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Getreideernte

Wucherndes Unkraut im Getreide: Wann ist Sikkation erlaubt?

Erntereifer_Weizen_Ackerwinde
am Dienstag, 30.06.2020 - 11:20 (Jetzt kommentieren)

Zwiewuchs und Unkraut stören in diesem Jahr vielerorts die anstehende Ernte. Wann sind Herbizide noch zur Erleichterung erlaubt?

In diesem Jahr gibt es wegen der Witterungsbedingungen in vielen Getreidebeständen Probleme mit ungleichmäßiger Abreife. In der Gerste, teilweise auch in Weizen und Triticale, tritt wegen des späten Regens Zwiewuchs auf.

Die Unkräuter sind wegen der Trockenheit erst spät aufgelaufen, sodass keine Herbizidbehandlung mehr möglich war. All das bereitet große Probleme bei der Ernte. Viele Landwirte beschäftigt daher im Moment die Frage, ob eine Herbizidbehandlung vor der Ernte noch möglich ist.

Wann dürfen Sie noch Glyphosat einsetzen?

Doch auch wenn die Bestände schwer abtrocknen und nicht leicht zu beernten sind, ist Sikkation mit glyphosathaltigen Mitteln nur noch in zwei Fällen zulässig:

  1. Starker Zwiewuchs, sowohl in lagernden und stehenden Beständen,
  2. Unkrautdurchwuchs in lagerndem Bestand.

In beiden Fällen muss der Zustand so schlimm sein, dass der Drusch unmöglich ist. Selbst dann ist nur eine Teilbehandlung der Flächen erlaubt. Blühen im Bestand Unkräuter, ist der Einsatz von Glyphosat wegen möglicher Rückstände im Honig komplett verboten.

Die Wartezeit vor der Ernte beträgt 7 bis 14 Tage. In der Gerste ist es daher häufig ohnehin zu spät für die Behandlung.

Was ist die Alternative zur Sikkation?

Nach Angaben des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Eifel (DLR) wird die Wirkung des Herbizids auf den Erntezustand häufig überschätzt. In der Regel dauere es bei starker Verunkrautung länger als die 14 Tage Wartezeit, bis das Unkraut und Getreidegrün abgestorben und abgetrocknet seien. Stattdessen erhöhe sich das Risiko von Schäden durch Halm- und Ährenknicken im Getreide.

Die Berater aus Rheinland-Pfalz empfehlen bei Zwiewuchs, die grünen Körner mithilfe eines Windsichters zu entfernen oder im Lager Propionsäure einzusetzen.

Was ist bei der Vermarktung zu beachten?

Führen Sie dennoch eine Herbizidbehandlung durch, müssen Sie bei der Vermarktung des Ernteguts einiges beachten: Saatguterzeuger und Anbauer von Braugetreide dürfen generell keine Sikkation durchführen. Das Stroh darf auch nicht als Kultursubstrat, zum Beispiel für Champignons, verwendet werden.

Planen Sie, das Getreide zu vermarkten, sollten Sie Mühle oder Landhandel vor der Maßnahme kontaktieren.

Mit Material von DLR Eifel, Landwirtschaftsamt Donaueschingen

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