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Getreide

Trotz extremer Witterung: EU erwartet durchschnittliche Getreideerträge

von , am
05.08.2010

Brüssel - Den schlechten Ernteprognosen für Deutschland zum Trotz erwartet die EU-Kommission europaweit durchschnittliche Getreideerträge.

© Mühlhausen/landpixel

Die gesamte Getreideerzeugung der EU dürfte 2010 in etwa dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre entsprechen. Zwar wird der Hektarertrag insgesamt um fünf Prozent über dem Durchschnitt liegen, die Anbauflächen insgesamt sind jedoch zurückgegangen.

Dies geht aus einer am Donnerstag von der Europäischen Kommission veröffentlichten Prognose hervor. Sie enthält Ertrags-Vorausschätzungen für die wichtigsten Kulturpflanzen der Union und identifiziert diejenigen Gebiete, in denen die Lage am angespanntesten ist. Die EU-Prognose der Ernteerträge basiert auf der integrierten Nutzung statistischer Analysen, Pflanzenwachstums-Simulationsmodellen sowie Klimabeobachtungen und wurde unter der Annahme erstellt, dass während des Rests der Saison keine weiteren Extremereignisse auftreten, die Auswirkungen auf Sommerkulturen haben.

Die letzten Vorausschätzungen sind am 20. Juli erstellt worden.

Getreideertrag im Mittel bei 5,1 t

Die Ertragsprognose für Getreide (Weizen, Gerste, Mais, andere Arten) beläuft sich in der gesamten Union auf 5,1 Tonnen je Hektar und entspricht somit in etwa dem Vorjahr (+0,7 Prozent), liegt jedoch über dem Fünfjahresdurchschnitt (+5 Prozent). Es wird geschätzt, dass die in der Europäischen Union 2010 für Getreide genutzte Gesamtfläche im Vergleich zu 2009 um drei Prozent rückläufig war.

Bei den Zahlen für die einzelnen Kulturpflanzen in der EU-27 lassen die Ertragsvorausschätzungen der Kommission folgende Tendenzen erkennen:

Weichweizen
Unterdurchschnittliche Erträge in Mitgliedsländern

Bei Weichweizen wird ein Hektarertrag von 5,62 Tonnen erwartet, das sind um 1,3 Prozent weniger als im Vorjahr, aber um 1,7 Prozent mehr als es dem Fünfjahresschnitt entspricht. Der Gesamtertrag von Weichweizen dürfte zwar über dem Fünfjahresdurchschnitt liegen, die Vorausschätzungen für die beiden großen Erzeugerländer Frankreich und Deutschland zeigen jedoch unterdurchschnittliche Erträge, die auch deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen.

Hartweizen
Durchschnittserträge in Haupterzeugerländern

Für Hartweizen werden 2,97 Tonnen angenommen, um 3,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Italien, der Haupterzeuger von Hartweizen, dürfte der Vorausschätzung zufolge einen ähnlichen Durchschnittsertrag aufweisen wie Frankreich. In Spanien litt der Hartweizen unter den übermäßigen Regenfällen, die im Winter in Andalusien aufgetreten sind, es werden die Erträge voraussichtlich um 16 Prozent unter dem Durchschnitt liegen.

Gerste
Bei Gerste geht man von einem Durchschnittsertrag von 4,42 Tonnen aus, was einem Minus von 0,5 Prozent entspricht, aber immerhin den Fünfjahresschnitt um 4,4 Prozent übersteigt.

Wintergerste
Weniger durch Witterung beeinträchtigt als Weichweizen

Die Wintergerste wurde weniger als der Weichweizen durch trockene und heiße Witterungsbedingungen beeinträchtigt. In den beiden wichtigsten Erzeugerländern Frankreich und Deutschland dürften die Erträge voraussichtlich dem Durchschnitt entsprechen, aber um vier Prozent unter dem Vorjahrsniveau liegen. In Spanien, auf das ein Viertel der Frühjahrs-Gerstenerzeugung entfällt, soll der Ertrag um 15 Prozent über dem Fünfjahresdurchschnitt liegen.

Körnermais
Bei Körnermais rechnet die Kommission derzeit mit einem mittleren Hektarertrag von 7,22 Tonnen, womit das Vorjahresniveau um 5,3 Prozent und der Schnitt der letzten fünf Jahre um 7,7 Prozent übertroffen werden könnte. Für Rapssamen lautet die Prognose auf drei Tonnen je Hektar, das wären um knapp neun Prozent weniger als im Vorjahr und um 2,4 Prozent weniger als der Fünfjahresschnitt.

Kartoffeln
An Kartoffeln werden in der Union voraussichtlich - wenn keine weiteren Witterungsextreme eintreten - rund 30 t/ha geerntet, womit man knapp über dem Vorjahresniveau zu liegen käme (+0,3 Prozent) und den Schnitt der letzten fünf Jahre um 6,8 Prozent übertreffen würde.

Zuckerrüben
Auch für Zuckerrüben liegt eine Vorausschätzung vor, sie beträgt 65,6 t/ha, das wären um 7,5 Prozent weniger als 2009, aber um 2,3 Prozent mehr als es dem langjährigen Mittel entspricht.

Äußerst kritische Witterungsbedingungen: Ernte in Russland beeinträchtigt

"Dieses Wirtschaftsjahr war in der EU durch ungewöhnliche punktuelle Wetterereignisse gekennzeichnet, die von viel zu geringen Niederschlägen bis zu Überschwemmungen reichten. Die Auswirkungen des schlechten Wetters auf die Kulturen in einigen Gebieten der EU sind jedoch in anderen Regionen ausgeglichen worden. Während somit die Getreideernte der Union insgesamt den Durchschnitt erreichen könnte, hat das Ernteüberwachungssystem der Forschungsstelle JRC sehr kritische Witterungsbedingungen identifiziert, die die Ernte in Russland, insbesondere am Wolga-Ufer, stark beeinträchtigen werden", teilt die Kommission mit. (aiz)

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