Login
Ackerbaustrategie

Wetterextremen trotzen: Mit Direktsaat und weiter Fruchtfolge

Fromme-Burkhard
am Montag, 07.10.2019 - 09:42 (Jetzt kommentieren)

Der Ackerbau steht am Scheideweg. Lösungen für viele Probleme hat Burkhard Fromme aus Königslutter am Elm in Niedersachsen: So federt er die Folgen des Klimawandels ab.

Burkhard Fromme zeigt mit seiner Direktsaat und einer weiten Fruchtfolge, wie sich die Folgen des Klimawandels abmildern lassen. Am Anfang stand der Verzicht auf den Pflug. Fromme ist im Vorstand der Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung (GkB). Auf einigen Flächen wirtschaftet er seit 30 Jahren pfluglos. Fromme beackert mit Sohn Hendrik 380 ha im niedersächsischen Scheppau bei Helmstedt. Der Pflug ist komplett vom Betrieb verbannt.

Pfluglos zur Direktsaat

Bei der Umstellung auf Direktsaat geht es sich nicht nur um ein anderes Säverfahren. Vielmehr steht eine ganze Ackerbaustrategie dahinter. Erst wenn die einzelnen Bausteine zusammengefügt sind, ist das erfolgreich. Dazu zählen ständige Bodenbedeckung, weite Fruchtfolge, intensiver  Zwischenfruchtanbau, umgestellte Düngung und verringerter Bodendruck.

Dass Direktsaat nicht mit Einbußen beim Ertrag teuer erkauft wird, macht Fromme klipp und klar deutlich: „Die Erträge im Getreideanbau stagnieren auch bei konventionellen Betrieben seit 20 Jahren. Ich habe damals wie heute 80 dt/ha beim Weizen geerntet.“ Spitzenerträge sind seiner Meinung nach durch die ständig wechselnden Böden ohnehin nicht zu erzielen.

Auf seinem Betrieb hat er vielmehr festgestellt, dass die Erträge heute stabiler ausfallen, unabhängig von der Jahreswitterung. Ein aktives Bodenleben puffert die Wetterextreme ab. Gerade in Jahren, in denen es viel zu wenig regnet, senkt die ständige Bodenbedeckung die unproduktiven Wasserverluste über die Oberfläche.

Eigene Zwischenfruchtmischung

Bei den Zwischenfrüchten setzt Fromme auf selbst ausgetüftelte Mischungen. Sie bestehen etwa aus Ackerbohne, Erbse, Phacelia, Sommerwicke, Sonnenblume, Ölrettich und Lupine. Sie durchwurzeln den Boden in unterschiedlichen Tiefen. So bauen sie auch unterirdisch reichlich Biomasse auf.

Ausreichend Zeit für die Zwischenfrüchte bleibt auf dem Betrieb durch die weit gestellte Fruchtfolge mit acht Kulturen. Auf Wintergetreide folgen konsequent Blattfrücht und Sommerungen. Vorteil: Der Pflanzenschutzaufwand lässt sich senken.

Fromme setzt weniger Herbizide und Fungizide ein. Durch Erntereste übertragene Krankheiten, etwa DTR oder Ährenfusariosen, sind durch den Wechsel von Getreide zu Blattfrucht kein Thema mehr. Auch Ackerfuchsschwanz lässt sich so eindämmen. Er ist zwar nicht verschwunden, lässt sich aber kontrollieren.

Boden ganzjährig bedecken

Ziel ist ein ganzjährig bedeckter Boden. So wird nach einer abfrierenden Zwischenfrucht oft noch eine überwinternde ausgesät, in die dann im Frühjahr die Sommerung kommt. Mit der Saat in dichte Biomasse muss die Sätechnik zurechtkommen. Fromme hat sich für Maschinen aus Argentinien und Brasilien entschieden. Die bringen ein hohes Gewicht auf die Scheibenschare und durchschneiden so den dichten Bewuchs, an dem Zinkensämaschinen scheitern.

Die Gherardi-Maschine zur Einzelkornsaat von Mais, Raps und Rüben verfügt über fünf Tanks, die auch Dünger oder Schneckenkorn ins Band legen. Winterraps steht in weiten Reihen, dazwischen wachsen Erbsen. Das bracht tendenziell eineb höheren Ertrag. 2016 litten die Erbsen aber unter Nanoviren.

Die Getreideaussaat erledigt eine Fankhauser-Drille mit für deutsche Verhältnisse unübliche Arbeitsbreite von 3,75 m. Sie lässt sich nur mit 5 km/h über den Acker bewegen, weil sie sich durch die dichte Biomasse arbeiten muss. Doch der Verzicht auf andere Bearbeitungsgänge macht das geringe Tempo wett.

Der Boden hat oberste Priorität. Der Verzicht auf intensive Bearbeitung senkt die Zahl der Überfahrten. Mähdrescher wie Rübenroder haben Bandlaufwerke, ein Schlepper fährt mit Breit-, der Horsch-Trac für Düngung und Aussaat mit Terrareifen.

Mit Material von T.Gaul, B. Fromme, GkB

Mehr zum Thema Ackerbaustrategie lesen Sie im Titelthema der gedruckten agrarheute-Ausgabe vom Oktober 10/2018 ab Seite 30.  

Das agrarheute Magazin
Aktuelles Heft Oktober 2019
Schnupper-Angebot Alle Aboangebote

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...