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Getreide

Weizendüngung: Rohprotein - und was kommt dann?

© Raupert/LuF
von , am
22.06.2015

Die Novelle der Düngeverordnung wird sich auch auf die N-Düngung von Qualitätsweizen auswirken. Bei den Parametern stellt sich zudem die Frage nach Alternativen zum Rohproteingehalt.

Gestern musste der Matif-Weizen zum Fronttermin September drei Euro je Tonne abgeben. © Raupert/LuF
Durch die Novelle der Düngeverordnung wird die N-Düngebedarfsermittlung konkretisiert und bundesweit einheitlich geregelt. Dies geschieht unter anderem durch verbindliche Stickstoff-Bedarfs- sowie Mindest- bzw. Maximalwerte für Korrekturfaktoren. Diese Regelung wird die einsetzbare N-Menge begrenzen.
 
Zu dieser Einschätzung kam Andreas Lege, LWK Niedersachsen, bei der 27. Getreide-Tagung der AG Getreideforschung in Detmold. Weitere Änderungen bei der Produktion von Qualitätsweizen werden laut Lege sein:
  • Die Düngebedarfsermittlung geht von einem ertragsabhängigen N-Sollwert nach Abzug des Nmin-Vorrats im Boden zu Vegetationsbeginn aus. Weitere Sollwertkorrekturen sind gegebenenfalls in Abhängigkeit von Humusgehalt und Vorfrucht vorzunehmen. Auf Hochertragsstandorten sind ertragsabhängige Zuschläge bei der N-Menge bis maximal 40 kg N/ ha möglich.

  • Der Reaktionsspielraum, vor allem in Bezug auf eine Stickstoffspätdüngung, wird deutlich eingeschränkt. Bei fest vorgegebenen Stickstoffbedarfswerten werde der geschickten Verteilung der einzelnen Düngegaben laut Lege zukünftig besondere Bedeutung zukommen. Dabei können Pflanzenanalysen während der Vegetation und Simulationsmodelle eine wichtige Hilfestellung sein.

Rohprotein: Neue Qualitätsparameter beim Weizen gesucht

Der Rohproteingehalt steht als dominierendes Handelskriterium zunehmend in der Kritik. Um entsprechende Verkaufserlöse zu erzielen wird auf Erzeugerseite ein möglichst hoher Gehalt angestrebt. Die dazu eingesetzte Spätdüngung führt aber nicht automatisch zum Erfolg und ist daher aus ökonomischer und ökologischer Sicht zu hinterfragen.
 
Handelsstufen, Müllerei und auch Weizenzüchter suchen daher nach alternativen Charakterisierungswerkzeugen, um backwirksame Eigenschaften besser und schneller bestimmen zu können. Ein gesamter Themenblock der 27. Getreide-Tagung widmete sich daher der Backqualitätsanalytik:

Drei Projekte auf der Suche nach neuen Qualitätsparametern

  1. In dem Verbundprojekt "BackProg" wird versucht, in der Praxis breit einsetzbare Schnelltests zu finden. Durch eine bessere Vorhersage der Backqualitätmittels Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) soll Stickstoff eingespart werden. Wie Dr. Doreen Gabriel vom JKI in Braunschweig ausführte, wurde zunächst in zwei umfangreichen Feldversuchen mit mehreren Sorten und verschiedenen Düngungsvarianten Probenmaterial gewonnen. Die Backqualität der Proben wurde unter Verwendung der etablierten Standardverfahren und dem Rapid-Mix-Test bestimmt. Für den Proteingehalt zeigten die Kalibrationen erwartungsgemäß sehr gute Ergebnisse. Die bisher erzielte Genauigkeit der Kalibrationen zur Abschätzung des Backvolumens ist laut Gabriel noch nicht zufriedenstellend und lässt somit einen Probelauf in der landwirtschaftlichen Praxis noch nicht zu.

  2. Dr. Alexandra Hüsken, MRI Detmold, forscht mit ihrer Arbeitsgruppe an der Vorhersage der Backqualitätdruch chipbasierte Kapillarelektrophorese. Die Methode lässt sich zur Bestimmung der qualitativen und quantitativen Proteinzusammensetzung verwenden. Sorten- und anbaubedingte Unterschiede in den Backqualitäten werden auf unterschiedliche Strukturen einzelner Kleberproteine sowie auf deren Mengen und -verhältnisse im Mehl zurückgeführt. Es sollte untersucht werden, ob sich die Methode für einen in der Praxis einzusetzenden Schnelltest zur Vorhersage der Backqualität eignet. Bislang zeigte sich noch keine untersuchte Proteinfraktion dem Proteingehalt bei der Bestimmung der Volumenausbeute überlegen.

  3. Jens Begemann, designierter Nachfolger von Dr. Klaus Münzing am MRI, stellte eine weitere Methode vor, um backwirksame Qualitätsparameter vorhersagen zu können. So ist die Solvent Retention Capacity (SRC) in den USA bereits für die Qualitätsbeschreibung von Hart-Keks-Mehlen etabliert. Die Methode überprüft die Qualität am Mehl und eignet sich auch für die Darstellung der Backwirksamkeit in Produktionsprozessen der Mühlen. Als Ersatz für eine Schnellbestimmung bei der Getreideannahme ist die Methode nach Aussage von Begemann aber nicht geeignet.

Fazit

  • Der Rohproteingehalt bleibt wohl auch in Zukunft wichtigstes Qualitätskriterium.
  • Allerdings hängt die Backqualität nicht immer am Rohproteingehalt.
  • Neue Schnelltest sind in der Erprobung, liefern aber bislang noch keine markttauglichen Alternativen.
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