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Ackerfuchsschwanz

So vermeiden Sie Herbizidresistenzen

Ackerfuchsschwanz in Weizen
am Dienstag, 16.02.2021 - 08:11 (1 Kommentar)

Im Herbst 2020 trat Ackerfuchsschwanz überregional stark auf. Für die verbleibenden Herbizide ist das eine Belastungsprobe. Was sind die Gründe für Resistenzen und wie können Sie gegensteuern?

Die trockenen Anbaujahre machen nicht nur den Kulturen Probleme. Auch die bodenwirksamen Herbizide wirken nicht mehr ausreichend. Das zeigt sich bei den zehn wichtigsten Ungräsern und Unkräutern:

  • Windhalm,
  • Ackerfuchsschwanz,
  • Kamille,
  • Klettenlabkraut,
  • Durchwuchsraps,
  • Kornblume,
  • Vogelmiere,
  • Ackerehrenpreis,
  • Ackerstiefmütterchen und
  • Klatschmohn.

ALS-Resistenz nimmt stark zu

Das Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen hat aktuell über 1.000 Samenproben von Ackerfuchsschwanz und Windhalm auf Herbizidresistenz analysiert. Unkrautexperte Dr. Dirk Wolber fasst die Untersuchung zusammen.

Das Ergebnis erschreckt: Auf mehr als 50 Prozent der Standorte wurde eine mittlere bis starke ALS-Resistenz von Ackerfuchsschwanz gegenüber Mesosulfuron nachgewiesen, Tendenz steigend!

Besonders auf Marschstandorten nimmt die Resistenz von Ackerfuchsschwanz gegenüber fast allen Wirkstoffgruppen deutlich zu. Auf immer mehr Standorten tritt sogar eine Resistenz gegenüber der gesamten Gruppe der ALS-Hemmer auf.

Risiko Mehrfachresistenzen

Die Wirkung von Mesosulfuron und anderen ALS-Hemmern nahm in den vergangenen zehn Jahren auf den Praxisflächen in Niedersachsen stetig ab. Das zeigen 129 Wirkungsversuche gegen Ackerfuchsschwanz im Winterweizen. Bei fast der Hälfte der untersuchten Proben wirkte die Gruppe der DIM nicht mehr ausreichend. Focus Ultra war dabei deutlich stärker betroffen als Select 240 EC.

Die FOP-Gruppe wirkte im Monitoring nur noch bei sehr wenigen Proben. Daher fällt sie gegen Ackerfuchsschwanz in der Praxis komplett aus. Damit aber nicht genug: Auch gegen den Wirkstoff Pinoxaden (Gruppe DEN, enthalten in Axial 50 SC und Traxos) war Ackerfuchsschwanz bereits auf zahlreichen Standorten resistent.

Die Folge: Die nächste Generation von Ackerfuchsschwanz entwickelt multiple Resistenzen, also eine Wirkungseinbuße gegenüber mehreren Wirkstoffgruppen (siehe Grafiken unten).

Von über 800 Ackerfuchsschwanzproben, die hochgradig gegen Mesosulfuron resistent waren, zeigten 34 Prozent auch eine Resistenz gegen Cycloxidim (Focus Ultra), 9 Prozent gegen Clethodim (Select 240 EC) und 85 Prozent gegen Pinoxaden (Axial 50).

Demnach können die Gruppen der ALS- und ACCase-Hemmer mangels Wirkung auf den betroffenen Standorten nicht mehr empfohlen werden. Das bodenwirksame Flufenacet zeigte bei knapp 10 Prozent der untersuchten Verdachtsfälle für Ackerfuchsschwanz eine beginnende Herbizidresistenz.

Multiple Herbizidresistenz bei Ackerfuchsschwanz

Wirkverluste auch beim Windhalm

Ähnlich dramatisch ist die Situation beim Windhalm. Auch hier verlieren ALS-Hemmer (Klasse 2 nach neuer WSSA-Bezeichnung/Klasse B nach alter HRAC-Klassifizierung) zunehmend ihre Wirkung.

Einerseits wirken flufenacethaltige Herbizide noch. Andererseits beobachten wir aber auch eine kombinierte Resistenz gegen ALS-und ACCase-Hemmer (Wirkstoffgruppe 1/A). Das betrifft zum Beispiel Pinoxaden oder FOP-Wirkstoffe.

Verluste im Deckungsbeitrag von bis zu 70 Prozent

Etablieren sich Resistenzen erst einmal im Betrieb, sinkt die Wertschöpfung in der Pflanzenproduktion unvermeidbar. Zahlreiche Untersuchungen schätzen den Verlust im Deckungsbeitrag bei Getreide durch Resistenz auf 40 bis 70 Prozent.

Die Ertragsverluste durch die Konkurrenz von resistenten Ungräsern und Unkräutern können schnell 10 bis 50 Prozent betragen.

Das hilft gegen Resistenzen

  • Ackerhygiene: Schadgräser nicht ungehemmt vermehren lassen.
  • Fruchtfolge: Allein der Anbau von Wintergerste bringt gegenüber Stoppelweizen zwei bis drei Wochen mehr Zeit zur Stoppelbearbeitung vor Raps.
  • Sommerungen: Die Kombination von Stoppelbearbeitung im Herbst und Einsatz von Glyphosat nach dem Wiederergrünen, wie vor Winterungen, verbessert die Unkrautwirkung.
  • Bodenbearbeitung: Vermeiden Sie beim Bestellen der Sommerung jede unnötige Bodenbearbeitung. Sie fördert den Auflauf von Ackerfuchsschwanz aus tieferen Bodenschichten.
  • Samenpotenzial: Ein jährlicher Wechsel zwischen Blatt- und Halmfrucht halbiert die Verunkrautung mit Windhalm oder Ackerfuchsschwanz im Vergleich zu Fruchtfolgen mit zwei Drittel Getreideanteil.
  • Wirkstoffwechsel: Ist in der Fruchtfolge zwingend. Besonders gefährdete Wirkstoffgruppen dürfen Sie nur einmal pro Kultur und einmal pro Fruchtfolge beziehungsweise einmal in drei Jahren anwenden. Dazu gehören unter anderem die ALS-Hemmer (Gruppe 2/B).
  • ALS-Hemmer: Nur bei optimalen Anwendungsbedingungen einsetzen. Zu niedrige Luftfeuchtigkeit oder zu hohe Temperaturen im späten Frühjahr verschlechtern die Wirkung und selektieren resistente Biotypen. Additive verbessern die Wirkung.
  • Besatzstärke: Das Resistenzrisiko steigt, wenn ein hoher Unkrautbesatz vor dem Herbizideinsatz geduldet wird. Umso eher kann sich ein mutiertes Unkraut herausselektieren.
  • Aussaattermin: In engen Getreidefruchtfolgen steigt das Risiko bei sehr früher Aussaat. Bei Terminen Ende November ist die Keimrate von Ackerfuchsschwanz deutlich geringer.
Mit Material von Dr. Dirk Wolber, Pflanzenschutzamt der LWK Niedersachsen
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