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Getreide

USDA/Weizen: Stärkerer Wettbewerb im Export

von , am
12.12.2012

Am Weizenmarkt hat der aktuelle USDA-Bericht vom Dezember für Preisdruck gesorgt. Grund ist zum einem die doch etwas überraschend nach oben korrigierte globale Produktion und zum andern die ebenfalls leicht nach oben gesetzten Endbestände.

© Grace Winter/pixelio.de
Gleichzeitig erwarten die USDA-Experten den Welthandel etwas größer als im November. Die Vereinigten Staaten selbst können davon jedoch nicht profitieren und verlieren sogar Marktanteile im Export.
 
Dies hat vor allem an den US-Märkten zu kräftigen Preisabschlägen geführt und die Kurse am Terminmarkt in Chicago sind zeitweise um mehr als auf ein fünf-Monatstief gefallen. An der insgesamt sehr engen globalen Versorgungbilanz ändern diese Korrekturen jedoch nichts.

Produktion größer - Verbrauch kleiner

Die weltweite Weizenproduktion wird von den USDA-Analysten im Dezemberreport knapp vier Millionen Tonnen größer eingeschätzt als im November. Grund sind die etwas nach oben korrigierten Produktionsdaten für Australien, Kanada und China.
 
Während sich die etwas größere Ernte in Australien auch in etwas größeren Exporten bemerkbar macht, fließt der chinesische Produktionszuwachs unmittelbar in den wachsenden chinesischen Verbrauch.
 
Demgegenüber schrumpft der globale Weizenverbrauch im Vergleich zum Vormonat leicht (speziell in der EU). Dennoch klafft zwischen der Produktion von 655 Millionen Tonnen (Mio. t) und dem Verbrauch von 674 Mio. t eine Lücke von 19 Mio. t.

Endbestände schrumpfen weniger

Die Bilanzlücke ist damit jedoch geringfügig kleiner als im November angenommen, so dass die Endbestände etwas weniger schrumpfen und am Ende des Wirtschaftsjahres bei 177 Mio. t liegen könnten. Dies wäre immer noch der niedrigste Bestand seit 2008 und im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang von 19 Mio. t (zehn Prozent).
 
Verantwortlich für die etwas größeren Bestände ist neben der größeren Ernte in Australien unter anderem auch der hinter den bisherigen Erwartungen zurückbleibende Export der USA. Begründet wird der kleinere US-Export mit den über den bisherigen Prognosen liegenden Ausfuhren der EU, Australiens und Kanadas sowie mit dem starken Exportzuwachs Indiens.

Indien wird zum TOP-Exporteur

Insbesondere im asiatischen Raum haben die Inder den USA und Australien Marktanteile abgeknöpft. Derzeit rechnen die US-Analysten mit indischen Ausfuhren von 7,5 Mio. t und damit mit einem größeren Export als etwa der Ukraine oder Kasachstans. Dieser auf zwei sehr guten Ernten basierende Eintritt Indiens in den Welthandel schließt zum einen teilweise die Lücke, die durch die reduzierten Ausfuhren Russlands und der anderen Schwarzmeerländer entstanden ist. Zudem ist der indische Weizen bislang deutlich preiswerter als die Ware aus Australien oder den USA und sogar günstiger als der Mais aus den USA.

Kein Weizen mehr vom Schwarzen Meer

Für die Schwarzmeerländer haben sich die Produktions- und Exportdaten im Dezember nicht verändert. Für Russland liegt die vom USDA erwarte Ausfuhrmenge unverändert bei zehn Millionen Tonnen.
 
Nach den Daten des russischen Statistikamtes wurden bis Mitte Dezember 12,1 Mio. t Getreide exportiert, davon war der größte Teil Weizen. Nach russischen Angaben ist der Export von Monat zu Monat geschrumpft und lag im November nur noch bei 1,6 Mio. t (davon eine Million Tonnen Weizen). Für die nächste Monate fällt Russland damit eigentlich als Exporteur aus und auch die Ukraine hatte die auf 5,8 Mio. t nach oben gesetzte zentrale Exportgrenze Mitte Dezember erreicht, so dass ebenfalls keine nennenswerten Ausfuhren mehr zu erwarten sind.

Europäer bauen Exporte aus

Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass © dlv
Für die EU hat das USDA die Ausfuhrmenge um 0,5 Mio. t auf 18 Mio. t nach oben gesetzt. Vor allem Richtung Nordafrika (Algerien, Marokko) und in den Nahen Osten fließen größere Mengen. Zudem haben europäische Anbieter sowohl bei Auktionen Ägyptens als auch des Iraks Lieferzuschläge erhalten und Deutschland hat im November sogar Weizen bis nach Brasilien verkauft.
 
Nach den Daten der EU-Kommission haben die EU-Länder bis 4. Dezember knapp acht Millionen Tonnen Weizen in Drittländer exportiert. Das sind 20 Prozent (1,3 Mio. t) mehr als vor einem Jahr. Größte Einzelexporteure sind Frankreich mit 3,2 Mio. t und Deutschland mit 1,94 Mio. t.
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