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Grünlandreparatur

Dürreschäden: So sanieren Sie Ihr Grünland

Vertrocknetes Grünland
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Klaus Strotmann, agrarheute
am
21.09.2018

Dieser Tage kopft der Herbst an, Aufatmen für viele Grünlandbetriebe. Jetzt geht es an die Reparatur der Flächen. Neuansäen oder Nachsaat? Wir haben Antworten.

In diesen Tagen wird das Wetter wohl endgültig vom Sommer zum Herbst kippen. Die Folgen der anhaltenden Trockenheit sind aber noch deutlich sichtbar. Kaum eine Grünlandfläche ist nicht von Trockenschäden und Hitzestress betroffen.

Zurück bleiben vertrocknete, offene braune Narben. Die Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen rechnet im Mittel mit 40 Prozent weniger Grünlandertrag als im Vorjahr.

So hat die Dürre die Bestandeszusammensetzung verändert

Die Trockenheit hat vor allem die wertvollen grasnarbenbildenden Gräser ausgebrannt. Tiefwurzelnde unerwünschte Gräser, wie die Gemeine Quecke und Kräuter, profitieren derzeit von den geschwächten, zerstörten Narben und breiten sich vielerorts in den Beständen aus.

Mit angekündigtem Regen ist nun der ideale Zeitpunkt erreicht, diese Bestände zu sanieren und Narbenlücken schnell zu schließen. Die regional stark schwankenden, aber bisher gefallenen Niederschläge lassen auf einen zufriedenstellenden vierten Schnitt hoffen.

Wenn nur Neuansaat hilft

Bei starker Verkrautung ist eine vorgeschaltete chemische Bekämpfung sinnvoll. Nimmt die Quecke Ertragsanteile von rund 15 Prozent ein, sollte eine Pflanzenschutzmaßnahme zeitnah durchgeführt werden.

Hat sich auch das Untergras Gemeine Rispe in diesen Beständen ausgebreitet, sollte mit einem scharf eingestellten Striegel dieser Filz herausgekämmt und – je nach Menge – abgefahren  werden oder auf der Fläche vertrocknen.

Wichtig für eine erfolgreiche Etablierung der Nachsaat in der Altnarbe ist eine anschließende Wasserversorgung in Verbindung mit ausreichend Licht und Luft. Anwalzen nach der Nachsaat ist vorteilhaft, um einen guten Kontakt zwischen Saatgut und Boden herzustellen.

Nachsaat mit Deutschem Weidelgras

Nachsaat von Grünland

Grünlandflächen, die nur geringe Schäden durch die Trockenheit aufweisen, sollten bei bis zu 30 Prozent Lücken mit 10 bis 15 kg/ha nachgesät werden. Für Nachsaaten empfiehlt sich aufgrund seiner Konkurrenzstärke nach wie vor das Deutsche Weidelgras.

Die Nachsaatmischung kann auch Kleeanteile enthalten. Weißklee wertet den Bestand auf. Er ist schmackhaft, protein- und mineralstoffreich, nutzungselastisch und durch sein tiefes Wurzelsystem auch gegenüber Trockenheit unempfindlicher als Gräser. Die Kriechtriebe verbessern zudem die Narbendichte.

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Wann ist eine Neuansaat sinnvoll?

Der schnellste Weg zur Narbenverbesserung ist die Neuansaat. Diese ist im Vergleich zur Nachsaat bei der Anlage aber auch risikoreicher und teurer. Beschränken Sie sie daher auf die Fälle, bei denen sich entartete, leistungsschwache Bestände oder eine durch Trockenheit geschädigte Grünlandnarbe nicht mehr durch Nachsaaten verbessern lassen.

Das ist ab einer Verkrautung und einem Anteil minderwertiger Gräser (z. B. Quecke, Gemeine Rispe, Wolliges Honiggras, Rasenschmiele etc.) von über 50 Prozent der Fall.

Alternativen zu Glyphosat in der Erprobung

Bei Neuansaaten kommt in der Regel das Totalherbizid Glyphosat zum Einsatz. Die LWK Niedersachsen untersucht gerade in der Praxis, wie unerwünschte Gräser künftig auch ohne den umstrittenen Wirkstoff verdrängt werden können; beispielsweise durch Bodenbearbeitung und Saatverfahren. Erste Ergebnisse gibt es Ende 2018.

Für Neuansaaten empfehlen sich Mischungen mit verschiedenen Grasarten.

Die letzten Jahre mit Wetterextremen zeigen: Es ist wichtig, nicht nur auf eine Grasart wie das Deutsche Weidelgras zu setzen. Je nach Region empfehlen die Länderdienststellen passende Qualitätsstandardmischungen.

Wetterextreme: Länder überdenken aktuell ihre Mischungen

Üblicherweise steht bei der Wahl der richtigen Mischung die Nutzungsintensität und der Standort im Vordergrund. Künftig ist aber wohl zusätzlich und mehr als bisher auf Wetterextreme zu achten. Fachkreisen diskutieren deshalb aktuell über die Weiterentwicklung der Qualitätsstandardmischungen.

Vor diesem Hintergrund könnten künftig neben dem Deutschen Weidelgras ertragssichernde, robuste Mischungspartner wie das Knaulgras, das Lieschgras, der Wiesenschweidel oder der Rohrschwingel mehr Bedeutung erlangen.

Beispielsweise verträgt der Rohrschwingel durch das ausgeprägte Wurzelwerk trockene, aber auch kalte und nasse Bedingungen sehr gut. Aufgrund seiner langsamen Jugendentwicklung ist aber eine frühe Aussaat Mitte August nötig. Hat sich der Rohrschwingel etabliert, sind hohe, stabile Erträge über mehrere Jahre zu erwarten.

Mit Material von LWK Niedersachsen

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