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Preisexplosion bei Düngemitteln

Wirbel um Verkauf des Düngemittelherstellers Borealis

Werksgelände des Kunststoff- und Düngerherstellers Borealis
am Mittwoch, 13.07.2022 - 15:04 (3 Kommentare)

Am geplanten Verkauf des teilstaatlichen Düngergeschäfts von Borealis hagelt es Kritik. Dabei handelt es sich um die letzte Stickstoffproduktion in Österreich. Inzwischen ist ein Kartellanwalt eingeschaltet.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrags haben wir berichtet, der teilstaatliche österreichische Düngemittelkonzern Borealis hätte ein aktuelles Angebot des russischen Konzerns Eurochem erhalten. Das entspricht jedoch nicht dem aktuellen Stand der Verkaufsverhandlungen.

Richtig ist, dass Eurochem dieses Angebot bereits im Februar 2022 abgegeben hat. Es umfasste das Stickstoffgeschäft von Borealis, das die Bereiche Pflanzennährstoffe, Melamin und technische Stickstoffprodukte beinhaltet. Der gebotene Preis soll 455 Mio. Euro betragen haben. Der Krieg in der Ukraine ließ das Geschäft jedoch platzen.

Borealis hat Kaufangebot durch Russen abgelehnt

Borealis hatte das Kaufangebot durch Eurochem bereits am 10. März 2022 abgelehnt. Eurochem gehört dem russischen Oligarchen Andrei Melnitschenko, beziehungsweise seit 9. März 2022 dem Vernehmen nach seiner Frau.

Unter Landwirten in Österreich gab es im Februar heftige Proteste gegen mögliche Verkaufspläne nach Russland. Die Muttergesellschaft von Borealis ist die Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft (ÖMV).

Neues Angebot aus Tschechien: Agrofert kauft Borealis

Am 2. Juni 2022 gab Borealis bekannt, dass es mit Agrofert einen neuen Kaufinteressenten gebe. Der tschechische Chemiekonzern Agrofert wurde vom früheren Ministerpräsidenten Andrej Babis gegründet und ist heute der größte private Arbeitgeber Tschechiens. Zu dem Unternehmen gehören in Deutschland der Düngemittelhersteller SKW Piesteritz und die Brotfabrik Lieken AG.

Agrofert hat 810 Mio. Euro für Borealis geboten, das Geschäft soll in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 abgeschlossen sein. Der Agrofert-Konzern hat im Jahr 2021 mit mehr als 200 Unternehmen und 31.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 7,5 Mrd. Euro erwirtschaftet.

Niederösterreichischer Bauernbund schaltet Kartellanwälte ein

Auch dieses konkrete Kaufangebot löste unter den österreichischen Landwirten Widerstand aus. Der niederösterreichische Bauernbund hat nun deutsche Kartellanwälte eingeschaltet, um den Kauf durch Agrofert zu prüfen.

Von Bauernbund-Obmann Stephan Pernkopf und Direktor Paul Nemecek heißt es: „Aufgrund der Größe des geplanten Deals hat die EU hier das Recht und viel mehr auch die Pflicht, den Verkauf äußerst kritisch unter die Lupe zu nehmen. Wir pochen darauf, dass die Interessen der Bäuerinnen und Bauern als Garanten der Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln gewahrt und ernst genommen werden müssen.“

Borealis verschwindet mit dem Verkauf der Düngesparte nicht vom Markt. Die Gruppe will sich „auf seine Kernaktivitäten konzentrieren“, wie es in einer Pressemitteilung heißt, „nämlich die Bereitstellung innovativer und nachhaltiger Lösungen in den Bereichen Polyolefine und Basischemikalien sowie den Wandel zu einer Kreislaufwirtschaft.“

Mit Material von Borealis
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