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Mikroplastik

Äcker und Weiden voller Müll: So hemmen Mikroplastikteilchen das Grün

Plastiknetz auf Acker
am Freitag, 05.03.2021 - 08:55 (1 Kommentar)

Mikroplastik senkt die Keimfähigkeit etwa von Gräsern. Forscher der Universität Rostock zeigen das am Beispiel Weidelgras. Die Partikel beeinflussen die Bodenstabilität, das Aggregatgefüge und die Bodenökologie.

Eintragspfade für Mikroplastik gibt es zuhauf. Klärschlamm und Kompost zählen auch dazu. Etliche Mikroorganismen nehmen die Kleinstpartikel auf. Darauf reagiert die Bodenfauna. Grünlandflächen dürfen laut aktueller Düngeverordnung nicht mit Klärschlamm gedüngt werden.

Wind und Regen formen die winzigen Plastikteilchen oft bis zur Kugelform. Das bedeutet eine im Verhältnis zum Volumen vergrößerte, meist glatte Oberfläche. Viele Schadstoffe, etwa ausdauernde organische Verbindungen, können sich daran anlagern. So dient Mikroplastik auch als Schadstoffvektor.

Dieser Plastikmüll wird bisher unter die Lupe genommen

Forscher der Universität Rostock nutzen Weidelgräser dabei als Modellpflanzen. In Keimversuchen werden Samen von Deutschem und Einjährigem Weidelgras mit verschiedenen Arten und Konzentrationen von Mikroplastik versetzt.

Getestet wurden die Effekte verschiedener Plastikmüllteilchen auf die Keimfähigkeit der Pflanzen:

  • Reifenabrieb,
  • Polyvinylchlorid (PVC),
  • Polyacryl,
  • Polyamid,
  • Polyester und
  • Polyethylen.

Die Polymere bestanden teils aus Fasern, teils aus verschieden großen Partikeln. Gemessen wurden die Keimraten und die Wurzellänge der Keimlinge nach einer definierten Wachstumszeit.

Mikroplastik beeinträchtigt die Keimung und hemmt das Wachstum

Balkendiagramm zur Reduzierung der Wurzellänge von Weidelgras durch Mikroplastik

Meist hemmt Mikroplastik die Keimung und das Wachstum. Faserförmiges Mikroplastik beeinträchtigt die Keimung weniger stark als partikelförmige Fragmente. Hier zeigt sich ein klarer Trend: Je kleiner das Mikroplastik in der Keimumgebung, desto stärker waren die negativen Effekte auf die Keimung.

Das zeigt sich an einem hohen Anteil an Samen, die mit Mikroplastik gar nicht oder abnormal keimten. Ebenso deutlich waren die Folgen auf die Wurzellänge der Keimlinge. Dabei hatten die mit Mikroplastik versetzten Proben im Vergleich zur Kontrolle ohne Mikroplastik eine stark reduzierte Wurzellänge.

Abnormal gekeimte Samen: Negativste Folgen durch PVC

Am stärksten waren in allen Versuchen die Auswirkungen von PVC, das beispielsweise in Schläuchen, Förderbändern, Ablaufrohren oder Zelthallendächern vorkommt. Die Keimfähigkeit der damit versetzten Pflanzen war stark reduziert. Über das Keimstadium hinaus war keine Entwicklung möglich.

Im Freiland wurde bisher der Effekt von PVC getestet. Dabei sackten bei Weidelgras und Perserklee auch die Erträge nachweislich. Auch in aktuellen Feldversuchen zeichnen sich Ertragshemmungen durch Mikroplastik ab. Da es für das sich anhäufende Problem derzeit keine Lösung gibt, muss jeder den Eintrag von Partikeln in die Umwelt so gut es geht verhindern und Plastikmüll richtig entsorgen.

Mit Material von Universität Rostock, Wrage-Mönnig, Cornelsen
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