Login
Ernte 2017

Wintergerste: Die Erträge in den Bundesländern

Gerste dreschen
Thumbnail
Redaktion agrarheute, agrarheute
am
25.07.2017

Die Wintergerste ist weitesgehend vom Acker. Prognosen, Erträge und Qualitäten - was die Gerste in den Bundesländern 2017 brachte, erfahren Sie hier.

Gerstenernte Hessen

Mit einer Anbaufläche von 66.000 Hektar ist in Hessen ein leichter Rückgang bei der Wintergerste gegenüber dem 2016 festzustellen. Je nach Bodenqualität und Niederschlagsmenge schwanken die Erträge zwischen 6 und 8 Tonnen je Hektar und liegen leicht unter dem Fünfjahresmittel, erklärt der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal.

Vor dem Hintergrund fehlender Winterniederschläge habe die Wintergerste bessere Ergebnisse gebracht als zunächst erwartet. In Südhessen und dem Rhein-Main-Gebiet seien bis dato lediglich 250 Milliliter Regen gefallen, damit fehlten im Vergleich zum langjährigen Mittel 25 Prozent des Niederschlags.

Sachsen-Anhalt

Vor der Ernte erwarteten die Landwirte in Sachsen-Anhalt Erträge, die leicht über dem Mittel der vergangenen Jahre liegt. Jedoch seien aufgrund viel zu kleiner Regenmengen in weiten Teilen des Jerichower Landes und im Landkreis Anhalt-Bitterfeld deutlich geringere Erträge zu erwarten.

Durch Gewitter, Unwetter und Starkregen gibt es lokal und regional aber auch erhebliche Schäden. Besonders die Hagelfront, die am 22. Juni durch Teile von Sachsen-Anhalt zog, hat zu Ausfällen und Schäden im Getreide, Raps, Mais, Rüben und Kartoffeln von 30 bis 90 Prozent geführt, heißt es von Seiten des Landesbauernverbandes. Laut Hagelversicherung wird mit Schäden auf bis zu 50.000 Hektar gerechnet.

Die Vorschätzungen für Wintergerste lagen um 74 dt/ha, das entspricht etwa dem Ertrag des Vorjahres. Die Anbaufläche war 2016/17 leicht rückläufig.

Sachsen

Auf den leichten Standorten in Nord- und Ostsachsen zeigten sich im Vorfeld der Ernte laut Landesbauernverband Sachsen bei der Wintergerste deutliche Trockenschäden, so dass hier auch Ertragseinbußen zu erwarten sind. In den anderen Regionen Sachsens wird von einer durchschnittlichen bis guten Ernte ausgegangen.

Insbesondere das kalte Frühjahr mit den Spätfrösten führte zu Verzögerungen in der Getreideentwicklung. Auf Grund der warmen Tage in der zweiten Maihälfte und im Juni konnte der Vegetationsrückstand aber gut aufgeholt werden.

Mecklenburg-Vorpommern

Im Nordosten Deutschlands wurde die Ernte der Wintergerste immer wieder von teilweise starken Regenschauern unterbrochen. Auch ein Befahren der Ackerflächen wurde dadurch erschwert.

Häufige Niederschläge seit Ende Mai erschwerten laut Landesbauernpräsident Detlef Kurreck die diesjährige Ernte, verbreitet verursachen sie Lager und begünstigten auch die Infektion durch pilzliche Schaderreger. Frostige Nächte im April verursachten teilweise den Abwurf von Knospen im Raps sowie physiologische Blattveränderungen beim Getreide.

Schleswig-Holstein

Im Hohen Norden steht die Wintergerste 2017 nach Angaben des Statistikamtes Nord auf 61.600 ha, das sind gegenüber dem Vorjahr 1,3 Prozent weniger Anbaufläche. Die erwartete Erntemenge liegt bei 538.500 t. Damit liegt sie um fast 14 Prozent über der Vorjahresmenge.

