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Getreide

Sommergerste: Exportnachfrage belebt den Markt

von , am
13.12.2014

Obwohl in einigen wichtigen Anbauländern Europas der Anbau von Sommergerste zum Teil deutlich reduziert wurde, scheint das Angebot zu reichen. Exportanfragen bringen Bewegung in den Markt.

Bei der Futtergerste sollte der Stickstoffgehalt im Korn über 2 Prozent liegen. © Mühlhausen/landpixel
Die Qualität der Sommergerste in Europa aus diesem Jahr überzeuge bis auf regionale Ausnahmen. Laut Braugersten-Gemeinschaft ist die Versorgung aus der Ernte 2014 in der EU mit rechnerischen rund 1,0 Millionen Tonnen (Mio. t)  Überschuss an Sommergerste bis weit in das Jahr 2015 gesichert. Versorgungsengpässe in Australien, Argentinien und Nordamerika bringen den Markt allerdings für die kommende Ernte in Bewegung. Es gebe Exportnachfrage auch nach Winterbraugerste aus Südamerika, China, und Nordamerika. Die Preistendenz für Sommergerste unabhängig von den internationalen Weizenpreisen sei fest.
 
Die europäischen Mälzer sind laut Braugersten-Gemeinschaft für das Kalenderjahr 2015 und damit an der Ernte 2014 weniger interessiert. Bis auf Spitzenmengen seien ihre Aktivitäten begrenzt. Der Fokus liegt auf dem Kalenderjahr 2016 und damit der Ernte 2015.

Preise zeigen leicht nach oben

Sommergerste 2014 in der EU: Anbaufläche, Erträge, Sorten © Braugersten-Gemeinschaft e.V.
Mitte November wurden Kurse von 210,00 bis 212,00 Euro/t franko Oberrhein im Oktober 2015 besprochen. Im August diesen Jahres lagen diese Kurse für Oktober 2014 bei 205,00 Euro/t. Fob Dänemark werden für Oktober 2015 198,00 Euro/t genannt. Im August lagen sie für den diesjährigen Oktober bei 185,00 bis 186,00 Euro/t.
 
In Großbritannien spricht man von einem ähnlichen Niveau. Die Mosel wird im Moment aus deutscher Sicht kaum beachtet weil sie zu teuer ist. Die Franzosen verkaufen ihre Ware eher in den Export. Der Überschuss in Europa könnte schnell vermarktet sein und der Markt mit niedrigen Endbeständen in die Ernte 2015 gehen.

Sommergerste 2104: Überschuss in Frankreich und Großbritannien

In Deutschland wurde eine sehr gute Ernte eingefahren. Der durchschnittliche Hektarertrag lag mit 59 dt um fünf Dezitonnen über dem Ergebnis von 2013. Es ist die Rede von einem Rekordertrag. Insgesamt wurden 200.000 t mehr geerntet als im Vorjahr. Der niedrige Eiweißgehalt und der hohe Vollgerstenanteil ermöglichten eine hohe Selektionsrate. Dennoch wird auch von sehr heterogenen Einzelpartien berichtet. Vor der Verarbeitung sollte besonders auf die Keimenergie und die äußeren Qualitätsmerkmale geachtet werden, rät die Braugersten-Gemeinschaft.
 
In Frankreich wurden in dieser Ernte für Sommergerste bei einer leicht ausgedehnten Fläche ähnlich gute Ergebnisse eingefahren wie im Vorjahr. Dennoch besteht laut Braugersten-Gemeinschaft der Eindruck, dass in diesem Jahr die Wintergerste bessere Qualitäten vorweisen kann als die Sommergerste. Aufgrund der früheren Ernte der Wintergerste wurde die Ware vor dem Regen noch gesund eingebracht. Sommergerste während der nassen Witterung geerntet weist in einigen Regionen Fusarium auf. Betroffen ist in erster Linie der Osten Frankreichs. Der Exportüberschuss liegt dennoch bei etwa 850.000 bis 900.000 t.
 
In Großbritannien ist die Rede von sehr guten Qualitäten. Der Proteingehalt liegt etwas unter dem Durchschnitt. Im Markt wird mit einem Überschuss an Gerste von rund 450.000 t gerechnet. Auch in den Niederlanden spricht der Markt von sehr guten Qualitäten. In Österreich war die Ernte in den meisten Regionen zufriedenstellend bis überdurchschnittlich. Aufgrund der positiven Witterung im Mai /Juni dieses Jahres entsprach Winterbraugerste erstmalig überwiegend den Anforderungen.

Ernte 2014: Sehr gute Erträge in Osteuropa und Russland

Dänemark spricht bei einer um rund 100.000 ha reduzierten Fläche sogar von einer exzellenten Ernte in diesem Jahr. Der Überschuss könnte sich auf 600.000 bis 700.000 t belaufen und damit leicht unter dem Vorjahresniveau liegen. In Schweden besteht die Gefahr von verdecktem Auswuchs aufgrund von Regenfällen in manchen Regionen des Landes während der Ernte. Der Markt rechnet mit einem Überschuss von rund 150.000 t an Gerste. Bei einem ebenfalls ähnlichen Ergebnis in Finnland wie im Vorjahr in Qualität und Quantität werden große Unterschiede bei den Erträgen in den verschiedenen Regionen registriert. Aus Skandinavien wird insgesamt mit einem Exportüberschuss an Gerste von knapp 1,0 Mio. t ausgegangen. 

Aus Polen wird mit Ausnahme aus dem Südwesten des Landes von sehr guten Qualitäten berichtet. In dieser Region tauchen Probleme mit Keimenergie und Fusarium aufgrund der vielen Regenfälle vor und während der Ernte auf. Von sehr guten Erträgen und einem geringeren Proteingehalt als im Vorjahr wird in der Slowakei und Tschechien berichtet. Hier wird von einer guten Brauqualität ausgegangen. Ähnliches ist auch aus Ungarn zu hören. Auch in Russland waren die Bedingungen für die Braugerste gut. Die besten Farmer konnten bis zu 6 t/ha ernten. 
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