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Düngegesetze

Zwischenbilanz Düngeverordnung: Nicht voreilig nachbessern

Büroarbeit
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Karl Bockholt, agrarheute
am
08.01.2019

Seit Mitte 2017 gilt das neue Düngerecht. Es verlangt von Landwirten, Beratern und Behörden viel Schreibkram. Neue Daumenschrauben und mehr Bürokratie lehnt der Berufsverband ab. Zumal die Tierbestände längst sinken.

Die Landwirte müssen immer mehr Details bei den neu zu erstellenden Berechnungen und Dokumentationen berücksichtigen. Sie sind „mit sehr viel Akribie und gewissenhaft" dabei, die neuen Vorgaben der Düngeverordnung umzusetzen, sagt Niedersachsens Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke.

Nachbessern jetzt nicht erforderlich

Die gerade wieder aufkeimende Diskussion um ein erneutes Drehen an den Stellschrauben bezeichnet er als „übereilt“. Seine Forderung: „Julia Klöckner sollte die vor einem Jahr nach heftigen Diskussionen beschlossene Düngeverordnung jetzt erst einmal wirken lassen.“

Dabei erwartet der Berufsstand von der Bundesregierung eine überzeugende Argumentation für die EU-Kommission. Die hatte auf Basis der überholten Düngegesetzgebung von 2007 eine Klage gegen Deutschland wegen Nichtbeachtung der EU-Nitrat-Richtlinie angestrengt. Die neue Düngegesetzgebung von 2017 hat dieser Klage die rechtliche Grundlage entzogen.

Auf absolutes Unverständnis stoßen Äußerungen aus Berlin, wonach bereits nach einem Jahr, also noch in der Umsetzungsphase, über „Nachbesserungen“ der Regeln nachgedacht wird.

Mineraldüngerkauf auf historischem Tiefstand

Gleichzeitig wird Gülle immer effizienter eingesetzt. Die Landwirte minimieren den Einsatz von Mineraldünger, um Nährstoffüberschüsse zu reduzieren. Allein in Niedersachsen verringerte sich der Großhandelsabsatz von Stickstoffdüngern gegenüber dem Vorjahr auf Landesebene um 15 Prozent. Bundesweit sind es aktuell neun Prozent, Tendenz weiter fallend.

Mit Investitionen in Lagerraum, Gülleaufbereitung und Ausbringungstechnik sind die Betroffenen derzeit intensiv dabei, die Zielmarken einzuhalten. Diese Anstrengungen müssen Bundesregierung und EU-Kommission anerkennen. So gilt, zunächst die Ergebnisse zu bewerten. Erst wenn die Bilanz enttäuscht, ist über Nachbesserungen nachzudenken.

Tierbestände sinken bereits bundesweit

Die Tierhaltung sinkt bereits. Nach der jüngsten amtlichen Viehzählung hat etwa der Bestand an Schweinen in Deutschland mit 26,44 Mio. Tieren zum Stichtag 3.11.2018 den niedrigsten Stand seit 2004 erreicht. Damit geht das Aufkommen an Wirtschaftsdüngern zurück.

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Schweinebestand um 1,14 Mio. oder 4,1 Prozent gesenkt. Bei den Rindern wurden 332.000 Tiere oder 2,7 Prozent weniger gezählt als im Jahr zuvor. Bei den Zuchtsauen sank die Zahl derTiere um 3,8 Prozent auf 1,83 Mio. 

Auf 18.337 Höfen bundesweit wurden im November 2018 noch Zuchtsauen gehalten. Jeder Zehnte davon lag in Niedersachsen. 5.500 Landwirte in dem Bundesland hatten auf ihren Höfen Schweine im Stall. Die Zahl der Schweine verringerte sich dort um 3,8 Prozent auf 8,385 Mio.

Bei den Rindern gab es ein Minus von 2,4 Prozent auf 2,542 Mio. Tiere, darunter waren 849.000 Milchkühe. So hat auch der Rinderbestand einen deutlich niedrigeren Stand erreicht als von wenigen Jahren. Er wird mit 11,95 Mio. bundesweit als historisch niedrig bewertet.

Immer mehr bürokratische Auflagen führen zum Ausstieg

Tierhalter geben viele Gründe an für ihre Entscheidung zum Ausstieg. So ermittelte das Thünen-Institut im Sommer neben Veränderungen im Fleischverzehr eine ganze Reihe von neuen Anforderungen. 

Dazu zählen beispielsweise die Vorschriften der neuen Düngeverordnung, das Verbot der betäubungslosen Kastration, dessen Aufschub intensiv debattiert wird, der Verzicht des Kupierens von Ringelschwänzen sowie die Auflagen für Sauen in Kastenständen. 

Die Tierhalter vermissen klare Aussagen, wie sie sich auf diese neuen Anforderungen einstellen sollen. Ehe sie ihre Ställe mit hohen Investitionssummen umbauen, wählen sie oft lieber den Ausstieg. Zumal auch für Baugenehmigungen große Hürden zu bewältigen sind.

Mit Material von Landvolkverband Niedersachsen, LPD
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