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Precision farming

Teilflächengenau säen, düngen, schützen: Ackerbau online optimieren

Kleffmann-MyDataPlant
am Mittwoch, 30.01.2019 - 08:10

Ausbringkarten für Dünger, Saatgut, Fungizide und Wachstumsregler in verschiedenen Bodenzonen sowie Biomassekarten zur Bestandskontrolle bietet das Online-Portal MyDataPlant. Das Tool soll den Einstieg in digitale Lösungen leicht machen.

Bedarfsgerecht wirtschaften und Dünger, Saatgut, Fungizide und Wachstumsregler standortoptimiert ausbringen – so lautet das Versprechen von MyDataPlant. Das Tool zur Optimierung soll helfen, etwa 10 bis 15 Prozent der Kosten zu sparen, vor allem bei Stickstoff (N), um die N-Bilanz zu verbessern. Bei Saatgut sind rund drei Prozent Einsparpotenzial drin.

Bis zu fünf Prozent Mehrertrag sind mit dem online-Portal möglich, sagt Marktforscher Burkhard Kleffmann. Sein unabhängiges Unternehmen mit Experten in Sachen Datenanalyse will den „neuen Austausch“ mit der Praxis etablieren. Seit 2016 läuft die Testphase in Pilotbetrieben. Zur Agritechnica 2017 eingeführt, wurde 2018 die Saatkarte und nun die Version 2.0 am Firmensitz im münsterländischen Lüdinghausen vorgestellt.

Kontrolle vom Büro aus

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Genutzt werden dazu die kostenfreien Sentinel-2-Satellitendaten der ESA. Mit den Biomassekarten alle 5 Tage lassen sich die Bestände von zu Hause aus in einer Auflösung von 5x5 m überwachen. Mit ISOBUS-Technik oder per USB-Stick gelangen alle Daten an Streuer, Spritze, Sägerät und Güllefass. Sie werden automatisiert dokumentiert.

Ab Februar 2019 wird für die Düngekarte auch eine Exportfunktion für den agrirouter zu nutzen sein, um die teilflächengenauen Mengen drahtlos an die Maschinen zu übermitteln. Die herstellerunabhängige Plattform hilft, dass Software und Ausbringgeräte kommunizieren. Sie wird vertrieben von der DKE-Data, an der namhafte Landtechnikhersteller beteiligt sind.

Die Karten sind jederzeit über Tablet, PC oder Smartphone verfügbar. Dabei hilft die App Crop Navigator. Sämtliche Daten der Landwirte und vor allem Lohnunternehmer werden ausschließlich auf Servern in Lüdinghausen gespeichert. Ein vollständiger Datenschutz soll somit garantiert sein.

Saatgut, Pflanzenschutz- und Düngemittel würden so effizienter genutzt. Die Bestände seien homogener, die Erntequalität sei besser. Das soll die Druschleistung um rund zehn bis 15 Prozent erhöhen. In Hoch- und Niedrigertragszonen lassen sich Wassermangel, Verdichtungen oder Krankheitsbefall erkennen

Neue Funktionen im Portal 2.0

"Highlight" der neuen Funktionen ist die N-Bilanz. Sie bezieht alle Ausbringkarten ein und rechnet sie automatisch in die Hofbilanz. Das ist entscheidend für die Düngeplanung. Weiter ist es möglich, diverse Karten nebeneinander beziehungsweise gegenüber zu stellen. Jeder Nutzer kann eigene Feldkarten hochladen, etwa bisherige Daten zu Erträgen, Maschinen und Böden, beispielsweise Leitfähigkeitsmessungen oder Reichsbodenschätzung.

Mit dem Lohnunternehmer, Maschinenring oder Berater können die Mandanten bestimmte Schlagdaten teilen oder sie verbergen. Per elektronischem Stift lassen sich alle Ausbringkarten bearbeiten. Werden Saat- und Düngekarten in einem Auftrag erstellt, seien auch Multiapplikationsdaten zu exportieren.

Dabei basieren die Düngeausbringkarten auch auf Bodenzonen. Das sei wichtig für die Zeit, da keine Biomasse wächst. Bei der Überwachung sind oft noch Wolken im Weg. Darum nutzt MyDataPlant auch Radardaten.

Wichtig ist dem Anbieter, dass das Portal kompatibel mit anderen Systemen ist und weitere Datenquellen einbezieht, etwa zur Bodentemperatur oder –feuchte. Langfristig soll es auch ein Ertrags- und Risikomanagement bieten, das ökonomische Zahlen liefert.

Das kostet der teilflächengenaue Spaß

Die weltweit gültigen Preise sind gestaffelt nach Betriebsgröße. Basis aller Module sind die Biomassekarten. Bis 500 ha kosten die 4 Euro/ha im Jahr, bis 1.000 ha sind es 3,30 Euro, weiter gestaffelt bis 2 Euro/ha. Die Saat- und Düngekarten kommen mit je 2 Euro/ha hinzu.

Nach Angaben von Kleffmann nutzen weltweit knapp 2.000 Betriebe das Tool, vor allem in Süd- und Nordamerika. So seien rund 500.000 ha im System. In Deutschland seien es bisher circa 750 Betriebe mit etwa 120.000 ha. Bei rund 11 Mio. ha Ackerfläche ist da noch viel Luft nach oben.

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