Login
Herbst 2018

7 Tipps: So machen Sie Ihr Grünland winterfest

AF_Grünland-Trockenheit
Thumbnail
Karl Bockholt, agrarheute
am
10.10.2018

Im Herbst müssen Sie Ihre Wiesen und Weiden auf den Winter vorbereiten. Entscheidend nach der Dürre sind dabei Nutzungsintensität und Stickstoffdüngung, je nach Bestand an Gräsern und Kräutern.

Trittschäden oder Fahrspuren sollten vor dem Winter noch einmal mit der Schleppe beseitigt werden. Um Mängel und Lücken im Bestand zu beseitigen, kann auch noch eine Nachsaat nötig sein. Dann können sich im Herbst und Frühjahr keine unerwünschten Gräser und Kräuter im Bestand etablieren.

1.) Nicht zu kurz in den Winter schicken

Optimal ist eine Bestandshöhe von 5 bis 10 cm Wuchshöhe. Bei milden Temperaturen und ausreichend Feuchtigkeit diesen Herbst nach der größten Dürre können auch noch einen Schnitt oder ein Beweiden im Oktober erfordern.

Im Herbst sind 7 cm Nutzungstiefe möglichst nicht zu unterschreiten. Zum sicheren Überwintern müssen die Gräser in der Lage sein, ein ausreichendes Reservestoffdepot aufzubauen: für die Kälteresistenz, für den Erhaltungsbedarf und für den Wiederaustrieb.

Als Speicherort dienen Wurzeln, Rhizome, Sprossteile oder oberirdische Kriechtriebe. Somit brauchen die Gräser genügend Blattfläche zur Assimilation. Weiter müssen die Blätter gesund sein, frei etwa von Rost und anderen Schaderregern.

2.) ...aber auch nicht zu lang

Auch ein zu üppiger Bestand (> 10 cm) ist von Nachteil fürs Überwintern. Zu hohe Futterbestände oder Weidereste können im Winter zu deutlichen Schäden an der Narbe führen. Abgefrorene und abgestorbene Pflanzen ersticken die Narbe und werden von Pilzen befallen.

Unter einer geschlossenen Schneedecke kann sich Fusarium ausbreiten. Weiter finden Feld- und Wühlmäuse Rückzugsmöglichkeit. Sie richten in höheren Beständen große Schäden an. Wiesenschnaken legen ihre Eier bevorzugt in Pflanzenresten. Die schlüpfenden Tipula-Larven schädigen im kommenden Frühjahr die Pflanzen. Sie beißen die Wurzeln der Gräser kurz unterhalb der Bodenoberfläche ab.

Trittschäden oder Fahrspuren sollten vor dem Winter noch einmal mit der Schleppe beseitigt werden. Um Mängel und Lücken im Bestand zu beseitigen, kann auch noch eine Nachsaat nötig sein. Dann können sich im Herbst und Frühjahr keine unerwünschten Gräser und Kräuter im Bestand etablieren.

3.) Unbedingt nachmähen oder mulchen

Zur Herbstpflege von Grünland gehört die Nachmahd von Weiden. Nach Ende der Weidesaison sind überständige Bereiche, Geilstellen oder verschmähte Unkräuter, etwa Ampfer, abzumulchen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Weiden vor Winter nicht überweidet werden. Zu tiefer Verbiss führt dazu, dass die Reservestoffe für eine ausreichende Regenerierung nicht mehr reichen. Das geht auf Kosten der Winterhärte.

4.) Stickstoffgaben anpassen

Die Stickstoffdüngung je nach Nutzungsintensität ist ebenfalls wichtig fürs Überwintern. Eine hohe N-Düngung bedingt eine hohe Nutzungsintensität. Hohe, ungenutzte N-Gehalte im Boden zum Ende der Vegetation regen das Wachstum der Gräser an. Dabei sollten sie eigentlich in die Ruhephase übergehen. Die Reservestoffe in den Pflanzen können dadurch um bis zu 50 Prozent abnehmen. Im Winter und Frühjahr fehlen sie dann.

