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Klimawandel

Weniger Insekten, aber mehr Blattläuse: Was Daten aus 35 Jahren zeigen

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am Dienstag, 24.11.2020 - 06:00 (Jetzt kommentieren)

Global nimmt die Zahl der Insekten ab. Blattläuse als Überträger wichtiger Virenkrankheiten sind aber offenbar Nutznießer des Klimawandels. Das zeigt eine 35-jährige Auswertung des Julius Kühn-Instituts.

Seit 1985 fangen Forscher des Julius-Kühn-Instituts (JKI) und den Vorgängereinrichtungen in der Gegend um Quedlinburg-Aschersleben in Sachsen-Anhalt von Frühjahr bis Herbst fliegende Insekten. Neben vielen Nützlingen werden mehr Schädlinge gezählt, etwa Blattläuse als Virenüberträger.

Langzeitmonitoring zum Auftreten von Schädlingen und Nützlingen

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Für den Insektenfang nutzen die Wissenschaftler eine 12 m hohe Saugfalle. Sie wurde ursprünglich gebaut, um vor allem den Zuflug wichtiger Schadinsekten zu kontrollieren.

Neben den Schädlingen landen dort aber auch Nützlinge, etwa Schlupfwespen, Fliegen, Käfer und Spinnen. Dieser sogenannte Beifang wird nun mit den erhobenen Daten erstmalig ausgewertet. Der Datensatz ist deshalb so interessant, weil er über einen Zeitraum von 35 Jahren zurückreicht.

So erlauben die Zahlen ein Langzeitmonitoring zum Auftreten von Schädlingen und Nützlingen mit standardisierter Methode in einer Region. Eine Vorabauswertung ist jetzt veröffentlicht. Die Studie „Long-term monitoring of insects in agricultural landscapes“ ist hier zu finden, veröffentlicht in den Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie.

Virusübertragende Blattläuse sind Nutznießer des Klimawandels

Global geht die Zahl der Insekten zurück. „Auch in unserer Falle hat sich die täglich gewogene Fangmenge über die Jahrzehnte verringert. Ein Hinweis darauf, dass die Zahl der flugfähigen Insekten auch in der Region Quedlinburg-Aschersleben seit Mitte der 1990-er-Jahre abnimmt“, sagt Dr. Tim Ziesche vom JKI.

„Dieser Trend lässt sich jedoch nicht bei allen Insektengruppen gleichermaßen beobachten. Einige Schadinsekten scheinen Nutznießer des Klimawandels zu sein. So treten zum Beispiel Blattläuse früher im Jahr auf und zeigen insgesamt höhere Dichten in den Fallen über einen längeren Zeitraum in der Vegetationsperiode“, so Ziesche weiter.

Insgesamt sind in Sachsen-Anhalt in den vergangenen 15 Jahren deutlich mehr Blattläuse in die Falle gegangen als in den vorherigen Jahrzehnten. Das hat Folgen, denn Blattläuse sind Überträger vieler Pflanzenviren. Um Infektionen vorzubeugen, müssen derzeit entweder die Läuse bekämpft oder neue virusresistente Sorten gezüchtet werden.

Muster erkennen in der Langzeitänderung der Artenvielfalt

Diese Beobachtungen sind jedoch nur ein Anfang. Die Auswertungsarbeiten an dem umfangreichen Datensatz gehen weiter. Künftig sollen auch die Fänge aus einer zweiten Saugfalle des gleichen Typs am Standort Groß-Lüsewitz in Mecklenburg-Vorpommern einfließen.

Diese größer angelegte Studie bezieht weitere europäische Saugfallen ein. Das soll helfen, Muster in den Langzeitänderungen der Artenvielfalt zu erkennen. So lässt sich die Komplexität der Wechselwirkungen besser verstehen. Sie reiht sich ein in den Kanon des Insekten-Langzeitmonitorings.

Nur standardisierte Methoden lassen Aussagen zu

Nur standardisierte Ansätze zum Monitoring lassen Rückschlüsse darauf zu, wie sich ändernde Umweltbedingungen auf Vorkommen und Vielfalt von Insekten auswirken. Dabei zählen Daten, die über mehrere Jahrzehnte erhoben werden. Sie zeigen problematische Entwicklungen in der Umwelt.

Gleichzeitig ermöglichen sie, Ursachen- und Wirkbeziehungen grundlegend zu analysieren. Sie zeigen, wie sich Systeme aus Räubern und Beuten regional verschieben. So lassen sich Effekte für den Anbau ableiten und aufbauend Strategien für nachhaltigen Ackerbau entwickeln.

Negativbeispiel Virusinfizierte Rüben 2020

Auf vielen Rübenäckern traten 2020 verstärkt nesterartig gelbe Blätter auf, die durch eine Virusübertragung der Grünen Pfirsichblattlaus hervorgerufen wurden. Diese Vergilbungsnester waren nicht zu verhindern, obwohl nach Überschreiten des Bekämpfungsrichtwerts von zehn Prozent befallene Pflanzen ein- oder zweimalig Insektizide eingesetzt wurden.

Um genaue Angaben zu den Ertragsverlusten in den Nestern zu erhalten, hat etwa der Rheinische Rübenbauerverband (RRV) zusammen mit der Zuckerfabrik Pfeifer & Langen (P&L) Anfang November auf mehreren Standorten im Rheinland vergleichend Erträge in und außerhalb der Vergilbungsnester erhoben.

Ebenso werden im Rahmen eines Langzeitmonitorings virusinfizierte Rüben aus dem Rheinland beim Institut für Zuckerrübenforschung (IfZ) auf ihre Lagerfähigkeit unter konditionierten Bedingungen untersucht. Spannens bleibt, wie dabei die Rüben mit Viröser Vergilbung einzuschätzen sind. Die Ergebnisse dazu liegen noch nicht vor.

Mit Material von JKI, LIZ
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