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Klimaschutz

Weniger Treibhausgase: Mit Bodenfoto plus App zur Humusbilanz

Boden-Handyfoto
am
04.06.2019
(1 Kommentar)

Boden- und Software-Experten entwickeln einen Humus-Check: Mit einem Foto des Bodens und den Koordinaten des Standorts bestimmt die App den aktuellen Gehalt an Humus. Die Bilanz wird in die Schlagkartei eingebunden.

Humusaufbau trägt aktiv zum Klimaschutz bei. Humus besteht zu 58 Prozent aus Kohlenstoff. Gezielter Humusaufbau bindet Kohlenstoff aus der Atmosphäre. Er hilft dabei, klimawirksame Treibhausgase zu reduzieren.

Das Tool CarboCheck ist eine neue Software, die Veränderung von Humus in Böden vorhersagt. Die App prognostiziert die zeitliche Entwicklung des Gehalts an Kohlenstoff (Corg). Sie berechnet, ob sich Humus ab- oder aufbaut. So bilanziert sie den aktuellen Humusgehalt.

So funktioniert die neue App

Handyfoto_Humusgehalt

CarboCheck schätzt mit dem Handyfoto des Bodens und dem Standort den Humusgehalt ab. Auf Basis dieses Werts und weiteren Daten prognostiziert die Software, wie sich der Humus-/ Kohlenstoffgehalt des Bodens zeitlich entwickelt.

Dabei hilft das CPix-Tool. Auf Basis der Daten aus der offiziellen Bodenzustandserhebung wird ein Algorithmus entwickelt. Der verbindet die spektralen Farben des Fotos mit dem organischen Corg-Gehalt. Dabei werden Geodaten einbezogen. Validiert wird der Algorithmus an Dauerversuchsflächen.

CPix enthält zudem eine Funktion zur Bewertung. Damit lässt sich der berechnete Corg-Gehalt beim gegebenen Schlag mit standorttypischen Gehalten vergleichen. Ein Plausibilitätscheck soll Fehler vermeiden. Der ermittelte Corg-Wert lässt sich dann in den Humusgehalt umrechnen.

Das wird für die Modellierung genutzt. In Schottland gibt es bereits eine solche App, entwickelt vom James-Hutton Institut in Aberdeen. Beim Projekt dabei sind das Thünen-Institut, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, weiter Bioland Support, Helm-Pilotbetriebe, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, VDLUFA und Förderverband Humus.

Anzeige als Ampel in der Ackerschlagkartei

CarboCheck-Humus

Die Anwendung wird in eine Software zur Ackerschlagkartei integriert. Eine manuelle Dateneingabe ist nicht nötig. Das Ergebnis wird in Form einer Ampel angezeigt:

  • grün = Humusaufbau,
  • gelb = keine Änderung,
  • rot = Humusabbau.

Das soll die Nutzung so einfach wie möglich machen. Dabei lassen sich stets auch Unsicherheiten und Berechnungsmethoden abfragen. Weiter gibt es Optionen zu Bewirtschaftung und Management, die zusätzlichen Humusaufbau bringen.

Vom Land- zum Klimawirt

Die Bodenzustandserhebung Landwirtschaft liefert mit der Beprobung von deutschlandweit über 3.100 Standorten den einmaligen Datensatz als Basis für die App. Für den Klimaschutz und die Bodenfruchtbarkeit ist der Humusgehalt extrem interessant.

Die wirtschaftliche Alternative, vom Land- auch zum Klimawirt zu werden, bietet ein Zertifikatehandel. Der finanzielle Mehraufwand durch Humusaufbau soll damit abgedeckt werden, wie erste Beispiele zeigen.

Den Humus-Check erarbeiten Fachleute vom Thünen-Institut für Agrarklimaschutz und vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung mit der Firma Helm. Damit die App praxisnah wird, sollen Landwirte zuvor an einer Umfrage teilnehmen.

Bei der Umfrage für den Humus-Check mitmachen

In der Umfrage geht es darum, welche Zwischenfrüchte angebaut, ob schon Bilanzmethoden genutzt oder Humus-/Corg-Analysen gemacht werden. Gründe sind etwa Nährstoffversorgung, Düngeverordnung, Erosionsschutz, Wasserspeicher, Fruchtbarkeit oder Klimaschutz.

Weiter geht es im Fragebogen um die Infos zu den eigenen Böden:: Schätzwerte, Gehaltsklassen, Textur, Ton- und Humusgehalt. Auch Fragen zur Software oder zur Schlagkartei werden gestellt. Letztlich geht es darum, Humus- oder Treibhausgasbilanzen für den eigenen Betrieb aufzustellen.

Mit Material von Johann Heinrich von Thünen-Institut, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
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