Bei höherer Nutzungsfrequenz wird der Stickstoff im Boden genutzt und im Bestand wird der Anteil der bodennahen Blätter erhöht. Die Blattfläche und damit Assimilationsfläche steigt an.

5.) Im Spätherbst keine Gülle mehr fahren

Eine Düngung im Herbst ist nicht empfehlenswert, abgesehen von einer moderaten Kaliumgabe, welche die Salzkonzentration in der Pflanze für mehr Frostschutz erhöht.

Wird Gülle noch nach der letzten Nutzung ausgebracht, darf kein Wachstum mehr angeregt werden, das die Winterhärte negativ beeinflusst. Die Aufnahme der Nährstoffe muss sichergestellt sein.  Wird noch Gülle ausgebracht, sind Sperrfristen und Düngeverordnung zu beachten.

Extensive Standorte mit unproduktivem und lückigem Grünland, sehr leichte Standorte und Weiden sollten nicht gedüngt werden. Hier ist die Gefahr der Nährstoffauswaschung sehr hoch. Wird noch gedüngt, sind die Mengen im Frühjahr mit anzurechnen. Effizienter werden Nährstoffe genutzt, wenn Gülle im Frühjahr ausgebracht wird.

6.) Kalken nicht vernachlässigen

Kalken geht grundsätzlich zu fast jeder Jahreszeit. Wegen der geringeren Arbeitsspitzen ist vorzugsweise im Spätherbst bei guter Befahrbarkeit der Böden zu kalken.

Kalk ist auf Grünland nicht nur ein Pflanzen-, sondern vor allem ein Bodennährstoff. Auch trägt er als Mineralstoff über die Pflanze zur Gesunderhaltung der Tiere bei. Über Kalk lässt sich der pH-Wert steuern. Wertvolle Kleearten etwa entwickeln sich nur in einem bestimmten pH-Wertbereich optimal.

Leider wird das Kalken oft stiefmütterlich behandelt. Bei Unterversorgung der Grünlandböden lässt sich das qualitative und quantitative Ertragspotenzial oft nicht hinreichend erschließen. Alle vier Jahre sind regelmäßige Erhaltungskalkungen empfehlenswert. Die Größenordnung reicht von 4 bis 8 dt/ha CaO.

7.) Auswintern vermeiden

Die Gräsermischung hat ebenfalls Einfluss auf die Überwinterung des Bestands. Die Arten und Sorten reagieren unterschiedlich auf tiefe Temperaturen. Die Kälteverträglichkeit ist erblich bedingt. Sehr kälteverträglich sind etwa Wiesenrispe, -schwingel und –lieschgras.

Die Wiesenrispe stellt das Wachstum ein und nimmt keine Nährstoffe mehr auf. Das Deutsche Weidelgras dagegen wächst auch im Winter weiter, nur viel langsamer. Bei wechselnden Temperaturen ist es auswinterungsgefährdet. Das Wachstum in wärmeren Perioden baut den Kälteschutz ab.

Gerade beim Deutschen Weidelgras treten jedoch starke Sortenunterschiede bei der Kälteverträglichkeit auf. Einige Sorten sind sehr widerstandsfähig gegen Schneeschimmel. Sie eignen sich für schneereiche Standorte. Andere Sorten sind hoch kälteresistent. Sie bestehen auch auf kahlfrostgefährdeten Standorten.

Alle Neuzüchtungen werden neben anderen Kriterien auf Ausdauer und Winterhärte geprüft. Zu empfehlen ist, Grünlandmischungen zu säen, die in ihrer Zusammensetzung an den Standort angepasst sind. Sie sollten aus den für das Gebiet empfohlenen Sorten bestehen. 

Mit Material von DSV

Mehr Themen im agrarheute Magazin

Aktuelles Heft Oktober 2018

Auch interessant