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USDA-Bericht

USDA-Bericht überrascht Weizenmarkt

weizenernte
Dr. Olaf Zinke, agrarmanager
am
13.07.2017

Die aktuelle Julischätzung des US-Agrarministeriums hat für die Preise an den Weizenmärkten in den USA und Europa einen Dämpfer gebracht.

Am US-Terminmarkt gaben die vorderen Weizenpreise gestern abend um 2 Prozent auf 544 Cent je bushel (174 Euro/t). Am europäischen Terminmarkt in Paris notierten die Weizenpreis für die neue Ernte um 2 Euro niedriger bei 179,75 Euro/t.

Nach der Juliprognose des US-Agrarministeriums (USDA) zum globalen Weizenmarkt sind zum einen die globalen Weizen-Bestände in der neuen Saison 2017/18 weiterhin größer als im vorigen Jahr, obwohl die Welternte und -bestände nach unten korrigiert wurden. Die Analysten hatten zuvor aber einen deutlich stärkeren Rückgang der Bestände erwartet.

Ein Grund für die hohen Bestände ist, dass die bislang zweitgrößte globalen Weizenernte von 738 Mio. t den erwarteten Verbrauch von knapp 735 Mio. t locker decken kann. Hinzu kommen jedoch die deutlich wachsenden Weizenbestände Chinas, die mit einer sehr großen Ernte und einem rückläufigen Verbrauch sehr kräftig wachsen. Auch in Russland nehmen die Bestände, mit einer sehr großen Ernte, weiter zu.

US-Ernte fällt um ein Viertel niedriger aus

Zuvor hatten die US-Analysten einen deutlichen Rückgang der Bestände um reichlich 4 Mio. t erwartet. Dabei hat das USDA die neue US-Ernte (wie erwartet) nochmals deutlich von 49,6 Mio. t auf 47,9 Mio. t nach unten korrigiert. Damit wäre die neue US-Ernte jetzt sogar 15 Mio. t oder 24 Prozent kleiner als 2016.

Die US-Exporte sollen in der nächsten Saison mit 26 Mio. t nur 3,3 Mio. t kleiner sein als im Vorjahr mit 29,3 Mio. t. Die US-Weizen-Bestände schrumpfen im Jahresverlauf  jedoch deutlich um knapp 7 Mio. t auf 25,5 Mio. t.
 

EU-Weizenernte fällt kleiner aus

Für Europäische Union hat das USDA die neue Weizenernte (Hart- und Weichweizen) auf 150 Mio. t geschätzt und damit etwas kleiner als vor vier Wochen, jedoch 4,5 Mio. t größer als die schwache Ernte aus dem vorigen Jahr. Die europäischen Exporte werden im neuen Wirtschaftsjahr bei 30,0 Mio. t erwartet und damit 3 Mio. t größer als in der vorigen Saison.

Um 3 Mio. t deutlich größer als von meisten Analysten erwartet, schätzt das USDA die Weizenernte für Russland mit 72,0 Mio. t Die russischen Exporte werden vom USDA bei 30,5 Mio. t und damit 1,5 Mio. t höher als noch im Juni geschätzt. Damit sind die russischen Ausfuhren im neuen Wirtschaftsjahr jetzt wieder höher als die Exporte der EU.

Die Ernteschätzung für die Ukraine liegt mit 24 Mio. t etwas niedriger als bei der vorigen Prognose mit 25 Mio. t und rund 2,8 Mio. t unter der sehr guten Ernte aus dem Vorjahr (26,8 Mio. t). Die ukrainischen Exporte sollen jedoch „nur“ 14,0 Mio. t erreichen, nach dem Rekordwert von 18,0 Mio. t aus dem vorangegangen Wirtschaftsjahr.
 

Chinas Weizenbestände wachsen

Für China liegt die neue Weizenernte mit 130 Mio. t rund 1 Mio.t niedriger als vor vier Wochen. Sie bleibt damit jedoch in etwa auf dem bisherigen neuen Rekordniveau von 2015, das bei 130,2 Mio. t lag. Die chinesischen Weizen-Bestände wachsen indessen im Jahresverlauf deutlich um knapp 16 Mio. t auf 127 Mio. t. Der chinesische Weizen-Verbrauch geht jedoch von 118,5 Mio. t auf 116 Mio. t zurück.

In Indien steigt die Produktion (dank Flächenausweitung und hohen Erträgen) sehr kräftig um 9 Mio. t auf den neuen Rekordstand von 96 Mio. t . Das sind 8 Mio. t mehr als 2016. Das entspricht nahezu der Rekordernte von vor drei Jahren. Die indischen Importe bleiben, wegen der in den letzten beiden Jahren sehr kräftig geschrumpften Bestände, mit etwa 4 Mio. t jedoch ungewöhnlich hoch.

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