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Nährstoffversorgung

Düngerkrise: Algen aus dem Abwasser als Alternative

kläranlage

Kläranlagen als Düngerquelle: Das ist wenig neu. Doch hier geht es nicht um den Klärschlamm. Wie Algen Gratisstickstoff liefern.

am Freitag, 15.07.2022 - 13:14

Der Ansatz ist Jahrtausende alt, bekommt mit Hilfe von Algen aber einen ganz neuen Drall: Aus Abwasser Dünger gewinnen. Damit beschäftigt sich Prof. Olaf Kruse von der Universität Bielefeld. In seinem Forschungsprojekt geht es nicht um den üblichen Klärschlamm.

Der hat aus den vergangenen Jahrzehnten ein eher schlechtes Image und wurde auf den Feldern oft eher verklappt statt als Dünger genutzt. Die daraus entstandenen Schwermetallprobleme sind bekannt.

Klärwasser enthält noch viel Stickstoff und Phosphor

In Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Jülich und der Kläranlage Altenautal südlich von Paderborn haben die Forschenden dort eine Anlage aufgebaut, die Nährstoffe aus dem Klärwasser gewinnt.

Dieses Klärwasser hat bereits alle Reinigungsstufen der Kläranlage durchlaufen und würde zurück in den natürlichen Wasserkreislauf geleitet. Es enthält aber noch viel Phosphor und Stickstoff.

Algenteppich zieht die Nährstoffe aus dem Wasser

Das Klärwasser wird über eine geneigte Fläche abgeleitet, auf der ein natürlicher Algenteppich heranwächst. Algen sind in der Lage, Phosphor, Stickstoff und Kalium aus Abwässern zu verwerten.

„Algen nutzen diese Stoffe, um zu wachsen – und sie brauchen außer einigen Mineralien nichts weiter als Sonnenlicht und Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre“, sagt Prof. Kruse.

Algendünger – auch im großen Maßstab möglich

Einmal in der Woche werden die Algen abgeerntet und im Labor analysiert. Das getrocknete, stickstoff- und phosphorreiche Endprodukt lässt sich in der Region wieder als Dünger einsetzen.

Die Algen binden Kohlendioxid aus der Luft und führen dem Wasser Sauerstoff zu. So produziert die Anlage nicht nur Algen, die sich als Düngemittel nutzen lassen, sondern hilft auch dabei, das Abwasser zu filtern und die Wasserqualität zu verbessern.

Noch ist die Anlage ein Forschungs- und kein Industrieprojekt. Das könnte sich in Zukunft ändern. „Die Anlage läuft effizient. Ich bin optimistisch, dass sich solche Anlagen demnächst auch in größeren Dimensionen aufbauen lassen“, sagt Prof. Kruse. „Und wenn man eine bestimmte Größe hat, wird es auch interessant für Investoren.“

Mit Material von Universität Bielefeld
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