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US-Prozess

Glyphosat-Prozess: Roundup "wesentlicher Faktor" für Krebs

Glyphosat-Kanister auf einem abgespritzten Feld
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Klaus Strotmann, agrarheute
am
20.03.2019
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Die Krebserkrankung eines US-Privatanwenders hängt mit Glyphosat zusammen, sagt ein US-Gericht. Hat Monsanto Wissen verheimlicht? Diese Frage soll im zweiten Teil des Verfahrens geklärt werden.

Im US-Prozess eines Glyphosat-Anwenders gegen die Bayer-Tochter Monsanto hat das Unternehmen eine erste Niederlage hinnehmen müssen.

Die Geschworenenjury in San Francisco hat im ersten Teil des Prozesses befunden, dass es einen Zusammenhang gebe zwischen der Krebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman und seiner Verwendung von Roundup. Das Herbizid sei ein „wesentlicher Faktor“ für seinen Lymphdrüsenkrebs.

26 Jahre Glyphosat privat eingesetzt

Nach Angaben von Hardemans Anwältin sei ihr Mandant dem Pflanzenschutzmittel stark ausgesetzt gewesen, er habe das Totalherbizid über 26 Jahre mehr als 300 Mal angewendet.

Die Bayer-Anwälte halten dagegen, die Ursache sei nicht zu klären und andere Risikofaktoren wie sein hohes Alter und eine Erkrankung an Hepatitis seien zu berücksichtigen. Der Kläger hat das Präparat nicht beruflich, sondern privat eingesetzt.

Zweite Phase: Hat Monsanto Gefahren verheimlicht?

Der Hardeman-Prozess geht nun in eine zweite Phase, in dem es um die Verantwortung von Monsanto geht. Der Kläger will dem Unternehmen nachweisen, es habe von den Gefahren des Mittels gewusst, sie aber verheimlicht. Monsanto habe zudem versucht, Einfluss auf Wissenschaftler und Behörden zu nehmen, so die Anklage.

Vom Ausgang des zweiten Verfahrensteils hängt auch die Frage nach einem Schadensersatz ab, und letztlich dessen Höhe.

Bayer: „Kein Einfluss auf kommende Fälle“

Die Bayer AG zeigt sich enttäuscht über den ersten Teil des Hardeman-Verfahrens. „Das Unternehmen ist weiterhin fest davon überzeugt, dass die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide keinen Krebs verursachen“, heißt es dazu aus der Konzernzentrale in Leverkusen.

Bayer betont, die Entscheidung der Jury in der ersten Phase des Prozesses habe keinen Einfluss auf künftige Fälle, die separat zu betrachten seien.

„Leithammel“-Verfahren als Blaupause für weitere Prozesse

Das Verfahren am Federal Court of the Northern District of California ist insofern brisant, weil es als sogenannter „Bellwether Case“ (Leithammelverfahren) behandelt wird. Im US-Recht sind damit Musterprozesse in Massenverfahren gemeint. Deren Ergebnisse sind nicht bindend für folgende Verfahren, zeigen aber eine Richtung auf.

Mehrere dieser repräsentativen Prozesse sind derzeit anhängig. Sie sollen den Streitparteien helfen, Schäden und das Ausmaß von Schadensersatzansprüchen weiterer Klagen besser abschätzen zu können.

11.200 weitere Klagen

Allein an besagtem Gericht in San Francisco sind 760 weitere Klagen angemeldet, USA-weit sind es insgesamt 11.200.

Dass die Zahl an Klagen so groß ist, hängt mit dem US-Rechtssystem zusammen: Um zu klagen, reicht ein einfach formulierter Anfangsverdacht, ohne dass zunächst Nachweise erbracht werden müssen.

US-Rechtssystem: „Man kann viel Geld machen und es kostet nichts“

Für den Kläger entstehen keine Kosten und Rechtsanwälte werden erst bezahlt, wenn sie den Prozess gewinnen. Gleichzeitig sind enorme Schadensersatzzahlungen möglich, an denen die Anwälte beteiligt werden.

„Man kann als Kläger viel Geld machen und es kostet nichts“, erklärt US-Anwalt Mark Behrens, der mit den Monsanto-Fällen vertraut ist. „Die Anwälte nutzen dabei die Kläger als Vehikel. Der Anwalt ist ein Investor, weil er kein Geld bekommt, bis er gewinnt.“

Jurys in Kalifornien gelten als besonders klägerfreundlich, daher sind viele Anträge dort gestellt worden.

Weitere Prozesse noch im März

Neben dem Fall Hardeman startet in diesen Tagen die Klage von Alva und Alberta Pilliod am California State Court. Auch dieses ältere Ehepaar hat Roundup jahrelang privat eingesetzt, beide sind an Krebs erkrankt.

Im August war dem Krebspatienten Dewayne Johnson in einem weiteren Verfahren bereits Schmerzensgeld in Höhe von 289 Mio. Dollar zugesprochen worden. Die Strafe gegen Bayer wurde zwar später auf gut 78 Mio. Dollar gesenkt, aber im Grundsatz wurde das Urteil nicht geändert.

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