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Getreide

USDA/Weizen: Knappes Angebot und hohe Preise

von , am
13.07.2012

Washington - Knappheit und hohe Preise bestimmen die Erwartungen am globalen Weizenmarkt. Zwischen Produktion und Verbrauch klafft eine immer größere Lücke.

In Bayern rechnen 40 Prozent der Umfrageteilnehmer mit einem Weizenertrag von 20 Prozent unter dem mehrjährigen Vergleich. © Serfling
Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) hat die weltweite Produktionsmenge für das neue Wirtschaftsjahr in seiner Juli-Prognose um weitere sieben Millionen Tonnen (Mio. t) auf 665 Mio. t reduziert. Ursache sind insbesondere die hitzebedingten Produktionskürzungen in den Schwarzmeerländern und eine kleiner als erwartet ausfallende Ernte in China.
 
Im Vergleich zur Rekordernte des letzten Wirtschaftsjahres ist die Produktion 2012/13 um fast 30 Mio. t kleiner. Der erwartete Verbrauch wurde - auch wegen der hohen Preise - leicht um zwei Millionen Tonnen auf 680 Mio. t reduziert. Dennoch übersteigt der Bedarf die erwartete Erntemenge um rund 15 Mio. t.

Lagerbestände schrumpfen

Die Stocks-to-Use-Ratio befindet sich noch auf einem komfortablen Niveau.
Um die Lücke zwischen Produktion und Verbrauch zu füllen, muss in erheblichem Umfang auf die vorhandenen Lagerbestände zurückgriffen werden. Diese schrumpfen im Vergleich zum letzten Jahr um 15 Mio. t auf nur noch 182 Mio. t und damit auf ein Vierjahrestief.
 
Die für Analysten zur Einschätzung der globale Versorgungsituation entscheidende Relation von Bestand zum Verbrauch (Stocks-to-Use-Ratio), befindet sich mit knapp 27 Prozent (%) noch auf einem relativ komfortablen Niveau. Allerdings befinden sich rund 30 % der weltweiten Weizenbestände in China und stehen damit für den Weltmarkt und den Export nicht zur Verfügung sondern dienen als strategische Reserven.
 
Die Bestände der wichtigsten acht Exportländer schrumpfen ebenfalls und machen nur 29 % der globalen Gesamtbestände aus.

Russischer Ausfuhren fast halbiert

Die Hauptursache für die starke Korrektur der Ernte war der Produktionseinbruch am Schwarzen Meer. Ausgelöst durch die starke Hitzewelle in Südrussland mussten die Erträge bei der bereits laufenden russischen Winterweizenernte deutlich nach unten korrigiert werden. Ob die Flutkatastrophe in der Region Krasnodar neben der Schädigung schon eingelagerter Bestände und der Beschädigung der Exportterminals, auch Auswirkungen auf die Feldbestände hatte, ist offenbar noch nicht ganz klar.
Das USDA hat die russische Produktion im Vergleich zum Juni um vier Millionen Tonnen auf nur noch 49 Mio. t reduziert. Im letzten Jahr ernteten die Russen noch 56 Mio. t und exportierten 21 Mio. t Weizen. Die aktuellen Exporterwartungen sind wegen der kleineren Lagerbestände auf nur noch zwölf Millionen Tonnen geschrumpft und haben sich damit fast halbiert. Die sich abzeichnende Angebotsverknappung schlug sich bereits zum Monatswechsel auch in den rekordhohen Exportpreisen an den russischen Schwarzmeerhäfen nieder.

Europäische Exportchancen verbessert

Für die Europäer hat das USDA die neue Weizenernte mit 133 Mio. t rund zwei Millionen Tonnen größer eingeschätzt als im Vormonat. Ursache sind die verbesserten Produktionsaussichten für Frankreich und Deutschland. Dagegen wurde die Ernteprognose für Polen nochmals nach unten korrigiert und für die meisten übrigen Länder blieben die Erntemengen stabil.
 
Im Vergleich zum letzten Jahr wäre dies aber immer noch eine fünf Millionen Tonnen kleinere Ernte. Deutlich verbessert haben sich nach Einschätzung des USDA die europäischen Exportmöglichkeiten. Insbesondere der Einbruch der russischen Ausfuhren eröffnete zusätzliche Ausfuhrchancen der Europäer nach Nordafrika. Das USDA hat deshalb die EU-Ausfuhren von 14,5 Mio. t auf 16 Mio. t nach oben gesetzt.

USA: Gute Ernte und hohe Preise

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Profitieren dürfte von den Produktionsausfällen am Schwarzen Meer auch die USA. Zwar fällt die Ernte mit 60,5 Mio. t wegen der Hitzewelle geringfügig kleiner aus wie bislang erwartet, jedoch sind die Auswirkungen - anders als bei Mais und Soja - eher begrenzt und betreffen vor allem Sommerweizen. Vor diesem Hintergrund können die US-Amerikaner ihre Exporte um im Vergleich zum Vormonat nochmals um eine Million Tonnen auf nun 32,5 Mio. t ausdehnen. Dies wäre nach 2010 der zweithöchste bislang überhaupt erreichte Wert. Die US-Bestände schmelzen indessen ebenfalls weiter ab und befinden sich auch aktuell auf niedrigem Niveau. Dabei ist die Winterweizenernte in den USA bereits zu 75 % abgeschlossen und diese Ware ist eigentlich auch am Markt verfügbar.
 
Trotzdem steigen die Preise derzeit weiter und Analysten setzten ihre Preis-Prognosen nach der Veröffentlichung der USDA-Daten sogar weiter nach oben.
 
 
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