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'Goldener Reis': Retter bei Vitamin A-Mangel?

von , am
19.11.2013

Der gentechnisch veränderte "Goldene Reis" soll den Vitamin A-Mangel in Entwicklungsländern beheben. Bislang fehlt die Zulassung. Der Entwickler, Ingo Potrykus, hat sein Projekt jetzt im Vatikan vorgestellt.

Der Entwickler des Getreides, Professor Dr. Ingo Potrykus, stellte den Goldenen Reis auch Papst Franziskus vor. © Potrykus
Der so genannte Golden Reis (golden rice) ist ein Provitamin-A-haltiges Getreide. Mitte der neunziger Jahre entstand er mit Hilfe der Gentechnik, eine Zulassung besitzt er bislang nicht. Er soll dabei helfen, den Vitamin A-Mangel, der in vielen Entwicklungsländern durch einseitige Ernährung herrscht, zu bekämpfen. 
 
Der Entwickler des Getreides, Professor Dr. Ingo Potrykus, war am Montag zu Gast bei einer Pressekonferenz des Forums Grüne Gentechnik, um über den aktuellen Zulassungsstand zu berichten. Anlass waren auch Presseberichte über eine Tagung in Rom, bei der Potrykus Papst Franzsikus sein Projekt vorgestellt hat. Inhalt der Konferenz in der Päpstlichen Akademie in Rom waren die sozialen Folgen von Mangelernährung. Potrykus setzt sich seit vielen Jahren als Initiator und Leiter einer humanitären Stiftung für eine Zulassung des Reises in Asien ein.  

Pro und Contra

Anders als die protestantische Kirche, die insgesamt eher gentechnikkritisch ist, herrschen in der katholischen Kirche unterschiedliche Ansichten zur Gentechnik vor. Der Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden, der aus Ghana stammende Kurienkardinal Peter Turkson, plädierte im Oktober in den USA eindringlich dafür, auch gentechnisch veränderte Organismen (GVO) zur Lösung der weltweiten Hunger- und Mangelernährungs-Probleme zu nutzen. Pro Jahr erblinden in Entwicklungsländern hunderttausende Kinder infolge von Vitamin-A-Mangel, die Hälfte stirbt innerhalb eines Jahres.
 
Gegner des Goldenen Reises bemängeln jedoch, dass dieser die Probleme in Entwicklungsländern nicht lösen könne. Die hiesige Bevölkerung leide nicht nur unter dem Mangel an Vitamin A, sondern generell an einer Unterversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen durch unzureichende und einseitige Ernährung. Um den akuten Vitamin A-Mangel zu bekämpfen, schlagen sie die Gabe von entsprechende Präparaten, die auch andere Mikronährstoffe enthalten, vor.

Erprobungsanbau auf den Philippinen

Als erstes Land Asiens haben mittlerweile die Philippinen mit einem Erprobungsanbau des Goldenen Reises begonnen. Demnächst wird in zwei Stufen eine Zulassung erwartet - in einer ersten Phase zum Verzehr, der eine Ernährungsstudie folgen soll. In der nächsten Phase wird die Sorte für den Anbau freigegeben. Potrykus ist über die langsame, mehrstufige Zulassung zwar enttäuscht, aber auch sicher, dass die Ergebnisse des Ernährungsversuches überzeugen.

Petition an die künftige Regierung

Die Initiative "Forum Grüne Vernunft" (ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern, Politikern und Privatpersonen zur Förderung der Grünen Gentechnik) und gleichzeitig Organisator der Pressekonferenz hat eine Petition an die künftige Regierung verfasst. In der Petition fordert das Forum, die Bevölkerung über Gentechnik aufzuklären und unter anderem das "Golden-Rice-Projekt" zu unterstützen.
 

Hintergrund: Der Goldene Reis

Der Reis wurde in den 90ger Jahren von Prof. Ingo Potrykus (ETH Zürich) und Peter Beyer (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) entwickelt. Mit der gentechnisch veränderten Reissorte, golden gefärbt vom Beta Carotin (Provitamin A, eine Vorstufe des Vitamin A) sollen an Vitamin-A-Mangel leidende Kinder in Asien und Afrika vor Erblindung und Tod geschützt werden.
 
Die Entwickler ließen sich ihr Konstrukt patentieren und verkauften das Patent, um die Produktentwicklung zu finanzieren, an Zeneca (heute Syngenta). Vertraglich verabredet ist, dass Syngenta eine Lizenz für den "humanitären Einsatz" sowie technologische und andere Unterstützung bereitstellt. Das Konstrukt wird in angepasste Sorten eingebaut und lizenzfrei an Landwirte in Entwicklungsländern ausgegeben. Die Sorte kann - da sie keine Hybride ist - beliebig oft nachgebaut werden.
 
Schon 2002 wurde mit der Zulassung gerechnet, sie hat sich aber bis heute verzögert.
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