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Getreide

Versorgung mit Getreide wird wieder knapp

von , am
29.10.2010

Hannover - Nach nur drei Jahren mit einer leichten Entspannung der weltweiten Versorgungslage bei Getreide klafft im laufenden Wirtschaftsjahr nach ersten Schätzungen erneut eine Lücke zwischen Erzeugung und Verbrauch.

Zuletzt hatte die Erzeugung in der Kampagne 2006/07 den Verbrauch unterschritten. Im Jahr darauf wurde weltweit eine Ernte von 1.691,2 Millionen Tonnen Getreide eingefahren, gut 100 Millionen Tonnen mehr als im Jahr zuvor. Der Verbrauch stieg zwar ebenfalls, lag aber mit 1.673,6 Millionen Tonnen knapp unter der Erzeugung.

Auch im Wirtschaftsjahr 2008/09 entspannte sich die Versorgungslage weiter, als mit 1.792,9 Millionen Tonnen eine Rekordernte eingebracht wurde. Sie lag damit deutlich über dem auf 1.721,4 Millionen Tonnen gestiegenen Verbrauch und ermöglichte das Auffüllen der Vorräte.

Steigender Verbrauch steht kleinerer Ernte gegenüber  

Die Ernte 2009/10 fiel mit 1.787,9 Millionen Tonnen allerdings wieder kleiner aus, während der Verbrauch weiter anstieg und mit 1.752,3 Millionen Tonnen fast wieder das Niveau der Erzeugung erreichte. Die Ernte im laufenden Jahr wird nach den bisherigen Schätzungen den weiter steigenden Bedarf nicht mehr decken können. Experten erwarten insgesamt einen Rückgang der Erntemenge auf 1.730,2 Millionen Tonnen, während der Verbrauch mit 1.787,5 Millionen Tonnen den bisher höchsten Stand erreichen dürfte. Der Bedarf kann dann nur durch einen kräftigen Abbau der Lagerbestände gedeckt werden.

Besonders heikel ist die Versorgungslage beim Weizen 

Lediglich 2008/09 und 2009/10 überstieg der Weizenertrag den Bedarf, in allen anderen Jahren wurde weniger geerntet als verbraucht. Zwar ist in diesem Jahr die Versorgungslücke beim Weizen größer als zunächst angenommen, allerdings kann hier auf recht große Vorräte zurückgegriffen werden. Knapp ist aber auch die Ernte von Gerste als Futtergetreide ausgefallen, vor allem in der EU. Ebenso fehlt es an Mais. Zeitweise war es an den Börsen deshalb zu einem rasanten Preisanstieg gekommen; in jüngster Zeit haben sich die Märkte jedoch wieder beruhigt, die Preise etwas nachgegeben.

Erträge geringer, Qualität reicht nur für Futterweizen 

In Deutschland wird weniger die Menge zum Problem, sondern vielmehr die Qualität. Durch lange anhaltenden Regen sind viele Partien insbesondere beim Weizen stark geschädigt und nicht mehr als Brotgetreide verwendbar. Gleichwohl sind auch die Erträge geringer ausgefallen. In Niedersachsen wurde mit 5,87 Millionen Tonnen eine um 13 Prozent geringere Ernte eingefahren, zugleich sank die Anbaufläche um fünf Prozent auf 860.000 Hektar. Die Hälfte der Anbaufläche entfiel mit 441.000 Hektar auf Winterweizen, der um sieben Prozent geringere Erträge lieferte als im vergangenen Jahr. Insgesamt wurden zwischen Ems und Elbe 3,48 Millionen Tonnen Weizen geerntet. Auf Gerste entfielen 1,15 Millionen Tonnen, zwölf Prozent weniger als 2009. (pd)

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