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Getreide

Weltweite Weizennachfrage steigt laut EU-Kommission

von , am
14.11.2009

Brüssel - Auf dem Weltmarkt wird mehr Weizen als in den Vorwochen nachgefragt. Dies berichtete die EU-Kommission gestern im Verwaltungsausschuss in Brüssel.

Bei uns und in Frankreich sorgen sich die Landwirte um die Weizenqualitäten. © agrarfoto.com

Als Zeichen führte die Kommission die Weizenpreise an den US-Börsen heran, die zum ersten Mal in der Saison angezogen sind. Der soft red winter hat sich seit dem 29.10. um USD 21,- pro Tonne verteuert und kostete am Donnerstag USD 209,86 pro Tonne fob Golf. Der hard red winter zog in diesem Zeitraum um USD 17,- pro Tonne an. Größere Weizenmengen kaufe Ägypten weiterhin in Frankreich, berichtete die Kommission. In der EU verstärkt sich die Nachfrage infolge der Weizen-Ausfuhrlizenzen.

In der Woche zwischen dem 28.10. und dem 03.11. wurden in Brüssel Lizenzen für 220.000 Tonnen beantragt. In der darauffolgenden Woche verdoppelte sich die Menge auf 415.000 Tonnen Weizen. Für die Belebung der Gerstenausfuhren gibt es hingegen keinerlei Anzeichen. In der EU wurden ferner seit der Eröffnung der Intervention 950.000 Tonnen Getreide angeboten. Kaum Auswirkungen hatte die öffentliche Lagerhaltung jedoch bisher auf den österreichischen Gerstenmarkt. Unverändert bleiben zudem die Weizenpreise an der heimischen Börse.

Erste Interventions-Million fast erreicht

Seit der Eröffnung der Intervention wurden in der EU 950.000 Tonnen Getreide angeboten. Von dieser Menge entfallen 854.000 Tonnen auf Gerste und 96.000 Tonnen auf Weizen. Das meiste Getreide wird in Deutschland interveniert (276.000 Tonnen), gefolgt von Frankreich mit 159.000 Tonnen, der Slowakischen Republik mit 101.000 Tonnen, sowie Finnland und Ungarn mit jeweils 87.000 Tonnen. In Österreich summieren sich die Andienungen auf 11.000 Tonnen Gerste. Weizen wird in osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten mit hohem Transportkostenanteil beim Export interveniert. Die Kommission meinte im Ausschuss, sie habe mit solchen Mengen in der öffentlichen Lagerhaltung gerechnet.

Bisher kaum Auswirkungen auf österreichischen Gerstenmarkt

Eher wirkungslos blieb die Intervention bisher für den österreichischen Gerstenmarkt. Knapp 11.000 Tonnen wurden zwar laut AMA von der Eröffnung der Interventionsperiode am 01.11. bis zum Donnerstag dieser Woche bereits angedient, allerdings noch kein einziger Lagervertrag unterzeichnet und noch kein Kilogramm übernommen. Denn entweder, sagen die Lagerhalter, seien ihre Silos voll oder die von der EU gebotenen Lagersätze zu niedrig, und nationale Lagerkostenzuschüsse würden auch nicht gewährt.

Riskanter Poker um Futtergetreide

Die Weizenpreise in Österreich und ihre Wiener Notierungen blieben auch diese Woche bei einem relativ dünnen Geschäftsfluss unverändert. Die Mühlen sind offensichtlich für das Weihnachtsgeschäft und über den Jahreswechsel hinweg weitgehend mit Rohstoff gedeckt. Im Handel heißt es, dank des Nachfrageschwunges im Oktober liege die Vermarktung von den Mengen her wieder im Plan. Am Futtergetreidemarkt läuft aber offenbar ein riskanter Poker der Lagerhalter: Die von den Verarbeitern gerade noch akzeptierten und von Anboten aus dem benachbarten Ausland abgeleiteten Preise für Futterweizen und zuletzt auch Körnermais, wie sie in den jüngsten Notierungen an der Wiener Produktenbörse zum Ausdruck kommen, lösen dem Vernehmen nach aber bei den Anbietern noch immer keine Abgabebereitschaft aus. Diese schrauben stattdessen ihre Preisvorstellungen weiter in die Höhe.

Mais und Futterweizen

Die Erstnotierung von Futtermais an der Wiener Produktenbörse am Mittwoch dieser Woche weist ein Preisband von 108,- Euro bis 109,- Euro pro Tonne ab Station aus. Damit notiert Mais - dieser sogar deutlich - ebenso wie Weizen zurzeit unter der europäischen Leit-Warenterminbörse Euronext.Liffe in Paris. In der Branche heißt es, die Pariser Terminnotierungen seien momentan aber "weit weg und nur wenig aussagekräftig für die Marktverhältnisse in der zentraleuropäischen Binnenlage". Somit, so hört man aus der Mischfutterbranche, würden bei Mais und Futterweizen zurzeit nur spärliche Aufkäufe im Inland getätigt und anscheinend alternative Importe überlegt. Umso mehr findet zurzeit aber die vergleichsweise noch immer billigere inländische Futtergerste ihren Weg in Mischfutterrationen, was diese Woche zu einer weiteren leichten Preisbefestigung geführt hat. Damit riskieren die Lagerhalter von Mais aber, auf ihrer Ware sitzen zu bleiben, sollten die Mischfutterwerke ihren Jahresbedarf aus alternativen Rohstoffen decken. (pd)

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