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Getreide

Türkei: Weizenernte deckt nicht den Bedarf

© Mühlhausen/landpixel
von , am
22.08.2012

Ankara - Die Türkei wird wegen des trockenen Frühjahrs und eines Kälteeinbruchs im Winter deutlich weniger Weizen ernten. Das Land ist der größte Produzent der Region und zählt weltweit zu den TOP-10.

Große Getreideexporte stützen momentan die Weizenpreise. © Mühlhausen/landpixel
Türkische Stellen befürchten nun angesichts des weltweit knappen Angebotes Versorgungsprobleme sowohl bei Nahrungsweizen als auch bei Futtergetreide.
 
Die Weizenernte in der Türkei ist üblicherweise etwa Anfang August abgeschlossen. Im Landesmittel waren die Erträge rund 18 Prozent (%) niedriger als im letzten Jahr. Aufgrund eines Kälteeinbruchs, eines sehr trockenen Frühjahrs sowie massiven Regenfällen im Mai, kam es in Anatolien sogar zu Ertragseinbußen von 40 %. Das US-Landwirtschaftsministerium USDA hat seine Ernteprognose vor diesem Hintergrund jetzt nochmals von 16,5 Millionen Tonnen (Mio. t) auf nur noch 15,75 Mio. t reduziert. Im letzten Jahr hatten die Türken fast 19 Mio. t und damit rund 20 % mehr Weizen geerntet.
 
Der Inlandsbedarf der Türken wird auf mindestens 17,5 Mio.t veranschlagt und kann mit der verfügbaren Erntemenge nicht gedeckt werden. Vor allem der Bedarf an Futtergetreide hat mit dem Ausbau der türkischen Milchproduktion in den letzten Jahren zugenommen.

Sorgen um Importe

In den letzten Jahren hat die Türkei zwischen drei und fünf Millionen Tonnen Weizen importiert. Gleichzeitig wurden zwischen drei und vier Millionen Tonnen Weizen und Weizenmehl ausgeführt. Der wichtigste Lieferant für die türkischen Importe war Russland (mit einem Lieferanteil von fast 80 %), deutlich vor Kasachstan und der Ukraine.
Angesichts der schwachen russischen Ernte befürchten die Türken nun jedoch erhebliche Versorgungsprobleme. Nach Informationen des USDA geht man in der Türkei davon aus, dass die russischen Ausfuhren spätestens im September reguliert werden. Erschwerend für einen schnellen Start der Importe war offenbar, dass die Preise am russischen Binnenmarkt höher waren als in Türkei. Zuletzt ging das USDA von einem Importbedarf von etwa vier Millionen Tonnen Weizen aus.

Weniger Mehlexporte

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Auch die Exporte von Weizen- und Weizenmehl dürften von der knappen Versorgungslage und den hohen Weltmarktpreisen beeinflusst werden. Bislang rechnete man mit Ausfuhren von 3,7 Mio. t. (davon etwa 60 % Mehl). Hauptabnehmer sind der Irak, Indonesien, Libyen und die Philippinen.
 
Internationale Beobachter berichten allerdings über eine deutliche Abschwächung der Mehlexporte. Zum einen kaufen die Mühlen im Irak zunehmend Weizen und vermahlen diesen selber. Zum anderen drosseln offenbar die hohen Mehlpreise die Nachfrage der Abnehmerländer stärker als gedacht.
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