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Getreide

Vegetationsreport: Fungizideinsatz im Weizen

von , am
09.04.2014

In vielen Teilen Deutschlands ist das viert- bzw. drittletzte Blatt im Weizen voll entfaltet. Ab diesem Stadium (> EC 31) ist auf Krankheiten und Infektionsbedingungen zu achten.


Denn die vier letzten Blätter sind ertragsrelevant und müssen gesund bleiben. Welche Krankheiten spielen derzeit eine Rolle? In den letzten Wochen sind verstärkt Mehltau, Rost und Fusarium an der Halmbasis zu erkennen gewesen. Wenn der Weizenbestand bis späten Vormittag feucht ist, dann muss mit einer stärkeren Ausbreitung des Mehltaus gerechnet werden. Besonders anfällige Sorten sollten frühzeitig gestützt werden. Der Mehltau darf nicht auf die oberen Blattetage gehen. Eine Kombination aus Morpholin mit protektiv wirksamen Fungiziden ist ratsam. Anfällige Weizensorten, aber vor allem Roggen- und Triticalebestände sollten auf Rost kontrolliert werden. Eine Ausbreitung findet recht schnell statt.
 
Mehltau und Rost haben nur eine geringe Inkubationszeit von etwa 80 (Mehltau) bzw. 150 (Rost) Gradtagen. Sie gehören zu den echten Parasiten, die sich auf intaktem Gewebe ernähren und vermehren. Sie verbrauchen Assimilate, aber zerstören das Gewebe nicht durch eine Toxinproduktion wie es beispielsweise von Septoria tritici bekannt ist. Echte Parasiten können noch bekämpft werden, wenn bereits Symptome zu erkennen sind.
In wenigen Regionen waren die Infektionsbedingungen für Septoria tritici im März und Anfang April gegeben. Septoria tritici spielte bis dato kaum eine Rolle. Auf Standorten mit häufigen Niederschlägen in den letzten Wochen kann von Septoria-Infektionen ausgegangen werden. Langanhaltende Niederschläge und Temperaturen über 15 °C begünstigen die Infektion. Bei deutlich erkennbaren Symptomen auf den unteren Blättern sollte eine PS-Maßnahme in den nächsten Tagen erfolgen, um eine starke Ausbreitung von Septoria tritici zu verhindern.
Die Inkubationszeit (210-250 Gradtage) des Pilzes ist lang und die ersten Symptome sind oft erst nach drei bis vier Wochen erkennbar. Bei kühlen Temperaturen (< 18 °C) ist die Gefahr besonders groß. Die Wirkstoffe Prochloraz, Chlorthalonil und Boscalid haben eine gute protektive Wirkung gegen Septoria tritici. Dazu sollte ein Fungizid mit Stoppwirkung hinzu gegeben werden, z.B. das lokalsystemisch wirkende Prochloraz. Ansonsten haben u.a. Prothioconazol, Epoxiconazol, Fluquinconazol, Boscalid, Prochloraz eine schützende Wirkung des umliegenden Gewebes vor Läsionen (Stoppwirkung).
 
Kontaktfungizide wie das Chlorthalonil haben in frühen Entwicklungsstadien, bei hoher Blattzuwachsraten, eine eingeschränkte Wirkung. Denn sie verbleiben am Auftreffort und werden nicht verlagert bzw. systemisch verteilt. Im Enddefekt werden nur getroffene Pflanzenteile geschützt. Bei starkem Wachstum reißt der Spritzfilm und die Wirkung verschlechtert sich. Außerdem wirken Kontaktfungizide auf abgestorbenem Gewebe und das führt dazu, dass alte Blätter bzw. schwache Trieb verzögert absterben. Bereits angegangene Infektionen mit Symptomen sind nicht mehr zu stoppen, es kann nur das umliegende Gewebe geschützt werden. 
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