Login
Getreide

Weizen: Europäische Ernteaussichten schrumpfen

von , am
17.04.2012

Die Weizenernte in der Europäischen Union schrumpft immer weiter zusammen. Mittlerweile verfehlt die für 2012 erwartete Produktion die ursprünglichen Ernteschätzungen recht deutlich.

Laut LABO sind die geltenden Anforderungen der "guten fachlichen Praxis" oftmals nicht ausreichend konkret und zu pauschal. © Mühlhausen/landpixel
Zudem liegen die Prognosen jetzt auch unter der relativ schwachen Ernte des Vorjahres. Letzte Woche bestätigte auch das europäische Analystenhaus Strategie Grains diese Einschätzung. Ursachen für den Produktionsrückgang sind danach die Auswinterungsschäden in Frankreich und Deutschland. Hinzu kommt noch der Niederschlagsmangel in einigen wichtigen europäischen Anbauregionen. In der Folge dürfte die Versorgungslage am europäischen Binnenmarkt relativ angespannt bleiben.

Weizenernte kleiner als 2011

Nach Einschätzung von Strategie Grains werden die Europäer 2012 jetzt nur noch 126,8 Millionen Tonnen (Mio. t) Weichweizen ernten. Damit liegt die Prognose auf gleicher Höhe mit der Schätzung des Verbandes der europäischen Getreidehändler (Coceral) (126,8 Mio. t). Im Vergleich zur letzten Schätzung von März korrigierte Strategie Grains seine Prognose um 4,3 Millionen Tonnen nach unten. Damit würde auch die schwache Vorjahresernte (129,1 Mio. t) um 2,3 Millionen Tonnen verfehlt.
 
In der Folge senkte Strategie Grains auch seine Erwartung für den europäischen Weizenexport auf 13,5 Mio. t. Das sind drei Millionen Tonnen weniger als die Analysten im März erwartet hatten.

Auswinterungsschäden größer als erwartet

Ursache für den Produktionsrückgang sind die unerwartet hohen Auswinterungsschäden in Frankreich und Deutschland. Diese führen nach Einschätzung von Strategie Grains in beiden Ländern zu Produktionseinbußen von jeweils 1,3 Millionen Tonnen.
Kurz zuvor hatte Offre Demande Agricole die Folgen der Auswinterung für die französische Weizenernte sogar auf 2,5 Millionen Tonnen veranschlagt.
 
Strategie Grains geht davon aus, dass in Europa etwa sechs Prozent der ursprünglich mit Wintersaaten bestellten Fläche umgebrochen werden muss. Auf Winterweizen und Wintergerste entfallen allein 2,5 Millionen Hektar. Nach einer aktuellen französischen Schätzung (FranceAgriMer), könnte die Anbaufläche von Weichweizen in Frankreich sogar auf ein Neunjahrestief fallen.

Weniger Gerste jedoch mehr Mais

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Auch bei Gerste reduzierte Strategie Grains seine Ernteprognose. Wegen der Auswinterungsschäden und der Trockenheit in Spanien geht die europäische Gesamternte um eine Million Tonnen auf 52,4 Millionen Tonnen zurück. Die Ausfälle bei Wintergerste können demnach auch durch die Expansion des Sommergerstenanbaus in Frankreich und Skandinavien nicht ausgeglichen werden. Trotz dieser Korrektur geht Strategie Grains davon aus, dass die EU-Gerstenproduktion größer ausfällt als im letzten Jahr (51,7 Millionen Tonnen). Coceral hatte zum Monatswechsel immerhin noch eine Ernte von 54 Millionen Tonnen für möglich gehalten.
 
Um 0,8 Millionen Tonnen nach oben gesetzt hat Strategie Grains hingegen die erwartete Maisproduktion. Mit 65,4 Millionen Tonnen bleiben die Europäer damit nur noch 0,5 Mio. t unter der Rekordernte von 2011. Hier war Coceral mit seiner Prognose noch deutlich vorsichtiger (62 Mio. t).
 
Auch interessant