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Pflanzenbau-Ratgeber

Weizen: Jetzt gegen Fusarium und Gelbrost vorgehen

Dr. Michael Kraatz/LfULG Sachsen/Krauß/agrarheute
am
30.05.2016

Im Winterweizen beginnt mit der Blühphase das kritische Stadium für Infektionen mit Ährenfusariosen. Neben dem Weizen sind auch Durum und Triticale stärker gefährdet.

Ährenfusariosen können Ertragsverluste und Qualitätseinbußen sowie eine erhöhte Mykotoxinbelastung des Erntegutes verursachen, schreibt Dr. Michael Kraatz von der LfULG Sachsen in einem aktuellen Pflanzenbauratgeber. Das Aufquellen der Perithecien (Fruchtkörper des Pilzes) auf den Vorfrucht-Stoppelresten von Mais und Getreide - werde durch feuchte Witterungsbedingungen begünstigt, so dass bei niederschlagsreicher feuchter Witterung von einem hohen Ascosporenflug auszugehen sei.

Eine erhöhte Infektionsgefahr bestehe für Risikoschläge bei

  • Vorfrucht Mais oder Winterweizen,
  • nicht wendender Bodenbearbeitung,
  • anfälligen Sorten (ab BSA-Einstufung 5) .

Erhöht wird die Infektionsgefahr auch bei Maisvorfrucht und Bodenbearbeitung mit dem Pflug. Ein längerer Blühverlauf bzw. eine langsame Abblüte erhöhen das Befallsrisiko ebenfalls.

Der optimale Behandlungstermin liegt zwischen 1-2 Tage vor bis 3 Tage nach einem Niederschlagsereignis im BBCH 61 bis 69, bei Temperaturen ab 16 °C.

Feuchte Bedingungen steigern das Risiko für Pilzkrankheiten

Auch die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) Sachsen-Anhalt weist auf das Problem hin. So seien die für Anfang der Woche erwarteten Niederschläge, wenn auch in sehr unterschiedlichen Mengen, gefallen. Vielerorts sind die Trockenschäden jedoch bereits irreversibel. Vor allem in der Altmark, aber auch im Raum Anhalt und auch auf Übergangsstandorten der anderen Regionen sind die Bestände deutlich gezeichnet. Steigende Temperaturen und insgesamt deutlich feuchtere Bedingungen bergen nun ein erhöhtes Risiko für Pilzkrankheiten und das Ansteigen der Blattlauspopulationen. Mit den Niederschlägen Anfang der Woche stieg das Infektionsrisiko für die meisten Pilzkrankheiten deutlich.

Für Winterweizen signalisierte das Septoria-Prognosemodell nach langer Zeit wieder günstige Infektionsbedingungen für Septoria tritici. Diese werden nun die Ausbereitung der Krankheit auf die oberen ertragsbildenden Blattetagen bewirken, wenn kein ausreichender Fungizidschutz vorhanden ist (Symptome treten dann erst nach 3 bis 4 Wochen auf).

Als noch gefährlicher sei das erneute Aufflammen der Gelbrostepidemie in vielen Beständen zu betrachten. Wie bereits im letzten Warndienst-Hinweis beschrieben, tritt inzwischen nesterweise oder bereits flächendeckender Befall auch in Beständen auf, die frühzeitig behandelt wurden. In beiden Fällen ist nun unbedingt eine gezielte Maßnahme erforderlich.

Abschlussbehandlung: Das rät die LLG Sachsen-Anhalt

Für die Abschlussbehandlung im Blatt-Ährenbereich empfiehlt die LLG Sachsen-Anhalt vorrangig Carboxamid-Azol-Kombinationen, ggf. mit Strobilurinanteil (vor allem gegen Roste). Bei der Auswahl der Präparate sind die Hinweise zum Anti-Resistenzmanagement unbedingt zu beachten.

Strobilurine werden gegen Septoria nicht mehr empfohlen. Bei Azolen sei ein Wirkstoffwechsel vorzunehmen, was besonders bei für Risikoschläge in der Blüte geplanten Behandlungen gegen Ährenfusarium zu beachten ist.

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