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Getreide

Spätdüngung in die Ähre im Qualitätsweizen

© landpixel
von , am
21.06.2012

Die Niederschläge der vergangenen Woche haben nicht überall zu einer intensiven Durchfeuchtung des Bodens geführt. Vielerorts muss mit einer eingeschränkten N-Freisetzung gerechnet werden.

In überrschend vielen Weizenbeständen mangelt es an Schwefel. © Brigitte Maria/aboutpixel
Eine zusätzliche Spätgabe mit KAS wird nur noch in begrenztem Umfang von der Pflanze umgesetzt, wenn der Stickstoff erst gegeben wird, wenn die Kornbildung bereits in Gang ist. In erster Linie wird damit der NPN (=Non-Protein-Stickstoff)-Gehalt im Korn angehoben. Damit steigt zwar der Rohprotein-Gehalt, die restlichen Qualitätseigenschaften wie Klebergehalt, Sedimentationswert und Dehnungsverhalten werden jedoch nicht verbessert - im Gegenteil sie können sogar beeinträchtigt werden. Unter Umständen (hohe Temperaturen + Feuchtigkeit) wird auch die Fallzahl negativ beeinflusst.
 
Solange die Kornbildung noch nicht abgeschlossen ist, sprich das Korn noch nicht gefüllt und der Inhalt noch wässrig-milchig ist, kann eine Ährendüngung mit Harnstoff (= Amidstickstoff) zu einer Qualitätsverbesserung beitragen. Voraussetzung: Die Ähre muss eine stabile Wachsschicht gebildet haben, um kein Verätzungsrisiko einzugehen. Die Ähre nimmt eine dunklere Farbe an, wenn sie durch die Hand gezogen wird, weil die Wachsschicht abgestreift wird.

Qualitäts-Spätdüngung auf die Ähre

  • Der aus dem Harnstoff gebildete NH4-Stickstoff und der direkt aufgenommene Amidstickstoff aus dem Harnstoff kann sofort in Aminosäuren und Proteine eingebaut werden, während der NO3-Anteil aus dem AHL erst in NH4 umgewandelt werden muss. Deshalb ist Harnstoff bzw. Harnstoff + SSA (= NH4 + S) bzw. Harnstoff + NP-Lösung (= NH4 + P!) effektiver als AHL.

  • Für die Proteinbildung müssen genügend S, Mg, Cu und (Mn) in der Pflanze enthalten sein. Bei knapper Versorgung ist eine Ergänzung durch die Blattdüngung angebracht.

  • Auf Standorten mit P-Festlegung oder knapper P-Versorgung erwies sich die Kombination von Harnstoff + NP-Lösung als vorteilhaft, insbesondere bei strahlungsarmer Witterung.

  • Der Harnstoff senkt die Temperatur der Spritzbrühe stark ab. Deshalb sollte eine Spritzung mit der kalten Brühe nicht tagsüber bei Temperaturen über 20 °C durchgeführt werden. Die Verträglichkeit ist besser, wenn der Harnstoff morgens vorgelöst wird, das Fass in der Sonne stehen bleibt und die verdünnte Spritzbrühe am Abend ausgebracht wird.

  • Die Ährendüngung ist als Düngungsmaßnahme zu sehen. Tankmischungen mit Fastac SC oder Karate WG sind möglich. Mischungen mit Morpholinen, ölhaltigen Insektiziden (Pirimor), P-Ester und EC-Formulierungen oder mit Herbiziden sollten nicht durchgeführt

Vegetationsreport: Die letzten Pflanzenbautipps mit Josef Stangl

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