das „angehängte Laden“ mit 7,58 bis 9,21 €/t (9,10 bis 11,05 €/t inkl. 20% Aufschlag) zunächst deutlich günstiger.

HD-Ballen haben ihren Preis

Die HD-Ballen sind zwar viel „handlicher“, aber das hat leider seinen Preis. Für diese Ballenart sind Verkaufspreise nur dann akzeptabel, wenn sie zwischen 87,19 und 99,36 €/t (inkl. 20% Aufschlag) und damit um 21 bis 24 €/t (bzw. ca. 32%) über den Preisen der Großballen liegen. Handarbeit hat bei uns eben inzwischen ihren Preis.

Erstaunlich günstig wird der HD-Ballentransport, aber nur, weil bei diesen System statt der Parallelfahrt nur die Zeiten für das Umhängen angesetzt werden müssen. Die Aufschläge für weitere km fallen trotz der „einfachen“ Mechanisierung höher aus, weil sich die Kosten auf deutlich weniger transportiertes Gewicht verteilen. Und richtig teuer wird dann das Abladen der HD-Ballen: Hier fordert die Handarbeit neben der Ballenbahn nicht nur Kraft sondern auch noch Ausdauer. Das Fitnessprogramm für die 2 AK dauert rund siebenmal so lang wie das Abladen durch 1 AK mit Technik. Reichen bei Großballen 4,76 bis 5,94 €/t fürs Abladen, kostet es bei HD-Ballen zwischen 17,23 und 21,72 €/t.

Strohverkauf in viehstarken Regionen

Da in viehstarken Regionen durch Strohverkauf die Nährstoffabfuhr von der Fläche steigt, kann mehr Wirtschaftsdünger ausgebracht werden. Wenn dabei nicht die Gesamtmenge von 170 kg N/ha überschritten wird, steigern 5 t Strohabfuhr pro Hektar die zulässige Gabe von Schweinegülle um etwa 5,35 m3/ha, was bei 1,85 €/m3 an „Aufnahme“-Erlös für betriebsfremde Gülle 10 €/ha an Vorteil ergibt.

Begrenzend wirkt die P-Zufuhr. Wer genau rechnet, muss 4 kg N/ha („geschenkt“) und 67 kg K2O/ha ausgleichen. Durch letzteres entsteht ein Ausgleichsbedarf von 37 €/ha. so dass die Nährstoffentzüge nur noch mit ca. 27 €/ha (37-10) bzw. 5,40 €/t Stroh zu Buche schlagen. Hier bringt also der Strohverkauf einen Vorteil von ca. 16 €/t Stroh (21,28 – 5,40) bzw. knapp 80 €/ha.

Können zusätzlich 5,35 m3/ha an eigener Gülle auf der eigenen Fläche untergebracht werden, wird die Abgabegebühr (Annahme: Ø 8 €/m3) gespart. Nach Abzug von 3 €/m3 für die eigene Ausbringung verbleibt ein Vorteil 5 €/m3 (bzw. 26,75 €/ha). Dies verbessert die Wirtschaftlichkeit um weitere ca. 17 €/ha, so dass sich dieser Betrieb insgesamt um etwa 97 €/ha besser stellt.

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