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Halmverkürzung

Wachstumsregler: Diese Mischungen sichern Ihren Ertrag

Zwiewuchs von lagerndem Weizen
am Dienstag, 26.02.2019 - 05:03

Geht Getreide ins Lager, sind Verluste bei Qualität und Erntemenge vorprogrammiert. Wachstumsregler gelten daher als eine wichtige Versicherung. Sie geben der Pflanze Stabilität, wenn das Wetter wieder Kapriolen schlägt.

Mit Wachstumsreglern verhält es sich wie mit jeder Versicherung: Im Fall der Fälle hat man ohne sie ein Problem. Ob sie ihre Wirkung voll ausspielen (müssen), hängt vor allem vom Wetter ab.

Damit gehören Halmverkürzer im Getreidebau zum Standard. Lagerndes Getreide erhöht schließlich die Ernte- und Trocknungskosten und kann die Qualität des Ernteguts negativ beeinflussen. Lager ist auf jeden Fall zu verhindern, auch wenn der Wachstumsreglereinsatz gelegentlich zu geringen Mindererträgen führen kann.

Die Unterschiede in der Wachstumsregleranwendung sind zwischen den Regionen klimabedingt recht groß. Norddeutschland mit Schleswig-Holstein sei hier beispielhaft für eine im Schnitt hohe Intensität genannt. Normalerweise bestehen unter dem maritimen Klima des Nordens kaum Verträglichkeitsprobleme.

Das Jahr 2018 zeigte aber selbst hier Grenzen auf: Aufgrund der Sonneneinstrahlung und der anhaltenden Trockenheit mussten Wachstumsregler auch im nördlichsten Teil der Republik besonders vorsichtig eingesetzt werden.

Wie Wachstumsregler wirken

Die einzelnen Wirkstoffe unterscheiden sich deutlich in ihren Temperaturansprüchen. Während die Wirkstoffe Chlormequatchlorid (CCC) und Mepiquatchlorid (Medax Top) bereits bei Tagestemperaturen von 6 bis 10 °C verwendbar sind, benötigen Trinexapac (beispielsweise Moddus) und Prohexadion (Medax Top, Prodax) Temperaturen von 12 °C.

Mit 15 °C noch höher sind die Ansprüche beim Wirkstoff Ethephon (unter anderem in Cerone 660). Durch Tankmischungen verschiedener Wirkstoffe lassen sich die Einsatzbereiche flexibler gestalten.

Umfangreiche Mittelpalette

Zur Wachstumsregulierung steht im Getreide eine ausreichende Mittelvielfalt zur Verfügung.

Manipulator wurde im vergangenen Jahr neu zugelassen. Es handelt sich um einen Wachstumsregler mit 620 g/l des Wirkstoffs Chlormequat-Chlorid. Das Präparat ist breit einsetzbar in Weizen, Gerste, Triticale, Dinkel und Hafer; daneben auch im Splitting in Winterweizen, Wintergerste, Dinkel und Hafer. Zugelassen ist es in einem breiten Einsatzfenster von BBCH 21 bis 41.

Prodax ist seit zwei Jahren am Markt. Es enthält 75 g/kg Trinexapac-ethyl und 50 g/kg Prohexadion-Calcium. In Bezug auf den Wirkstoffgehalt entspricht 1,0 kg/ha Prodax etwa 0,3 l/ha eines Trinexapac-Produkts plus 1,0 l/ha Medax Top.

Prodax ist unter anderem in Winterweizen, -gerste, -roggen, Triticale, Sommerweizen, -gerste und Hafer zugelassen. In den Wintergetreidearten sind die maximal zugelassenen Aufwandmengen sehr detailliert abhängig von der Anwendungshäufigkeit vorgegeben. Prodax ist als wasserdispergierbares Granulat (WG) formuliert.

Der Wirkstoff Prohexadion wirkt unabhängig von Temperatur und Strahlung. Aufgrund einer neuen Formulierung zeichnet sich Prodax durch eine schnelle Anfangswirkung aus.

Sehr umfangreich ist mittlerweile auch die Palette der zugelassenen Trinexapac-Produkte. Mit Ausnahme von Calma haben alle einen Wirkstoffgehalt von 250 g/l. Sie unterscheiden sich teilweise in der Formulierung und im Zulassungsumfang.

Strategien in Wintergerste

Beginnen Sie den Wachstumsreglereinsatz, wenn der gesamte Bestand in die Schossphase zu BBCH 31 bis 32 übergegangen ist. Kombinationen verstärken die Wirkung.

In der Regel ist eine Folgebehandlung nach 10 bis 14 Tagen nötig, spätestens im BBCH-Stadium 37 bis 39. Um ein Ährenknicken der Wintergerste zu vermeiden und den obersten Halmabschnitt zu verkürzen, muss in der zweiten Behandlung Ethephon enthalten sein.

Waren die Maßnahmen nicht ausreichend oder wurden Behandlungstermine verpasst, ist in lageranfälligen Sorten eine Notfallbehandlung zu BBCH 39 bis 49 mit Ethephon sinnvoll.

Im Winterweizen bei Bedarf teilen

Bei einem zeitigen Vegetationsbeginn und in Frühsaaten empfiehlt es sich im Weizen und auch in Triticale, zu BBCH 30 (bis 31) eine erste Behandlung zu setzen und die CCC-­Aufwandmenge zu splitten. Moddevo hat sich als Mischungspartner zum CCC im Stadium 30 bis 31 bewährt.

Der zweite Split erfolgt dann zum Stadium 31 bis 32. In der Regel passt auch hier ein reines Trinexapac-Produkt als Mischungspartner. Lediglich in sehr lageranfälligem Getreide ist die Kombination aus CCC und dem Produkt Prodax zu bevorzugen.

Beginnt die Vegetationszeit spät, ist ein Splitting zum Schossbeginn nicht sinnvoll, weil die Entwicklungsstadien zu schnell aufeinanderfolgen. Dann empfiehlt sich im BBCH-Stadium 31 bis 32 die volle Aufwandmenge eines CCC-Produkts mit den bereits erwähnten Mischungspartnern.

Eine Folgebehandlung zum Entwicklungsstadium 37 bis 39 ist in allen Fällen einzuplanen. Ein Trinexapac-haltiges Produkt, Medax Top oder Prodax sind in der Mittelwahl sinnvoll. Die Zugabe eines Ethephon-Produkts sichert die Wirkung ab.

Mit Material von Dr. Hans-Joachim Gleser, LWK Schleswig-Holstein

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