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Streit um Wiederzulassung

Glyphosat: Drei Knackpunkte der weiteren Zulassung

Michael Schulte, Georg-August-Universität Göttingen
am
10.06.2016

Bislang gibt es keine Entscheidung über die weitere Zulassung des herbiziden Wirkstoffs Glyphosat. Das dlz agrarmagazin rechnet vor, welche ökonomischen Folgen ein Verbot je nach Betrieb hätte.

Sollte sich die EU auf eine weitere Neuzulassung des Wirkstoffs Glyphosat einigen, ist mit Restriktionen zu rechnen. Der öffentliche Diskurs der vergangenen Monate zeigt, dass Anwendungsstrategien erarbeitet werden müssen, die sowohl von den Landwirten als auch von der Gesellschaft mitgetragen werden.

Im Einklang mit dem Nationalen Aktionsplan zum nachhaltigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln stehen folgende Punkte zur Diskussion:

1. Einsatzhäufigkeit absenken

Im Hinblick auf den integrierten Pflanzenschutz besteht auch bei der Applikation von Glyphosat Optimierungsbedarf. Der routinemäßige Einsatz des Herbizids mit dem alleinigen Ziel, Maschinen- und Arbeitskräfte einzusparen, kann dabei keine zukunftsfähige Strategie darstellen.

Vielanwender von Glyphosat müssen daher ihre Ackerbaustrategie überdenken. Hiervon sind besonders die fast ausnahmslos stark rationalisierten Betriebe in Ostdeutschland (mit beispielsweise 0,6 Arbeitskräften (AK) je 100 ha) betroffen. Aber auch kleine und mittlere Betriebe im übrigen Bundesgebiet haben ihre Bewirtschaftungsform zum Teil stark auf den Wirkstoff abgestimmt.

Glyphosat sollte jedoch als Ergänzung zu ackerbaulichen Maßnahmen, wie der Bodenbearbeitung oder der Wahl eines pflanzenbaulich sinnvollen Saattermins, eingesetzt werden und nicht umgekehrt.

2. Vorernte nur als Ausnahme

Ist die Vorerntebehandlung wirklich unverzichtbar? Berechnungen und Befragungen zeigen, dass der ökonomische Wert landläufig deutlich überschätzt wird. Zum einen ist nur eine Teilflächenbehandlung möglich, zum anderen ist für den Fall der Anwendung der Ertragsverlust ohnehin nicht mehr vollends zu vermeiden, weil das Kind sprichwörtlich "bereits in den Brunnen gefallen ist".

Zugleich zeigt sich, dass nur eine geringe Akzeptanz der Vorerntebehandlung mit Glyphosat sowohl seitens der Bevölkerung als auch seitens eines Teils der Landwirte gegeben scheint.

Als Alternative zum vollständigen Verbot könnten Ausnahmegenehmigungen für Extremjahre in Betracht gezogen werden, um den Einsatz weiter zu minimieren.

3. Greening kontraproduktiv

Im März 2017 wird es einen ersten Zwischenbericht zum Greening geben. Die Analysen zum Glyphosateinsatz deuten darauf hin: Die Erfüllung durch Zwischenfrüchte könnte den Einsatz von Glyphosat erhöhen, besonders angesichts der zunehmend milderen Winter. Dann wird der Wirkstoff zur Beseitigung der Zwischenfrüchte genutzt.

Mit Blick auf die angestrebte Reduzierung der Einsatzmengen ist diese agrarpolitische Maßnahme daher kontraproduktiv.

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