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Getreide

Sommergerste 2014: Ertrag gut, Preis fällt

© landpixel
von , am
10.09.2014

Die Sommergerste liefert europaweit einen guten Ertrag. Die Qualität passt nicht immer: versteckter Auswuchs mit verminderter Keimfähigkeit kommt vor. Der Preis für die Ernte 2014 ist gefallen.

© Serfling
Die Braugerstengemeinschaft rechnet in ihrer jüngsten Ernteprognose für Europa mit einer gut durchschnittlichen Ernte. Der Ertrag ist insgesamt gut, jedoch lassen die Qualitäten mancherorts zu wünschen übrig.
 
Der Proteingehalt der Sommergerste liegt häufig im unteren Bereich der Skala. In einigen Regionen/Ländern kommt es zu verstecktem Auswuchs, die Keimfähigkeit leidet.
 

Ertrag und Qualität der Sommergerste in Deutschland

In den Früherntegebieten Deutschlands zeichnet sich in diesem Jahr ein guter Ertrag von derzeit etwa 5,2 Tonnen je Hektar (t/ha) für die Sommergerste ab. Bei anhaltender Trockenheit konnte die Ware zum richtigen Zeitpunkt geerntet werden. Die regional sehr unterschiedlichen Niederschläge im Frühjahr führten allerdings je nach Bodenverhältnissen zu Trockenschäden.
 
Sehr heterogene Qualitätsergebnisse sind nach Angaben der Braugerstengemeinschaft das Ergebnis. Die durchschnittlichen Eiweißgehalte liegen etwas über dem niedrigen Vorjahresniveau.

Braugerstengemeinschaft rechnet mit sinkender Prämie

Der Markt für Sommergerste ist nach Einschätzung der Braugerstengemeinschaft  verunsichert. Anfang August gab es Verkäufer fast nur in Großbritannien und Deutschland. In Dänemark und an der Mosel sind Abgeber trotz einer hohen Prämie zur Futtergerste so gut wie nicht am Markt. In Dänemark liegt die Prämie bei etwa 25 bis 30 Euro je Tonne (€/t), an der Mosel sogar bei 40 bis 45 €.
 
Im Markt wird die Prämie aufgrund der guten diesjährigen Ernte und guten Versorgung der Verarbeiter auch als hoch und nicht unbedingt gerechtfertigt angesehen. Die Braugerstengemeinschaft rechnet damit, dass die Prämie nach unten korrigiert werden könnte. Bis Oktober /November, teilweise auch bis Dezember sind die Verarbeiter gedeckt.

Preis für Sommergerste fällt um bis zu 15 Euro je Tonne

Fob Dänemark im Oktober sind im Moment Preise von 185,00 bis 186,00 €/t im Gespräch. In Großbritannien liegt der Kurs bei 182,00 € für den gleichen Zeitraum. Fob Mosel Basis Juli werden im Moment Preise von 193,00 bis 194,00 €/t genannt. Der Oberrhein zahlt franko 205,00 €/t im Oktober.
 
Damit haben die Kurse angelehnt an die internationalen Weizenkurse in den vergangenen Wochen um zehn bis 15 €/t nachgegeben. Auf die Ernte 2014 wird aber nicht gewartet. Der Blick ist eher auf die Ernte 2015/16 gerichtet. Für diesen Zeitraum liegen die Kurse zehn bis zwölf Euro je Tonne über der Ernte 2014. Damit wird unter Anderem einer erwarteten weiter nachgebenden Fläche Rechnung getragen.   
 
Viele weitere Informationen zum diesjährigen Ertrag und Preis finden Sie in unseren Themendossiers Ernte Deutschland 2014 und Ernte weltweit 2014 ...

Frankreich: Menge Ok, Qualität zweifelhaft; England startet mit schwacher Qualität

In Frankreich erwarten Marktteilnehmer eine durchschnittliche Ernte. Die Bestände haben sich von der Frühjahrstrockenheit gut erholt. Allerdings ist noch nicht klar, welche Auswirkungen der Regen vor und während der Ernte hatte. Versteckter Auswuchs und damit Auswirkungen auf die Keimfähigkeit werden nicht ausgeschlossen. Auch die Vollgerste hat etwas gelitten.
 
Mit schwachen Proteinwerten ist die Ernte in England gestartet. Später in den Hauptanbaugebieten für Braugerste konnten sie sich erholen. Hohe Erträge und gute Vollgerstenwerte charakterisieren das Bild der bisherigen Ernte.

Sommergerste liefert in deutschen Nachbarländern guten Ertrag

In den Niederlanden sind Auswirkungen des Wetters nicht zu registrieren. Es ist die Rede von sehr guten Qualitäten. Zwei Drittel der österreichischen Ernte können Eiweißwerte im optimalen Bereich vorweisen. Regional gibt es witterungsbeding noch deutliche Ernteverzögerungen.
 
Exzellente Erträge von bis zu acht Tonnen je Hektar in Tschechien haben den Proteingehalt um 0,5 bis 1,0 % im Vergleich zum Vorjahr gesenkt. Auf den späteren Flächen besteht noch die Gefahr von Auswuchs und Schimmel aufgrund anhaltenden Regens. Ein ähnliches Bild ergibt sich auch in der Slowakei.
 
In Polen wird von sehr guten Erträgen berichtet. Auch die Eiweißwerte liegen hier im gewünschten Bereich. In Ungarn leiden seit Anfang August die Qualitäten. Es begann zu regnen. 50 % waren zu diesem Zeitpunkt geerntet. Die Sortierung ist stark abhängig von der Sorte und den Bodengegebenheiten.

Skandinavien punktet mit guter Qualität

In der gesamten skandinavischen Region werden laut RMI Analytics 55 Prozent (%) der Qualitäten als gut eingestuft, 28 % als exzellent. Elf Prozent sind als ordentlich beschrieben, nur sechs Prozent als schwach.
 
Von hohen Erträgen und einem niedrigen Protein wird auch in Dänemark ausgegangen. Lokale Regenfälle haben die Geschwindigkeit aus der Ernte etwas herausgenommen. Der Überschuss an Gerste wird in Dänemark mit 750.000 Tonnen (t) geschätzt. Es ist die Rede von einer guten gesunden Qualität.
 
In Schweden sind ähnliche Ergebnisse zu erwarten.
 
Die Erträge in Finnland zeigen bei der erst gestarteten Ernte große Unterschiede. Trockenheit hatte einen negativen Einfluss im Westen des Landes. 

Russland kommt ohne Import von Gerste aus

Russland steckt noch in den Anfängen der Ernte. Auch hier treten Partien mit niedrigem Eiweiß auf. Im Großen und Ganzen sind die Landwirte aber zufrieden. Auswuchs könnte ein Thema werden. Allerdings würden die Russen in diesem Jahr wieder ohne Importe auskommen. 
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