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Getreideaussaat

Wintergerste: Worauf es bei der Aussaat ankommt

Aussaat Wintergerste im Herbst
am Freitag, 26.08.2022 - 06:00 (1 Kommentar)

Viren, Ackerfuchsschwanz und Aussaatzeitpunkt: Was ist bei der Gerstenaussaat zu beachten? Ein Überblick.

Die Felder sind in diesem Jahr früh geräumt, als nächstes steht auf vielen Höfen die Aussaat an. Was ist bei der anstehenden Aussaat der Wintergerste zu beachten? Wie lässt sich das Getreide vor Unkräutern und Schädlingen schützen? Pflanzenschutzberater aus Baden-Württemberg geben Tipps für den erfolgreichen Start im Herbst. 

Achtung vor Blattläusen und Viren in der Wintergerste

Pflanzenbauliche Maßnahmen sind das Mittel der Wahl, um Infektionen mit Viren zu vermeiden. Blattläuse und Zikaden übertragen die Virusvektoren von Gerstenverzwergungsvirus (BYDV) und Weizenverzwergungsvirus (WDV).

Daher sind Grüne Brücken in der Umgebung zu beseitigen. Dazu zählen Gräser, Ausfallgetreide und auch Mais. Das Regierungspräsidium Stuttgart rät dazu, Ausfallgetreide zu entfernen und Wegränder zu mulchen, um Infektionen zu vermeiden.

Eine spätere Aussaat senkt das Risiko für Infektionen. Daher sollte die Aussaat aus Sicht des Pflanzenschutzes möglichst erst im Oktober erfolgen. Eine spätere Aussaat verbessert möglicherweise auch das aktuell knappe Wasserangeboten. Achten Sie auch auf abreifenden Mais in der Umgebung. Wenn möglich, sollten Sie mit der Gerstenaussaat bis nach der (Silo-)Maisernte warten, um Virusinfektionen zu verhindern.

Mosaikvirus im Boden

Das Gelbmosaikvirus (BaYMV) ist ein weiteres lästiges Virus in der Gerste. Ein Bodenpilz überträgt das Virus; im Gegensatz zu den beiden anderen Viren lässt es sich daher nicht durch pflanzenbauliche Maßnahmen verhindern.

Stattdessen sollten Sie auf resistente Sorten setzen. Resistenzen gegen BaYMV Typ 1 vermindern auch das Risiko einer Infektion mit Typ 2.

Ist die Fläche tatsächlich mit beiden Typen befallen, ist eine Sorte mit doppelter Resistenz empfehlenswert.

Ackerfuchsschwanz mit Falschem Saatbett täuschen

Eine spätere Aussaat hilft nicht nur gegen Viren, sondern auch gegen Ungräser: Normalerweise laufen Ackerfuchsschanz, Trespe und Windhalm parallel zum Getreide auf. Besonders in früh gesäter Wintergerste werden Ungräser zum großen Problem.

Pflanzenbauberaterin Annika Vetter aus Heilbronn rät, die Ungräser durch ein "Falsches Saatbett" zu täuschen. Dazu wird das Saatbett schon zwei bis vier Wochen vor der eigentlichen Aussaat bereitet.

Keimt der Fuchsschwanz, lässt er sich anschließend mit Kreiselegge oder Feingrubber bekämpfen. Das funktioniert aber nur, wenn ausreichend Feuchtigkeit zum Keimen da ist. Das könnte in diesem Jahr zum Knackpunkt werden. Falls es in diesem Herbst noch nass wird, sollten Sie lieber auf Glyphosat setzen.

Anschließend wird die Hauptkultur ohne weitere Bodenbearbeitung gedrillt oder eingeschlitzt.

Wirkstoffklassen gegen Resistenzbildung wechseln

Soll bei der Bekämpfung der Schadgräser ein Herbizid eingesetzt werden, sind folgende Schadschwellen zu beachten:

  • Windhalm 20 Pflanzen/m² 
  • Ackerfuchschwanz 30 Pflanzen/m² 

Trespen sind in der Gerste nicht chemisch bekämpfbar. Um die drängende Resistenzproblematik nicht weiter zu verschärfen, ist ein regelmäßiger Wechsel bei den Wirkstoffklassen nötig. Sie lassen sich mithilfe der Aufzeichnungen nachhalten.

Herbizide wirken am besten im Vorauflauf. "Wenn die Bodenherbizide im Nachauflauf eingesetzt werden, muss die Anwendung möglichst frühzeitig, spätestens jedoch im 1-Blattstadium erfolgen", sagt Pflanzenschutzberater Friedrich Merz vom Regierungspräsidium Stuttgart. 

Hier eignen sich beispielhaft folgende Herbizide: Pontos bzw. Quirinus ( Picolinafen + Flufenacet) sind in diesem Herbst noch bis zum 31. Oktober zugelassen. Außerdem eignet sich Mateno Duo (Diflufenican + Aclonifen). Aclonifen war früher nur beim Mittel Bandur im Kartoffelbau verfügbar und könnte zusätzliche Wirkung gegen Ackerfuchsschwanz bringen.

Mit Material von Regierungspräsidium Stuttgart, Landratsamt Heilbronn, Neckar-Odenwald-Kreis
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