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Zulassung

Streit um Glyphosat: Schärfere Prüfungen und mehr Transparenz nötig

Glyphosat-Pflanzenschutzspritze
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Karl Bockholt, agrarheute
am
07.12.2018

Die EU-Zulassung für Pflanzenschutzmittel ist die strengste der Welt. Dennoch fordern Politiker schärfere Prüfungen. Zumal auch Hilfsstoffe eine Gefahr sind.

Als Reaktion auf die Zulassung von Glyphosat bis 2022 hat ein Sonderausschuss des EU-Parlaments strengere Prüfmechanismen für Pflanzenschutzmittel gefordert. Künftig sollen Studien zu den Wirkstoffen besser öffentlich zugänglich sein.

Zudem sollen künftig nicht mehr die Hersteller der Mittel darüber entscheiden, welches Land für die Erlaubnis zuständig ist. Vielmehr solle die EU-Kommission mehr Mitspracherechte erhalten. Die Kritik richtet sich gegen das bisherige Zulassungsverfahren.

Sich nicht allein auf die Industrie verlassen

Der Sonderausschuss mit 30 Mitgliedern war Anfang 2018 ins Leben gerufen worden. Voraussichtlich im Januar 2019 soll sich das EU-Parlament mit dem Thema befassen.

Bemängelt wird, dass sich die nationalen Behörden bei der Bewertung auf die Urteile der Industrie verlassen. Obwohl die Ämter den Antragstellern jede Menge Vorgaben machen, sollen die Ergebnisse zukünftig nicht ohne weiteres in die Prüfberichte einfließen, jedenfalls nicht ohne Kennzeichnung der Quelle.

Das soll für mehr Unabhängigkeit, Transparenz und so mehr Vertrauen sorgen, sagt der Berichterstatter in dem Ausschuss, Norbert Lins, CDU. Möglichen Interessenkonflikten will auch Maria Noichl, SPD, einen Riegel vorschieben. Die Bewertung eines Wirkstoffs dürfe nicht wiederholt in den Händen der gleichen Personen liegen.

Transparanz-Initiative der Industrie jährt sich

Derweil jährt sich heute die Transparenz-Initiative der Industrie. Der Bayer-Konzern will das Vertrauen in wissenschaftliche Grundlagen von Wirkstoffen verbessern. Dafür wurde eigens eine Transparenzplattform geschaffen. Dort ist das Fazit von über 300 Studien online.

Sie wurden für die EU-Zulassung eingereicht. Zu finden sind 18 Zusammenfassungen zu Rückständen und Abbau-, 32 zum Umweltverhalten, 180 zur Toxikologie und 88 zur Ökotoxikologie für aktive Substanzen und repräsentative Formulierungen.

In 40 Jahren wurden Glyphosat und darauf basierte Formulierungen im Hinblick auf Gesundheit und Sicherheit evaluiert. Ergebnisse gibt es auch bei der EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde, der U.S.-Umweltschutzbehörde (EPA) und der Glyphosat-Task-Force.

Hilfsstoffe schädlicher als der eigentliche Wirkstoff?

Inwieweit Glyphosat Einfluss auf Zellen des menschlichen Nervensystems hat, haben Neurowissenschaftler des Universitätsklinikums Essen untersucht.

Das Ergebnis: Glyphosat-basierte Mittel können schädigenden Einfluss auf das Nervensystem haben. Dabei spielen nicht deklarierte und benannte Inhaltsstoffe eine wichtige Rolle. Die Forscher fanden heraus, dass Glyphosat die sogenannte Myelinscheide abbauen und verhindern, dass sie neu gebildet wird.

Überraschend war aber, dass Glyphosat allein deutlich weniger schädigte. Die Daten weisen darauf hin, dass nicht benannte Inhaltsstoffe in Glyphosat-Präparaten das Myelin schädigen können. Glyphosat selbst spielt möglicherweise nur eine untergeordnete Rolle, so Fabian Szepanowski, der an der Studie beteiligt war.

Welche Inhaltsstoffe genau zu den Reaktionen führen, müssen weitere Studien klären. Zudem ist nicht klar, wie groß die Risiken für Menschen, Tiere und für die Umwelt tatsächlich sind.

Mit Material von dpa, Bayer, UK Essen
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