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Feldfutter

Ackergras: Sechs Tipps für besseres Feldfutter

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am Sonntag, 15.08.2021 - 07:00 (Jetzt kommentieren)

Ackergras entlastet das Grünland. Gras- und Leguminosenansaaten unterdrücken Unkraut und bringen Vorteile in der gesamten Fruchtfolge, etwa einen hohen Vorfruchtwert. Zugleich lassen sich damit die Nachteile eines zu hohen Maisanteils abfedern.

Betriebe mit einem geringen Anteil an Ackerfutter in der Fruchtfolge nutzen den hohen Vorfruchtwert von Klee und Ackergras so oft wie möglich. Bei einem hohen Anteil Futterbau ist zu beachten, dass Klee und Luzerne wenig selbstverträglich sind. Oft lässt sich auf reine Grassaaten ausweichen.

1 Ackergras statt Silomais

Steht viel Silomais im Anbau, lässt sich Mais durch Gräser oder Klee teilweise ersetzen. Das mildert die Nachteile eines zu hohen Maisanbaus ab. Betriebe mit viel Wirtschaftsdüngern können mit grasreichen Mischungen viel Gülle und Gärreste sinnvoll nutzen.

Bei den Arten zählen die Erträge an Trockenmasse (TM), Energie und Rohprotein. Sie sind die Basis für Anbau- und Futterplanung sowie betriebswirtschaftliche Aspekte. Wichtig sind die

  • ökonomische Vorzüglichkeit im Anbau,
  • jeweilige Fruchtfolge und Futterration,
  • Eignung zur Silierung und
  • Verwertung von Wirtschaftsdüngern.

Da Ackerfutter in aller Regel schnell wächst, sind Unkräuter meist nicht konkurrenzfähig. In der Jugendentwicklung kann zur Unkrautregulierung aber ein Schröpfschnitt nötig werden. Probleme mit Ampfer lassen sich mit vitalen Mischungen in den Griff bekommen. Qualitätsmischungen enthalten keine Ampfersamen.

2 Empfohlene Mischungen wählen

Ackerfuttermischungen enthalten meist Deutsches Weidelgras der Reifegruppen früh, mittelfrüh und spät, Wiesenlieschgras, Wiesenschwingel, Knaulgras, Welsches Weidelgras, Weiß- und Rotklee, Luzerne oder Glatthafer. Gerade bei Gräsern und Klee bietet der Markt eine Vielzahl geeigneter Sorten. Nicht alle eignen sich aber für den eigenen Futterbau.

Qualitätsmischungen basieren auf Versuchen der Offizialberatung und sind entsprechend gekennzeichnet. Die dafür geeigneten Sorten sind in aller Regel ausführlich getestet. Tetraploide Sorten oder solche mit verbessertem Futterwert werden in aller Regel für Feldfutter gesondert ausgewiesen. Auch Angaben zu Höhenlagen oder Anfälligkeiten sind zu beachten. Ein Kriterium ist somit auch der Entwicklungsrhythmus.

3 Bei Untersaaten aufpassen

Die Saat von Acker- unter Grünfutter als Deckfrucht gelingt. Beispiel: unter Grünhafer eine Mischung mit 3 kg/ha Einjährigem Weidelgras plus 10 kg/ha einschnittigem Alexandrinerklee. Die Deckfrucht ist dann rechtzeitig zu ernten, Grünhafer etwa zu Beginn des Rispenschiebens.

Zur täglichen Grünfütterung eignet sich jede Deckfrucht. Immerhin lässt sich damit schon im Ansaatjahr einschließlich der Deckfrucht rund 80 Prozent des Ertrags eines Hauptnutzungsjahres erzielen. Bei Körnergetreide als Deckfrucht ist Vorsicht geboten: Die gegenseitige Konkurrenz ist oft problematisch. Als Untersaat kommt höchstens Knaulgras mit langsamer Jugendentwicklung infrage.

Im Vergleich zur Stoppelsaat ermöglichen Untersaaten jedoch eine längere Bodenruhe und sie bedeuten weniger Aufwand. Die Untersaaten müssen nach der Ernte der Deckfrucht schnell weiterwachsen.

4 Trockentoleranz nicht überbewerten

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Luzerne-Gras-Mischungen haben als Ackerfutter eine besondere Stellung. Luzerne ist auf trockenen, wasserdurchlässigen Standorten immer noch recht leistungsfähig, wenn andere Pflanzenarten ihr Wachstum längst eingestellt haben. Auf trockenen Standorten ist immer damit zu rechnen, dass die Erträge der einzelnen Aufwüchse je nach Niederschlagsmenge und -verteilung bei allen ausdauernden Futterpflanzen stark schwanken.

