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Getreide

Warum wurden einige Weizen- oder Gerstenpflanzen gelb?

von , am
11.07.2012

Eine gelbe Verfärbung kann verschiedene Ursachen haben - Nährstoffmangel, Bodenstrukturschäden, Herbizideinsatz, Witterung oder Insekten.

Im zeitigen Frühjahr konnten die stark verzwergten und gelb-gefärbten Blattspreiten in zahlreichen Weizenbeständen beobachtet werden. Die Pflanzen waren nesterweise angeordnet. Im späteren Verlauf starben diese Pflanzen häufig ab.
 
Die Laboruntersuchungen bestätigten, dass es sich um Virus handelt. Hauptsächlich wurde das Weizenverzwergungsvirus (WDV) nachgewiesen. Außerdem spielt das Gelbverzwergungsvirus der Gerste (BYDV) eine große Rolle. Ein Befall mit Verzwergungsviren ist in allen Getreidearten möglich. Insekten müssen als Virusüberträger im Getreide beachtet werden.
 
Neben den Verzwergungsviren gibt es verschiedene Mosaikviren. Die Virusübertragung der Mosaikviren findet über Bodenpilze statt.

Herbst und Frühjahr haben das Auftreten von Viren begünstigt

Nach dem milden und langen Herbst konnte mit einem höheren Auftreten von Viren gerechnet werden. Jedoch wurden nur wenige Blattläuse beobachtet, Zikaden sind schlecht erkennbar. Die Bedingungen für eine Lebendüberdauerung und Sekundärinfektion bis Januar waren gut. Außerdem war das trockene, warme Frühjahr vorteilhaft für eine Verbreitung des Virus. Zu Beginn des Frühjahrs wurden die Symptome nur vereinzelt wahrgenommen, häufig wurden Auswinterungsverluste diskutiert.
 
Die Laboruntersuchungen sind jedoch eindeutig. In einigen Beständen sind Schäden auch durch eine Spätinfektion erkennbar. Eine Spätinfektion an Weizen und auch Hafer geht häufig mit einer roten Verfärbung des Fahnenblattes einher. Besonders in Frühsaaten und speziellen Sorten ist der Befall in Weizen und Gerste stärker aufgetreten. Blattläuse werden immer noch in großen Massen beobachtet.
 
Zikaden übertragen Weizenverzwerungsvirus
 
Das Weizenverzwergungsvirus (WDV, wheat dwarf virus) wird durch nur einen Vektor, der Zwergzikade (Psammotettix alienus), übertragen. Das Virus ist im Phloem der gesamten Pflanze verteilt. Es sind alle Getreidearten anfällig. In diesem Frühjahr wurde es besonders an Winterweizen festgestellt. Die Zikaden sind sehr mobil und nur schlecht erkennbar. In warmen Jahren können Zikaden bis zu drei Generationen haben.
 
Blattläuse übertragen Gelbverzwerungsvirus
 
Verschiedene Blattlausarten sind für die Übertragung des Gelbverzwergungsvirus der Gerste (BYDV, barley yellow dwarf virus, auch Gerstengelbverzergungsvirus) verantwortlich. Es sind alle Getreidearten anfällig. Eine "mit Virus beladene" Blattlaus kann zeitlebens das Virus übertragen (persistente Übertragung).
 
Bestände jetzt kontrollieren
 
Nun ist es wichtig, die eigenen Bestände auf Virusbefall und den Blattlausbesatz zu kontrollieren. Mit Beginn der Getreideabreife suchen sich die Insekten eine andere Virusquelle (beispielsweise Mais, Hecken, Ausfallgetreide, warme und windgeschützte Lagen).Besonders nach der Maisernte in der unmittelbaren Nachbarschaft sind die jungen Getreidebestände im Herbst stark gefährdet.
 
Welche für Bekämpfungsmöglichkeiten gibt es?
 
Die Aussichten sind nicht rosig. Ein späterer Aussaatzeitpunkt oder spezielle Sorten können etwas vorbeugen. Seitdem die Insektizidbeizen keine Zulassung mehr haben, ist die Bekämpfung schwierig. Jedoch ist von einem starken Herbstbefall auszugehen. Die Blattläuse sind gut erkennbar und somit ist der Einsatz von Insektiziden im Herbst möglich. Das Erkennen der Zikaden beziehungsweise deren Bekämpfung zum optimalen Anwendungszeitpunkt ist außerordentlich schwierig. 
 
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