Login
Allgemeines

Getreideernte: Zwölf Prozent kleiner als im Vorjahr

von , am
11.08.2010

Berlin - Der Deutsche Raiffensverband hat seine Ernteschätzung noch einmal abgesenkt. Ging der DRV im Juli noch von einer um acht Prozent geringeren Getreideernte aus, sind es inzwischen zwölf Prozent.

Die aktuelle Ernteschätzung des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) weist eine im Vergleich zum Vorjahr zwölf Prozent geringere Getreideernte von 43,7 Millionen Tonnen aus. Angesichts der Hitzewelle im Juli wurden zeitweise erheblich höhere Ertragseinbußen befürchtet.

Getreide: 6,6 t/ha

Bei weitgehend abgeschlossener Gerstenernte mit befriedigenden Erträgen und guten Qualitäten fallen die bisherigen Druschergebnisse bei Weizen, Roggen, Triticale und Sommergerste qualitativ und quantitativ äußerst heterogen aus. Der DRV erwartet mit durchschnittlich 6,6 t/ha etwa acht Prozent niedrigere Erträge und insgesamt eine Erntemenge von 43,7 Millionen Tonnen Getreide. Das Ergebnis des Vorjahres (49,7 Millionen Tonnen) wird um zwölf Prozent oder sechs Millionen Tonnen verfehlt. Der Getreidebedarf in Deutschland wird auf etwa 40 Millionen Tonnen veranschlagt und ist damit mehr als gedeckt.

Raps: Durchschnittsertrag von 3,8 t/ha

Auch die Rapserträge und Qualitäten werden vom DRV schlechter beurteilt als im Vorjahr. Erwartet wird ein Durchschnittsertrag von 3,8 t/ha. Dies wären im Vergleich zu den Rekorderträgen 2009 knapp zwölf Prozent weniger je Hektar Anbaufläche. Die Erträge liegen damit etwa auf dem durchschnittlichen Fünfjahresniveau, allerdings sind dieses Jahr etwas geringere Ölgehalte festzustellen. Der DRV errechnet für Deutschland eine Rapsernte von 5,6 Millionen Tonnen. Im Vorjahr wurden mit 6,3 Millionen Tonnen bundesweit rund elf Prozent mehr geerntet.

DRV: Regionale Schäden nicht auszuschließen

Neben den turbulenten Preisentwicklungen strapaziert das zuletzt sehr unbeständige Sommerwetter mit heftigen Niederschlägen die Nerven im Getreidehandel erheblich. Der DRV befürchtet qualitative Beeinträchtigungen, sollte die feuchtwarme Witterung anhalten und den Fortgang der Ernte weiter verzögern. Insbesondere bei Weizen sind regional eine Schädigung der Backqualität und entsprechende Abwertungen zum Futtergetreide nicht auszuschließen. Die Versorgung der Mühlen in Deutschland ist auf jeden Fall gesichert, lediglich für den Export steht nicht so viel hochwertiger Weizen zur Verfügung wie im Vorjahr.

Keine Preisverwerfungen durch Interventionsverkäufe riskieren

Der DRV erteilt Forderungen der europäischen Mischfutterhersteller nach kurzfristigen Verkäufen von Gerste aus Interventionsbeständen eine klare Absage. Bevor eine solche Entscheidung getroffen wird, sollten solide Zahlen zur Erntesituation aus den anderen EU-Mitgliedstaaten abgewartet werden. "Bislang zeigen die fundamentalen Daten keine Knappheit an Futtergetreide. Kurzfristige administrative Markteingriffe würden nur weitere unkalkulierbare Preisverwerfungen auslösen", stellt Dr. Henning Ehlers vom Deutschen Raiffeisenverband fest. (pd)

Auch interessant