Derzeit sind sehr lange Dürreperioden bei hiesigen Klimabedingungen aber noch nicht die Regel. Zudem tolerieren viele wirtschaftlich wichtige Futterarten zumindest zeitweise Trockenheit. Deswegen spielt bei der Artenwahl auch für Trockenstandorte letztlich der Verwendungszweck des Futters eine größere Rolle als die Trockentoleranz der einzelnen Arten.

Für niederschlagsreichere Lagen lohnt sich für überjährigen Anbau oft auch Welsches Weidelgras. Die Grenze der Anbauwürdigkeit liegt bei etwa 670 mm Jahresniederschlag an. Auf Böden mit hoher Wasserhaltekraft kann die Regenmenge auch etwas niedriger ausfallen, umgekehrt bei leichteren Böden höher. Für trockene Gegenden ist sonst mehrjährig eher Knaulgras vorzuziehen.

5 Auf Mischungen statt auf Reinsaat setzen

Artenmischungen aus Rotklee und Gras sind reinen Ansaaten von Klee immer vorzuziehen. Im Durchschnitt erzielen Mischungen gegenüber Reinsaaten bei gleicher Düngung etwa sechs Prozent Mehrertrag. Überdies bieten Artenmischungen folgende Vorteile:

  • bessere Ertragssicherheit bei Krankheiten und Schädlingen,
  • sicherer Ausgleich von extremer Witterung oder Bodenmängeln,
  • stärkere Unkrautunterdrückung,
  • langsamerer Qualitätsabfall bei verspäteter Nutzung,
  • höhere Schmackhaftigkeit,
  • vielseitigere Verwendung: neben Grünfütterung auch als Silage und Heu.

Zur alleinigen Grünfütterung lohnen sich Mischungen mit viel Klee. Sie erreichen etwa 65 bis 75 Prozent Klee im Aufwuchs. Ist Silieren vorgesehen oder Gülleeinsatz geplant, sind grasreiche Mischungen besser, jeweils mit der Hälfte an Klee und Gras.

6 Gülle sinnvoll verwerten

Um das Ertragspotenzial auszuschöpfen, ist Ackerfutter richtig zu düngen. dabei gelten die Beschränkungen der Düngeverordnung. Ist es möglich, Gülle und andere Wirtschaftsdünger wie Gärreste oder Stallmist über den Feldfutterbau sinnvoll zu verwerten, sind auch reine Gräser durchaus sinnvoll. Sie brauchen aber eine sichere Regenmenge und -verteilung.

Für viehstarke Betriebe lohnen sich Ackerfuttermischungen, die schnell dichte Bestände bilden. Der hohe Nährstoffbedarf kann ein Vorteil in roten, also nitratsensiblen Gebieten sein, um die Düngeverordnung einhalten zu können. Für mehrjähriges Feldfutter gelten im Übrigen genau dieselben Düngesperrfristen wie auf Dauergrünland.

Der Stickstoff(N)-Bedarfswert gemäß Düngeverordnung liegt für drei bis vier Schnitte bei 310 kg N/ha, für fünf Schnitte sind es 400 kg N/ha. Für Sommerzwischenfrüchte als Futter vom Acker gelten folgende Werte:

  • Ackergras, eine Nutzung: 80 kg N/ha (bei einem erwarteten Ertrag um 30 dt TM/ha),
  • Futterzwischenfrucht ohne Leguminosen: 80 kg N/ha (um 25 dt TM/ha),
  • Zwischenfrucht bis 30 Prozent Leguminosen: 60 kg N/ha (um 25 dt TM/ha),
  • 31 bis 75 Prozent Eiweißpflanzen: 30 kg N/ha (um 25 dt TM/ha Ertrag),
  • ab 75 Prozent Leguminosen: 0 kg N/ha (um 25 dt TM/ha Ertragserwartung).

Unter dem Strich zählen bei Ackerfutter hohe Erträge und gute Energiegehalte, günstige Gäreigenschaften, gleichmäßiger Futteranfall und lückenlose Versorgung auch in Trockenphasen.

Mehr zum Thema Acker- und Feldfutter lesen Sie in der gedruckten Zeitschrift, Ausgabe agrarheute 8/2021, ab Seite 114.

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