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Getreide

USDA/Weizen: Bedarf an Futterweizen wächst

von , am
13.08.2012

Washington - Am Weizenmarkt haben die neuen Daten des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) die Preise zunächst einmal unter Druck gesetzt.

Am Tagesende notierte der Weizen bei 172,75 Euro je Tonne. © Rainer Sturm
Verantwortlich waren die überraschend deutlich über den Analystenerwartungen liegenden Produktions- und Bestandsdaten beim weltweit größten Weizenexporteur USA.
 
In Europa hielten sich die Preisabschläge jedoch in Grenzen und mittelfristig dürften die Preise angesichts der engen globalen Versorgungslage und wegen der nochmals kräftig nach unten korrigierten Maisernte ihr hohes Niveau halten.

USA: Erntemenge übertrifft Erwartungen

Die Weizenernte in den USA wurde im Vergleich zur Juliprognose um fast zwei Prozent (%) auf 61,7 Millionen Tonnen (Mio. t) nach oben korrigiert. Damit übertraf die aktuelle Ernteschätzung nicht nur die Prognose des Vormonats sondern auch die im Vorfeld des USDA-Reports veröffentliche Analystenerwartung. Im Vergleich zu Vorjahr ist die Erntemenge damit sogar um 13 % (7,3 Mio. t) größer.
 
Ursache für die vergleichsweise starke Korrektur nach oben sind vor allem die guten Erträge der mittlerweile zu rund 50 % abgeschlossenen Sommerweizenernte. Damit bleibt das Exportpotential der Amerikaner unverändert zum Vormonat bei 32,5 Mio. t, obgleich der Inlandsbedarf an Futterweizen angesichts der nochmals deutlich nach unten korrigierten Maisernte kräftig zunimmt. Auch die US-Bestände schrumpfen im Jahresvergleich kräftig. Allerdings fällt der Bestandsrückgang wegen der besseren Ernte etwas weniger dramatisch aus als noch im Juli erwartet wurde.

Russland: Einbruch bei Produktion und Export

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Kräftig nach unten gesetzt hat das USDA hingegen die Prognose für die russische Weizenernte. Hier rechnen die US-Experten vor dem Hintergrund der massiven Trockenheit in den südlichen Anbaugebieten (aber auch in Sibirien) nur noch mit einer Ernte von 43 Mio. t. anstelle der 49 Mio. im Juli und 56 Mio. t im letzten Jahr. Das wäre nur noch geringfügig mehr als in Dürrejahr 2010 (41 Mio. t) und damit schmilzt auch das Exportpotential der Russen weiter zusammen. Nur noch acht Millionen Tonnen stehen nach Einschätzung des USDA für die Ausfuhr zur Verfügung. Im Juli ging man noch von Weizenexporten von zwölf Millionen Tonnen aus und im letzten Jahr exportierten die Russen sogar knapp 22 Mio. t.
 
Angesichts dieser Konstellation und eines sehr starken Exportbeginns im Juli und August rechnen manche Beobachter mit einer Regulierung der Ausfuhren über Zölle oder Kontingente.

Europäer können mehr exportieren

Nur wenig verändert hat sich Einschätzung des USDA zur europäischen Weizenernte. Die Erntemenge ist mit knapp133 Mio. t etwa so hoch wie im Juli erwartet wurde und rund fünf Millionen Tonnen kleiner als vor einem Jahr.
Innerhalb der EU setzten die US-Experten die Produktionserwartungen für Frankreich um eine Million Tonnen auf jetzt 39 Mio. t nach oben und für Deutschland blieb die erwartete Weizenernte mit 22,5 Mio. t unverändert. Nochmals reduziert haben die Analysten hingegen die rumänische Produktion, die damit rund ein Drittel kleiner ausfällt als ein Jahr zuvor. Ursache ist auch hier eine anhaltende Trockenheit.
 
Die europäischen Ausfuhren werden mit 17 Mio. rund eine Million Tonnen größer eingeschätzt als im Juli und als im vorigen Jahr.
 
Bilanzlücke wird immer größer
 
Insgesamt musste die globale Produktionsmenge im August weiter reduziert werden. Im August liegt die Ernteschätzung nur noch bei knapp 663 Mio. t nach 665 Mio. t im Juli und 695 Mio. t im letzten Jahr. Wegen der kleineren Maisernte steigt jedoch gleichzeitig der Verbrauch von Weizen um weitere drei Millionen Tonnen auf 683 Millionen an, so dass die Lücke zwischen Erzeugung und Verbrauch immer größer wird und mittlerweile 21 Mio. t beträgt. Damit schmelzen die Bestände ebenfalls um 20 Mio. t auf 177 Mio. t ab. Der Welthandel nimmt wegen des wachsenden Bedarfs an Futtergetreide um eine Million Tonnen auf knapp 137 Mio. t zu.
 
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