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Pflanzenschutzmittel

Glyphosat: Jetzt spricht ein Praktiker

Landwirt Philipp Hansen
© ah/NDR
von , am
10.11.2017

Seit Monaten keine Bewegung in der Diskussion um Glyphosat. Jetzt erklärt ein Praktiker aus Schleswig-Holstein, warum er um den Wirkstoff nicht herumkommt.

Die Diskussion um Glyphosat nimmt kein Ende, Brüssel dreht sich seit eineinhalb Jahren im Kreis. Deutschland ist dabei nach wie vor das Zünglein an der Waage.

Letztlich geht es um die interne Uneinigkeit in der Bundesregierung: Noch-Landwirtschaftsminister Schmidt, der sich dafür ausspricht, auf Basis der vorhandenen Gutachten für eine Zulassung zu stimmen. Noch-Bundesministerin Hendricks lehnt dagegen jede Zulassungsverlängerung des Wirkstoffs ab.

Zoff zwischen Schmidt und Hendricks

Der Ton zwischen den Ministerien in Berlin wird rauher, nachdem Schmidt eine dreijährige Zulassung nach Brüssel vorgeschlagen hat. Das soll Zeit geben, die sinnvoll für eine künftige Bewertung des Wirkstoffs genutzt werden soll.

Der Privatgebrauch könnte beispielsweise komplett verboten, das Bewertungsverfahren soll überprüft werden. Hendricks moniert, der Brief an Kommissar Andriukaitis sei nicht mit ihr abgesprochen.

Kommentar: Mehr Zeit, aber die dann sinnvoll nutzen

agrarheute-Redakteur Klaus Strotmann
agrarheute-Pflanzenbauredakteur Klaus Strotmann © Thomas Plettenberg

Schmidts Vorschlag scheint sinnvoll – oder jedenfalls der einzige Weg aus der vollkommen verfahrenen Situation, wenn man den Wirkstoff denn irgendwie halten will.

Auch wenn die Berichte aus Brüssel immer mehr an das Geschachere auf einem Basar erinnern. An die ursprüngliche Neuzulassung von üblichen 10 Jahren glaubt keiner mehr, in der Diskussion standen auch mal 7 und dann 5 Jahre. Nun also 3. Oder eben auch nicht.

Politiker, seht mal aus dem Fenster!

Liebe Politiker in Berlin und Brüssel, wie wäre es, sich mal mit denen zu unterhalten, die täglich auf dem Acker unterwegs sind? Die einen Sachkundenachweis besitzen, um Pflanzenschutzmitteln einsetzen zu dürfen? Die das größte Interesse daran haben, ihren Boden fruchtbar und die Pflanzen gesund zu halten?

Seht mal aus dem Fenster, liebe Bedenken- und Entscheidungsträger. Ihr ärgert Euch über Regenflecken auf dem Anzug, die Ackerbauern haben ganz andere Probleme. Die Saat kann diesen Herbst vielfach nicht rechtzeitig in den Boden, Fruchtfolgen müssen umgestellt werden, obwohl das Saatgut gekauft ist und bereitsteht.

"Ich bin Landwirt und kein Toxikologe"

Philipp Hansen, Landwirt aus Maasbüll in Schleswig-Holstein, bringt es in diesem NDR-Video auf den Punkt: Mit einer Stoppelbearbeitung, die sonst üblich ist, hätte er in diesen Wochen seinen Acker kaputt gefahren. Glyphosat war in diesem Fall die einzige Möglichkeit, den Weizenacker unkrautfrei zu bekommen. Ohne das Mittel wäre er jetzt nicht mehr konkurrenzfähig.

Kein Landwirt setzt Dünger, Pflanzenschutz- oder andere Betriebsmittel unüberlegt ein. Weil es um Geld geht und um die wichtigste Produktionsgrundlage – den Boden.

Dass der Einsatz dieser Mittel sicher ist, das erwartet Philipp Hansen: „Ich bin Landwirt und kein Toxikologe. Ich vertraue darauf, dass es Wissenschaftler und Organisationen gibt, die das abprüfen: Gibt es ein Risiko, wie hoch ist es und ist es vertretbar?“

Stoppelbearbeitung: Aktuelle Kurzscheibeneggen im Überblick

Pöttinger Terradisc
Pöttinger Terradisc: 3 bis 6 m breit bei 6 m: 48 Scheiben mit 58 cm Durchmesser Arbeitstiefe bis 15 cm © ah/Werkbild
Horsch Joker HD
Horsch Joker HD:  5 bis 7,5 breit bei 7,5 m: 58 Scheiben mit 62 cm Durchmesser Arbeitstiefe bis 15 cm © Werkbild
Amazone Catros
Amazone Catros:  3 bis 6 m breit bei 6 m: 2x24 Scheiben, 51 cm Durchmesser Arbeitstiefe bis 15 cm © Werkbild
Väderstad Carrier
Väderstad Carrier:  2,64 bis 12,15 m breit bei 6,25 m: 51 Scheiben mit 51 cm Durchmesser © Werkbild
Lemken Rubin
Lemken Rubin:  4 bis 9 m breit bei 6 m: 48 Scheiben mit 62 cm Durchmesser Arbeitstiefe bis 12 cm © Werkbild
Kverneland Qualidisc
Kverneland Qualidisc:  3 bis 7 m breit bei 4m: 32 Scheiben mit 52 cm Durchmesser Arbeitstiefe bis 15 cm © Werkbild
Rabe Fieldbird
Rabe Fieldbird:  3 bis 6 m breit Scheiben mit 46, 51 oder 56 cm Durchmesser Arbeitstiefe bis 12 cm © Werkbild
Great Plains X-Press
Great Plains X-Press:  2,5 bis 10 m breit bei 5,5 m: 44 Scheiben mit 50 cm Durchmesser Verstellbare Schnittwinkel von 0 bis 25 Grad © Werkbild
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