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Getreide

USA: Katastrophale Aussaatbedingungen

von , am
03.09.2012

Auch wenn am Wochenende der erste Regen gefallen ist, kämpfen die US-Farmer mit katastrophalen Aussaatbedingungen für den Winterweizen. Die Böden sind extrem ausgetrocknet.

© H.-M. Fischer /pixelio
Hitze und Trockenheit haben in den USA nicht nur die Mais- und Sojaernte immer weiter nach unten gedrückt. Nun müssen die Farmer die Aussaat von Winterweizen auf extrem ausgetrockneten und kaum noch zu bearbeitenden Böden beginnen. Üblicherweise startet die Winterweizenaussaat in den wichtigsten Anbauregionen im September und ist im Oktober beendet. In diesem Jahr sind die Bedingungen denkbar schlecht.
 

Kansas: Zu trocken und zu heiß

 
Der mit Abstand größte Winterweizen anbauende Staat der USA ist Kansas. Von dort berichten regionale Wetterdienste vor dem Beginn der Aussaat über katastrophale Voraussetzungen. Die Bodenfeuchte ist auf dem niedrigsten Stand seit 1991. Das Wort von der "Staubschüssel" (Dust Bowl) für Kansas macht in den Medien die Runde.
 
Das Western Regional Climate Center (WRCC) meldete für Kansas sogar die trockensten Sommermonate seit 1890. Gleichzeitig erreichten auch die Durchschnittstemperaturen von Januar bis Juli neue Rekordwerte. Nun hoffen die Farmer auf Regen in den nächsten Wochen. Einige Wetterdienste halten dies infolge El-Nino bedingter Veränderungen der Großwetterlage zumindest für möglich.

Aussaat könnte sich verzögern

 
Etwa drei Viertel der gesamten US-Weizenproduktion sind Winterweizen. Davon kommt ein Viertel aus Kansas. Aber auch andere wichtige Winterweizen-Produzenten wie Texas, Ohio und Montana stehen vor ähnlichen Problemen wie die Farmer in Kansas. Damit könnte sich die Aussaat von Winterweizen zumindest verzögern. Dabei war die aktuelle US-Winterweizenernte mit etwa 45,8 Millionen Tonnen (Mio.t) rund fünf Millionen Tonnen größer als im Jahr zuvor.
 
Der Anbau war wegen der hohen Preise um 1,1 Millionen Hektar (Mio. ha) auf 14,1 Mio. ha ausgeweitet worden. Demgegenüber hatte der Anbau von Sommerweizen (ohne Durum) sogar leicht auf 4,7 Mio. ha abgenommen. Der wichtigste Anbaustaat von Sommerweizen in den USA ist Nord-Dakota, mit einem Produktionsanteil von etwa 50 Prozent (%).

Reichlich Weizen für den Export

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv

Die gesamte diesjährige US-Weizenproduktion einschließlich Durum wird auf 61,7 Mio. t geschätzt. Davon sind etwa 74 % Winterweizen. Für den Eigenbedarf benötigen die USA 32 bis 34 Mio. t (davon vier bis sechs Mio. t Futter), der Rest geht in den Export. Angesichts der knappen globalen Versorgung sind die Exportchancen für US-Weizen eigentlich gut.
 
Für dieses Wirtschaftsjahr erwarte man eine Ausfuhrmenge von knapp 33 Mio. t. Allerdings hat die schlimmste Dürre in den USA seit 1956 und der Produktionseinbruch bei Mais und Soja zu einem überdurchschnittlichen Anstieg der US-Weizenpreise geführt. Am Terminmarkt in Chicago sind die Weizenpreise in diesem Jahr um 38 % gestiegen und haben ein Vierjahreshoch erreicht. Die Sojapreise kletterten im gleichen Zeitraum um 46 % auf neues Rekordhoch und Mais verteuerte sich um 25 %.

US-Weizen am Weltmarkt derzeit zu teuer

 
Wie die letzten Exportauktionen des größten Importeurs Ägypten gezeigt haben, ist US-Weizen im Vergleich zu europäischer Ware und vor allem gegenüber russischem Weizen derzeit zu teuer. Allerdings ist auch die Nachfrage am US-Binnenmarkt sehr gut, denn die schlechte Maisernte verstärkt die Nachfrage nach Futterweizen und stützt die Preise. Mögliche Exportbeschränkungen Russlands würden die Exportnachfrage nach US-Weizen jedoch ankurbeln. Die größten Importeure von US-Weizen in diesem Jahr waren Japan, Mexiko, Nigeria, die Philippinen und Südkorea.
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