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Wetter

So wirken Schnee und Frost auf dem Acker

Verschneite Landschaft mit Acker
am Montag, 08.02.2021 - 14:33 (Jetzt kommentieren)

Weite Teile Deutschlands liegen zurzeit unter einer Schneedecke. Wir zeigen, wie sich die Wetterlage auf die Ackerkulturen auswirkt

Das Wettertief Tristan hat weiten Teilen Deutschlands ungewöhnlich kalte Temperaturen und viel Schnee beschert. Zwischen Flensburg und Franken, Dresden und Wuppertal, hat der Winter noch einmal zugeschlagen. Nachts reichten die Temperaturen am Wochenende an manchen Orten bis zu -20 Grad. Das wirkt sich auch auf die Pflanzen auf dem Acker aus.

Schnee als Frostschutz

Die aktuelle Schneedecke ist ein guter Schutz für Wintergetreide und Winterraps. Schnee besitzt eine isolierende Wirkung. Er verhindert so, dass die Wärme aus dem Erdreich an die Oberfläche dringt und dort an die Umgebung abgegeben wird. So hilft die Schneedecke den Kulturen, gesund über den Winter zu kommen.

Josef Behr von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LWK NRW) sorgt sich deshalb eher um die Regionen, die in denen kaum Schnee liegt. Dazu gehört etwa das südliche Rheinland.

Dort bestehe das Risiko, dass der Kahlfrost zu Schäden auf dem Acker führt. Nach mehreren Jahren ohne richtige Fröste, sind dort einige Sorten mit geringer Winterhärte im Anbau. Insbesondere in früh gesäter Wintergerste könne es deshalb zu Schäden kommen.

Keine Wechselfröste in Aussicht

Ohne Schneedecke erträgt

  • Wintergerste bis -15 °C
  •  Winterweizen etwa -20°C,
  • Winterroggen sogar bis zu -25 °C.
  • Unter 4 °C ruhen Wachstum und Entwicklung der Pflanzen.

Bei den Zwischenfrüchten sind die Verhältnisse zurzeit ein Vorteil: Diejenigen Zwischenfruchtkulturen, die nicht frosthart sind, sterben nun ab. Außerdem hilft der Frost den Boden durch die Frostgare aufzulockern. Die Wirkung hängt allerdings davon ab, wie gut die Schneedecke isoliert.

Noch mindestens eine Woche soll die Kälte bleiben, prognostiziert der Deutsche Wetterdienst.  Dadurch bleibt die Schneedecke vorerst durchlässig und pulvrig. Das Risiko sogenannter Wechselfröste ist deshalb vorerst gering. Sie sind durch abwechselndes Tau- und Frostwetter für die jungen Pflanzen besonders schädlich.

Schädlinge noch in der Winterruhe

Doch Frost schadet nicht nur den Ackerkulturen, sondern auch den Schädlingen. Pflanzenschutzberater Karl-Josef Behr rechnet aber nicht damit, dass es zu größeren Einbrüchen bei der Schädlingspopulation kommt.

„Die Vegetation ist noch gar nicht richtig in Gang gekommen, obwohl wir in der letzten Woche vor dem Witterungswechsel einige warme Tagen hatten“, sagt er Deshalb befinden sich auch die Schädlinge noch in der Winterruhe. „An den Gelbschalen bei unseren Versuchen herrscht zurzeit noch Ruhe."

Zudem sind die meisten Insekten in unseren Breiten gut an kalte Temperaturen angepasst. Behr zufolge gibt es erst bei 2 bis 3 Wochen strengem Frost spürbare Effekte auf die Insektenpopulationen. 

Den Mäusen im Grünland hingegen nutzt die Schneedecke genauso wie den Pflanzen. Für sie sind nasskalte Bedingungen im Frühjahr viel schädlicher.

Kein Düngen bei Frost und Schnee

Noch sind Prognosen für den Ackerbau aber schwierig. Viel bei den Pflanzen und Schädlingen hängt davon ab, wie sich das Wetter in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt.

Fest steht, dass der reichlich gefallene Schnee gegen die Trockenheit hilft. Der Dürremonitor des Helmholz-Zentrums zeigt, dass selbst die Oberböden in weiten Teilen der Republik immer noch zu trocken sind.

Der Start in die neue Düngesaison ist vorerst gestoppt. Das Düngen bei Frost und Schnee ist gemäß Düngeverordnung verboten. Das Güllefahren muss deshalb warten, bis es wieder taut. Doch auch dann ist beim Düngen darauf zu achten, dass der Boden nicht wassergesättigt ist.

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