Dieser Ertragszuwachs ergibt sich aus der Flächenzunahme und der deutlich höheren Ertragserwartung im Vergleich zum Vorjahr. Hält die wechselhafte regnerische Witterung weiter an (Stand: 20. Juli), müssten Ertragserwartungen von 80 bis 90 dt/ha jedoch nach unten korrigiert werden.

Bayern

"Unserer ersten Ernteumfrage zufolge liegt der Ertrag heuer eher über dem Durchschnitt der letzten Jahre, allerdings zeigen sich je nach Region deutliche Unterschiede“, sagte Anton Huber, Getreidereferent im Bayerischen Bauernverband, zu einer ersten Einschätzung der Ernte am 12. Juli. Mancherorts sei es zu trocken gewesen, allerdings habe die Wintergerste die Trockenheit relativ gut weggesteckt.

Angesichts der geringen Niederschläge sei aber auch der Krankheitsdruck in diesem Jahr geringer ausgefallen - bei Trockenheit sinkt die Anfälligkeit für Pilzkrankheiten.

Niedersachsen

Der Osten Niedersachsen hat von den Niederschlägen profitiert und in diesem Jahr die Beregnung weitgehend aussetzen können, im Westen war es eher trockener. Unter dem Strich schätzt das Landvolk nach Angaben von Jürgen Hirschfeld, dem Vorsitzenden im Ausschuss Getreide, den Ertrag auf durchschnittlich bis gut. Die Gesamternte könnte sich beim Winterweizen mit 3,5 Mio. t leicht über dem Vorjahreswert einpendeln, ähnliches trifft für den Roggen mit geschätzt 780.000 t zu.

Bei Wintergerste deuten die Prognosen etwas nach unten, die Gesamternte könnte 1 Mio. t erreichen, auch die Rapsernte wird eher verhalten eingeschätzt.

Rheinland-Pfalz

Die Ernte der Winter- und Sommergerste im südlichen Rheinland-Pfalz war Mitte Juli nahezu abgeschlossen. Laut BWV-Präsident Eberhard Hartelt gebe es sehr große Ertragsunterschiede zwischen und innerhalb der Regionen; insgesamt werde man eine leicht unterdurchschnittliche Ernte bei zufriedenstellenden Qualitäten einfahren.

Bei den frühen Getreidesorten hätte der mangelnde Regen in der sogenannten Kornfüllphase nicht so große Auswirkungen gehabt wie befürchtet.

Bundesgebiet

Auf der Grundlage der bisherigen Ernteergebnisse geht der Deutsche Bauernverband in seinem 1. Erntebericht im Bundesdurchschnitt von einem Wintergerstenertrag von knapp 7,3 Tonnen pro Hektar ( Vorjahr: 7,1 Tonnen pro Hektar) aus. Regional wurden jedoch sehr unterschiedliche Erträge verbucht, kritische Einflussfaktoren waren hier Bodengüte und Wasserhaltevermögen.

  • Bei einer Anbaufläche von knapp 1,24 Millionen Hektar Wintergerste (minus 2,3 Prozent gegenüber 2016) erwartet der DBV eine Wintergerstenernte von insgesamt 9,0 Millionen Tonnen, was der Vorjahresernte entspricht. Der Mittelwert der Jahre 2012 bis 2016 in Höhe von 8,7 Millionen Tonnen wird damit leicht übertroffen.
  • Die Qualitäten der Wintergerstenernte 2017, gemessen in Hektolitergewicht, liegen überwiegend im zufriedenstellenden Bereich (64 kg/hl bis 68 kg/hl), fallen aber örtlich auf teils deutlich unter 60 kg/hl ab.

Wenn neue Ergebnisse aus den einzelnen Bundesländern vorliegen, wird dieser Artikel aktualisiert.

Mit Material von DBV, Landesbauernverbände

Erntekarte Gerste 2017

Auch interessant