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Biomasse

Gras/Schilf: Gut geeignet zur energetischen Verwertung

von , am
23.08.2013

In einer Studie wurde die energetische Verwertung von Gras und Schilf untersucht. Demnach kostet eine Kilowattstunde Wärme aus Heu 7,2 Cent, Biogasstrom aus Gras kostet 19,8 ct/KWh bei Erlösen von 21 ct.

In Baden Württemberg können Lndwirte ab sofort Anträge bei den Landwirtschaftsabteilungen stellen. © bem
Extensiv produziertes Gras und Schilf können unter geeigneten Bedingungen zu wirtschaftlichen Kosten für die Erzeugung von thermischer und elektrischer Energie genutzt werden, wobei zusätzlich positive Umwelteffekte auftreten.
 
Das ist das Fazit der Studie "Grünlandenergie Havelland", in der Forscher des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ) und des Leibniz-Instituts für Agrartechnik Potsdam-Bornim (ATB) übertragbare Konzepte zur naturverträglichen energetischen Nutzung von Gras und Schilf am Beispiel der Region Havelland untersucht haben. Im Fokus stand dabei die Verwertung von überschüssigem Gras von extensiv bewirtschafteten Grünlandflächen sowie von halmgutartiger Biomasse aus der Gewässerunterhaltung und Biotoppflege (Dokumentation).

Ausgehend von der Analyse der entsprechenden Biomassepotentiale sowie geeigneter Standorte und Technologien haben die Wissenschaftler vollständige Bereitstellungsketten verschiedener Nutzungskonzepte untersucht. Die abschließende Bewertung der Nutzungskonzepte erfolgte anhand der Parameter Wirtschaftlichkeit, Treibhausgasminderungspotential und Umsetzbarkeit.

Wärmenutzung von Heu

Die Versuche zur Wärmenutzung von Heu zeigten nach Angaben der Verfasser, dass eine Pelletierung von Heu für Verbrennungszwecke technisch unproblematisch ist. Sie schränken jedoch ein, dass die Verbrennung dieser Pellets geeignete Maßnahmen zur Verminderung von Emissionen erfordere.
Da entsprechende Feinstaubfilter hohe Kosten verursachten, lohne sich deren Verwendung unter derzeitigen Bedingungen erst in Anlagen mit einer Leistung von mindestens 100 Kilowatt (kW). In Kombination mit einem Heizölkessel als Spitzenlastkessel könnten dabei Wärmegestehungskosten von 7,2 ct/kWh realisiert werden. Damit sei dieses Konzept günstiger als alternative Wärmeerzeugungsverfahren mit den Brennstoffen Holzhackschnitzeln und Heizöl, heißt es in der Studie.
 
Zudem würden im Vergleich zu fossilen Energieträgern bis zu 90 Prozent der Treibhausgase (THG) eingespart.

Biogassubstrat durch Gras ersetzen

Bei der Nutzung der Reststoffe Gras und Schilf in Biogasanlagen haben die Forscher des DBFZ und des ATB unter geeigneten Bedingungen Stromgestehungskosten von 19,8 Cent pro Kilowatt elektrischer Leistung (kWhel) berechnet, denen Stromerlöse von 21 ct/kWhel gegenüberstehen. Auch eine anteilige Substitution von Anbaubiomasse durch Gras kann nach ihrer Einschätzung unter derzeitigen Bedingungen vereinzelt bereits zu wirtschaftlichen Vorteilen führen.
 
Gleichzeitig sei bei den hier durchkalkulierten Nutzungskonzepten von einer 80 prozentigen THG-Einsparung gegenüber der Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen auszugehen. Die Verfasser der Studie betonen, dass diese Biogas-Nutzungskonzepte überwiegend praktisch umsetzbar sind.
Im Ergebnis hätten sich verschiedene Optionen zur energetischen Verwertung der betrachteten Biomassereststoffe als tragfähig erwiesen. Wesentliche Vorzüge sind nach Ansicht der Forscher die Aussicht auf geringe Wärme- und Stromgestehungskosten sowie ein hohes THG-Minderungspotential. Vorteilhaft seien zudem die möglichen Synergien von Energieerzeugung und Naturschutz.

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