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Getreide

USA: Trockenheit bedroht Rekordernten

von , am
25.05.2012

Die Daten über die kommende Ernte beim größten Weizen und Maisexporteur sind widersprüchlich. Das verdeutlichen auch die sehr volatilen US-Terminmärkte.

Wärend die Zahl der besonders heißen Tage in Europa weiter zunehmen wird, sinken die Tage mit Frost. © Mühlhausen/landpixel
Zum einen hat der frühe Aussaatbeginn bei Mais und Sommergetreide für eine rekordschnelle Aussaat und sehr gute Ertragsaussichten gesorgt. Zum anderen nehmen die Meldungen über ausbleibende Niederschläge und immer wahrscheinlicher werdende Ertragsdepressionen in den Hauptanbaugebieten für Winterweizen (Kansas) und Mais (Iowa, Illinois, Indiana) zu.

Maisaussaat abgeschlossen

Die Maisanbaufläche hat deutlich zugenommen.
Bis zum 20. Mai hatten die US-Farmer etwa 96 Prozent (%) der geplanten Maisflächen bepflanzt. Im letzten Jahr waren es zu diesem Zeitpunkt lediglich 75 % und im langjährigen Mittel etwa 81 %. Der frühe Abschluss der Aussaat verspricht eine lange Wachstumsperiode und nach Einschätzung des USDA auch Rekorderträge. Hinzu kommt, dass die US-Farmer den Maisanbau um zwei Millionen Hektar (Mio. ha) auf 36 Mio. ha ausgeweitet haben. Dies wäre die größte Maisfläche seit 75 Jahren.
 
Das USDA erwartete bislang noch Erträge von 10,42 t/ha und damit eine Rekordernte von 376 Mio. t und ein Exportvolumen von 48 Mio. t. Die Bestände in den USA würden sich auf 48 Mio. t mehr als verdoppeln.

Mais in sehr guter Verfassung

Die Ende Mai vom USDA durchgeführte Erhebung über die derzeitigen Zustand der Pflanzen zeigt allerdings, dass sich 77 % des US-Mais in guter oder sehr guter Verfassung befinden. Das ist das beste Ergebnis seit 2008 und hat die Preise (trotz Trockenheit) erst einmal wieder unter Druck gesetzt. Gleichwohl nehmen die Befürchtungen über trockenheitsbedingte Ertragsdepressionen zu, denn gerade in den wichtigen Mais-Staaten Iowa, Illinois und Indiana hat es seit Wochen viel zu wenig geregnet. Außerdem liegen die Temperaturen in allen drei Staaten seit Monaten über dem langjährigen Mittel. Ohne ausreichende Niederschläge werden sich diese hohen Temperaturen auf die Erträge und damit auch auf die Preise für die neue Ernte auswirken, meint die Rabobank in einer Analyse.

Trockenheit in Kansas

Auch in Kansas, dem wichtigsten US-Anbauland für Winterweizen, nehmen die Befürchtungen über trockenheitsbedingte Ertragseinbußen zu. Ähnlich wie bei Mais hatten die US-Farmer auch bei Winterweizen die Anbaufläche deutlich ausgeweitet. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt der Flächenzuwachs (Erntefläche) - nach den letzten Erhebungen des USDA - rund zehn Prozent auf 14,4 Mio. ha. Die Produktion könnte wegen der bislang sehr hoch eingeschätzten Erträge sogar um 13 % auf 46,1 Mio. t zunehmen und beim Export rechnet das USDA mit einem Zuwachs von 15 % .
 
Diese Prognose ist wegen der Trockenheit in Kanas mittlerweile jedoch fraglich. In den ersten 20 Tagen im Mai hat es nach Angeben von Wetterdiensten in Kansas so wenig geregnet wie (0,99 cm) seit 1966 nicht mehr.

Zustand verschlechtert sich

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Im wöchentlichen Crop-Report des USDA hat die Trockenheit in Kansas jedenfalls schon deutliche Spuren hinterlassen. Während Mitte Mai noch 52 % des Winterweizens in Kansas sich in guten oder exzellenten Zustand befand, waren es diese Woche nur noch 43 %. Für die USA insgesamt ging die sehr gute Bewertung von 63 % auf 60 % zurück. Allerdings waren im letzten Jahr zu diesem Zeitpunkt nur 32 % des gesamten Winterweizens in ähnlich guter Verfassung und damit deutlich weniger als 2012. Beim Sommerweizen ist die Aussaat im Wesentlichen abgeschlossen (99 %). Im letzten Jahr waren zu diesem Termin erst 50 % des Sommerweizens im Boden und im langjährigen Mittel 78 %. Rund 74 % des Sommerweizens sind nach den Erhebungen es USDA in guter oder sehr guter Verbfassung.
 
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