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Klimawandel

Sommerbraugerste: Ist eine Aussaat schon vor dem Winter sinnvoll?

Wenn die Sommerbraugerste noch vor dem Winter keimt, kann sie mehr Wurzeln ausbilden, die Winterfeuchte nutzen und Trockenheit im Frühjahr abpuffern.
am Mittwoch, 31.08.2022 - 06:03 (1 Kommentar)

Wechselweizen ist nichts Neues – Sommergerste vor dem Winter anzubauen, aber schon. Die Erträge sind vielversprechend, aber auf eine Sorteneigenschaft ist besonders zu achten.

Erste Versuche zur Herbstaussaat von Sommerbraugerste in Ostdeutschland zeigen, dass sich die längere Vegetationszeit positiv auswirkt. Wichtig ist die Sortengesundheit, vor allem wegen Rhynchosporium.

Vorteil: Mit Herbstaussaat von Braugerste den Regen vom Winter nutzen

Der Anbau von Sommerbraugerste in Herbstaussaat kann eine Option sein, um sich an die Klimaveränderungen anzupassen. Die Vegetationszeit ist länger, die Winterfeuchtigkeit lässt sich besser ausnutzen, die Kornfüllung setzt früher ein und der Einfluss von Trocken- und Hitzephasen könnte damit geringer sein.

Unter dem Strich würden diese Vorteile ein höheres Ertragspotenzial und mehr Qualitätssicherheit bedeuten.

Wie die aktuellen Gersten- und Weizensorten in der Ernte 2022 abgeschnitten haben, können Sie im digitalen Sortenführer auf HETAIROS.COM prüfen.

Nachteile: Ungräser, Rhynchosporium, Auswinterung

Es sind jedoch auch pflanzenbauliche Nachteile möglich. Die Bekämpfung von Ungräsern ist beschränkt, speziell in Regionen mit starkem Auftreten von Ackerfuchsschwanz. Hier ist der Zeitraum kürzer als bei Frühjahrsbestellungen.

Grundsätzlich ist auch der Krankheitsdruck höher. Besonders Rhynchosporium kann in Herbstaussaaten ein Thema sein. Deshalb ist hier die Anfälligkeit einer Sorte von größerer Bedeutung.

Zudem besteht das Risiko von Auswinterungsschäden. Es lässt sich aber hinterfragen, ob angesichts der Klimaveränderungen die Gefahr von Frostschäden an Bedeutung verliert und wie häufig solche Ereignisse auftreten können.

Erste Versuche vor drei Jahren, jetzt groß angelegt

Nach einem Testanbau 2019 und 2020 in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt führen die Länderdienststellen der ostdeutschen Länder nun eine ganze Serie mit randomisierten Versuchen durch, um belastbare Ergebnisse zu erhalten. Die Versuche stehen auf den Lössböden Ostdeutschlands und sind analog der Landessortenversuche (LSV) angelegt.

Geprüft wurden 2020/2021 Avalon, RGT Planet, Leandra, Prospect, Amidala und KWS Jessie. Zudem wurde KWS Somerset als eine etablierte Winterbraugerstensorte mitgeprüft.

Die Aussaat erfolgte je nach Standort zwischen 25. Oktober und 5. November mit 240 bis 260 keimfähigen Körnern je m2 (Ausnahmen: Amidala und Winterbraugerste KWS Somerset). Frühere Saattermine empfehlen sich wegen der Gefahr des Überwachsens und einer dadurch schlechteren Überwinterungschance nicht.

Rhynchosporium ist bei Herbstaussaat von Braugerste das große Thema

So reagieren die Braugerstensorten auf Rhynchosporiumbefall

Aus Provokationsversuchen nach der „Weihenstephaner Kastenmethode“ gibt es erste Erkenntnisse zur Winterfestigkeit. Sie deuten darauf hin, dass alle geprüften Sommerbraugersten deutlich empfindlicher reagieren als die zweizeilige Winterbraugerste KWS Somerset.

Kahlfröste statt der Schneedecke hätten im Winter 2020/2021 wahrscheinlich eine Neuansaat erforderlich gemacht.

Rhynchosporium trat in der extensiven Prüfstufe ohne Fungizide und Wachstumsregler in der Herbstaussaat an allen Versuchsorten auf. 2021 war sie die dominierende Krankheit mit teils starkem Befall.

Der Sortenvergleich zeigte recht deutliche Unterschiede (siehe Grafik „So reagieren die Braugerstensorten auf Rhynchosporiumbefall“).

Die Beobachtungen unter den konkreten Anbaubedingungen bei Herbstaussaat weichen von der Einstufung des Bundessortenamts (BSA) ab, weil das BSA nur bei Frühjahrsaussaat prüft. Dort spielte Rhynchosporium 2021 nahezu keine Rolle.

Mehr Ertrag, geringere Qualität

Kornertrag im Sortenvergleich bei Frühjahrs- und Herbstaussaat von Braugerste.

Mit der Herbstaussaat ließen sich 2021 an allen Versuchsorten höhere Kornerträge erzielen. Das galt sowohl bei ortsüblicher Fungizid- und Wachstumsreglerintensität (plus 15 dt/ha) als auch für die extensive Variante (plus 14 dt/ha).

Im Sortenvergleich erreichte Leandra bei einer Frühjahrsaussaat nur mittlere bis leicht unterdurchschnittliche Kornerträge, in der Herbstaussaat steht sie dagegen zusammen mit RGT Reform mit höchstem Ertrag auf Platz eins.

In der Herbstaussaat ist Leandra damit vorzüglicher als andere Sorten, in der Frühjahrsaussaat dagegen eher nicht.

Anders als beim Testanbau im trockenen und heißen Jahr 2019 ließen sich 2021 mit der Frühjahrsaussaat bessere Kornqualitäten erreichen als mit der Herbstaussaat. Das traf für alle Versuchsorte zu.

So betrug der Vollgersteanteil bei Frühjahrsaussaat durchschnittlich 93,2 Prozent und bei Herbstaussaat 80,2 Prozent. Ähnlich verhielt es sich beim Hektolitergewicht mit 66,7 kg/hl bei Frühjahrsaussaat und 63,8 kg/hl bei Herbstaussaat.

Mit Material von Christian Guddat/TLLLR, Martin Sacher/LfULG und Heiko Thomaschewski/LLG
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