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Getreide

Stoppeln geben Aufschluss

von , am
17.07.2010

Schlechte Erträge der Wintergerste lassen sich auf den ersten Blick nicht erklären, wenn der Blattapparat ausreichend geschützt wurde. Die Stoppeln können Aufschluss geben.

© agrarfoto

Die Erträge der Wintergersten nach Blattfrucht lagen häufig deutlich höher. Die Vermutung liegt nahe, daß die Ursache für Mindererträge im Wurzel- und Halmbasisbereich zu suchen ist. Es ist angebracht, sich dazu bei enttäuschenden Getreideerträgen die Stoppeln näher anzuschauen.

Schwarzbeinigkeit

Lassen sich die Stoppeln samt Wurzel sehr leicht aus dem Boden ziehen, ist der Halmgrund im Kronenwurzelbereich schwarz bzw. regelrecht vermorscht und sind die Wurzelstümpfe überwiegend schwarz, liegt der Verdacht auf Schwarzbeinigkeit nahe. Der Bestand hat schon nach zwei bis drei Tagen Hitze deutlich gelitten. Der Verdacht wird verstärkt, wenn der Acker nicht queckenfrei ist, der Getreideanteil über 66 Prozent liegt oder wenn in den Blattfrüchten Ausfallgetreide nicht konsequent bekämpft wurde.

Stengelfusarium

Sind die unteren Stengelknoten dagegen violett-schwärzlich und setzt sich diese Färbung bis zu 2 - 3 cm in das darüber liegende Internodium hinein fort, so deutet dies auf den Befall mit Stengelfusarium hin. Der Befall wurde in der Regel unter der Schneedecke über Winter gesetzt, als ideale Infektionsbedingungen herrschten. Der Befall mit Fusarien wurde verstärkt, wenn durch sehr frühzeitige Halmbruchbekämpfung eine "Nische" für Fusarien geschaffen wurde. Das Blatt, das am jeweiligen Stengelknoten ansetzt, stirbt vom Knoten aus ab, auch wenn auf dem Blatt selbst ein ausreichender Fungizidschutz gegeben ist. Je nach Schwere des Befalls sind die Leitbahnen in den Knoten mehr oder weniger verbräunt und lassen nichts mehr durch.

Halmbruch

Die typischen Halmbruchsymptome dagegen finden sich an den Internodien, vorwiegend zwischen dem Bestockungsknoten und dem ersten Knoten. Lagernester mit kreuz und quer durcheinander lagernden Pflanzen und direkt über der Bodenoberfläche abknickenden Pflanzen sind erste sichere Hinweise auf Halmbruch. Weiter deuten eigentlich schon fast druschreife Bestände, die unmittelbar vor der Ernte noch umfallen, auf Halmbruch hin. Während die Erfassung der Halmbruchsituation im Hinblick auf das eventuell nachfolgend angebaute Getreide und dessen Gefährdung die wichtigste Entscheidungsgrundlage liefert, läßt die Erfassung des Fusariumstengelbefalls Rückschlüsse auf mögliche Lücken des Fungizideinsatzes zu.

Bei eindeutigem Schwarzbeinigkeitsbefall sind dagegen grundsätzliche Weichen zu stellen, beziehungsweise Fragen zu klären:

  • Quecken, Ungräser konsequent bekämpfen
  • Ausfallgetreide in den Blattfrüchten frühzeitig bekämpfen, damit auch die Wurzeln abgestorben sind, bevor die Neuaussaat erfolgt.
  • Sind wurzelschwache Getreidearten (z.B. Wintergerste) auf dem Standort sinnvoll?
  • Hohe IPU-Mengen in frühen Entwicklungsstadien vermeiden
  • N-Düngerformen darauf abstimmen: Nitrat fördert Ophiobolus, Ammonium (Gülle!) hemmt den Befall
  • Manganblattdüngung im Herbst
  • Chloridhaltige Kalidünger vor Vegetationsbeginn: Chlorid hemmt Nitrataufnahme
  • Auf Zwischenfruchtanbau zugunsten einer Queckenbekämpfung verzichten (pd)

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