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Fungizide

Ein Teufelskreis: weniger Wirkstoffe, mehr Resistenzen

AF_Weizen-Septoria-Pilzkrankheit
am Freitag, 01.03.2019 - 05:02

Die Wirklücken nehmen zu. Die EU-Liste mit 77 ersetzbaren Wirkstoffen, die womöglich wegfallen, und die schwierige Zulassungssituation bei neuen Präparaten machen Probleme. Das gilt besonders für Fungizide.

Ein Verbot von Azolen und Kontaktfungiziden bringt drastische Folgen im Getreidebau. Neben speziellen Mehltau-Wirkstoffen sind gegen Pilzkrankheiten vier wesentliche fungizide Wirkstoffgruppen verfügbar:

  • Azole,
  • Strobilurine,  
  • Kontaktfungizide und
  • SDHI-Fungizide (Succinate-Dehydrogenase-Inhibitoren).

Cut off heißt k.o.

Mit den sogenannten cut-off-Kriterien bei der Zulassung stehen die Azole bei der Neubewertung erlaubter Wirkstoffe im Fokus.

  • Bei Propiconazol und Cyproconazol steht ein Wegfall bereits fest.
  • Auch Epoxiconazol, Tebuconazol und Prochloraz müssen dieses und nächsten Jahr neu bewertet werden. Sie sind mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls künftig nicht mehr verfügbar.
  • Ob weitere Azole künftig folgen, ist ungewiss.
  • Neben den Azolen steht Chlorthalonil als wichtigster Vertreter der Kontaktfungizide in der Kritik. Die Zulassung des derzeit einzigen Produkts mit dem Wirkstoff endet 2019.
  • Bei den speziellen Mehltaupräparaten werden zudem die Wirkstoffe Fenpropimorph und Fenpropidin von den Zulassungsinhabern nicht weiter verfolgt.

Immer weniger neue Fungizide in Sicht

Nach aktueller Resistenzsituation sind Ramularia und Netzflecken in Gerste sowie Septoria tritici und Echter Mehltau in Weizen die Problemfälle. Chlorthalonil ist derzeit der einzige Wirkstoff, mit dem sich Ramularia sicher bekämpfen lässt. 

Die hohe Anpassungsfähigkeit des Erregers hat zu einer hohen Resistenz gegen allen weitere Wirkstoffgruppen geführt. Wegen des starken Ertragsrisikos und der weiteren Verbreitung in den Norden ist die Relevanz in Winter- wie Sommergerste hoch.Toleranzen im derzeitigen Sortenspektrum der Gerste gegen Ramularia sind nicht bekannt. 

Allerdings werden auch noch neue Wirkstoffe geboten. BASF zum Beispiel hat die ersten Produktregistrierungen für das Fungizid Revysol beantragt, seitdem das Fungizid in Europa erlaubt ist. Das erste Isopropanol-Azol wirkt gegen Septoria tritici und Rost in Weizen oder Ramularia in Gerste. Erwartet wird es 2020.

Nur noch ein Wirkstoff gegen Weizenmehltau?

Klammheimlich hat sich auch im Weizenmehltau eine schwierige Lage entwickelt. Ohne Fenpropimorph und Fenpropidin ist ab 2020 nur noch ein Wirkstoff gegen bereits bestehenden Mehltau verfügbar. Eine integrierte Bekämpfung auf Basis von beobachtbarem Befall ist dann nicht mehr möglich.

Gleichzeitig nehmen die Wirkverluste der vorbeugenden Mehltaufungizide deutlich zu. Neue Wirkstoffe sind längerfristig nicht in Sicht. Auch wenn die Azole einen wichtigen Beitrag gegen vieler Erreger leisten, wird der Verlust eines Teils dieser Wirkstoffgruppe kurzfristig wenig Folgen haben.

Die Lage ist zwar auch beispielsweise bei Septoria tritici im Weizen angespannt. Dennoch werden die verbleibenden und womöglich neue, in der Zulassung befindliche Fungizide diese Lücke vorerst füllen.

Wirkstoffe müssen länger halten

In Zukunft ist von schärferen Zulassungskriterien und einer noch geringeren Mittelverfügbarkeit auszugehen. Betrachtet man die Wirkmechanismen der voraussichtlich verbleibenden und neu hinzukommenden Wirkstoffe, ist die Gefahr neuer Resistenzen sehr hoch. 

Damit das Schwert auch neuer Fungizide nicht schnell stumpf wird, ist es zwingend nötig, dass sie weniger oft eingesetzt werden.

Mit der Sortenwahl künftig stärker vorbeugen

Um die Behandlungshäufigkeit zu senken, müssen ackerbauliche Möglichkeiten bereits vorweg den Krankheitsdruck stärker senken.  Besonders konsequentes Nutzen von Sortentoleranzen trägt etwa gegen Rost, Mehltau und Septoria erheblich dazu bei.

Auch die Resistenzen der Sorten gilt es möglichst lange zu erhalten. Eine hohe Sortenvielfalt und mehr Resistenzeigenschaften sind dafür wichtig. Zudem muss der Verlust einer Toleranz schnell erkannt und kommuniziert werden.

Mehr in der März-Ausgabe von agrarheute

Ein engeres Zusammenspiel aus Sortentoleranz, reduziertem Fungizideinsatz und Erhalt längerfristiger Wirksamkeit werden bei strengeren Zulassungskriterien nötig. Jedoch bestehen nicht gegenüber allen Krankheiten darin Lösungsansätze. 

Welche Fungizide wogegen wirken und welche Pilzbekämpfungsmittel in Getreide künftig wegfallen, zeigt eine ausführliche Übersicht auf Seite 30 in der März-Ausgabe von agrarheute.

Mit Material von Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Asmus Klindt
Das agrarheute Magazin Die digitale Ausgabe November 2020
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