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Getreide

Winterweizen: Frostschaden treibt Preise hoch

© krick/agrar-press
von , am
06.02.2012

Der Kälteeinbruch am Schwarzen Meer und in weiten Teilen Europas hat für die höchsten Weizenpreise seit sieben Monaten gesorgt. Die Angst vor Auswinterungsschäden in den wichtigsten Anbauregionen wächst.

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Vorausgegangen war dem Kälteeinbruch ein trockener Herbst und sowie ein bis dahin meist sehr milder Winter. Das Wachstum des Wintergetreides war schon relativ weit fortgeschritten und weder in den Schwarzmeerländern noch in Nord- und Westeuropa war ausreichend Schnee zum Schutz der Wintersaaten vorhandenen.
 
Erste Schätzungen aus den Schwarzmeerländern gehen wegen der geringen Schneebedeckung und den sehr niedrigen Temperaturen von beträchtlichen Frostschäden aus. Ein Ende der Frostperiode von teilweise mehr als 20 Grad Minus ist noch nicht abzusehen.

Russland: Auswinterungsschäden von 15 Prozent

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Für den russischen Winterweizen rechnet der US-Wetterdienst Commodity Weather Group (CWG) auf Basis von Satellitenbeobachtungen Anfang Februar mit Auswinterungsschäden von etwa 15 Prozent beim Winterweizen und 20 Prozent bei der Wintergerste. Allein beim Weizen ist eine Fläche von fast zwei Millionen Hektar betroffen. In den letzten drei Jahren wurden in Russland zwischen 25,5 und 28,7 Millionen Hektar Weizen angebaut. Etwa die Hälfte dieser Fläche (13 bis 14 Millionen Hektar) wurde mit Winterweizen bestellt.
 
Die Hauptanbaugebiete liegen in Südrussland (östlich vom Schwarzen Meer), im Wolgadistrikt und im südlichen Zentralrussland. Hier wachsen rund 70 Prozent des russischen Winterweizens. Wegen der deutlich höheren Erträge liefert der Winterweizen zwei Drittel der gesamten russischen Weizenernte. Ein Ausgleich möglicher Frostschäden durch den Ausbau des Sommerweizenanbaus ist deshalb nur bedingt möglich.
 
In den letzten Jahren lagen die Auswinterungsschäden bei Winterweizen in Russland zwischen fünf und zehn Prozent.
 
Ernteaussichten und Unwetterschäden: So war's im Juni
Ukraine am härtesten betroffenen
 
Besonders hart hat der Frosteinbruch die Ukraine getroffen. Hier befand sich nach Angaben des Ministeriums ohnehin schon knapp ein Drittel des Winterweizens in sehr schlechtem Zustand. Grund war die lang anhaltende Trockenheit im letzten Herbst. Hinzu kam jetzt der Kälteeinbruch, in Verbindung mit der in weiten Teilen des Landes fehlenden oder sehr dünnen Schneedecke. Vor diesem Hintergrund hält der US-Wetterdienst Commodity Weather Group (CWG) Auswinterungsschäden von bis zu 33 Prozent für möglich. Bei einer Winterweizenfläche von rund 6,5 Millionen Hektar wären dies immerhin gut zwei Millionen Hektar. Bereits zuvor hatten staatlichen Stellen auf rund 15 Prozent der Fläche mit dem Umbruch sowie dem Anbau von Sommergetreide (Gerste, Mais) gerechnet.
 
Der Anbau von Sommerweizen spielt in der Ukraine (anders als in Russland) kaum eine Rolle. Sollten sich die bisherigen Schätzungen bestätigen, hätte dies erhebliche Auswirkungen auf die kommende ukrainischen Weizenernte und die Exportmöglichkeiten.
 
Dauerfrost auch in Europa
 
In weiten Teilen Süd- und Nordeuropas herrschen derzeit ebenfalls extrem niedrige Temperaturen. Aus wichtigen Weizenbauregionen wie Rumänien, Frankreich, Deutschland, Polen und auch aus dem Vereinigten Königreich wurde zuletzt Dauerfrost bei geringer oder fehlender Schneedecke gemeldet. In diesen Ländern halten Wetterdienste derzeit ebenfalls Auswinterungsschäden beim Winterweizen von regional bis zu 15 Prozent für möglich. Noch stärker betroffen könnten Gerste und Raps sein.
 
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