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Grünland

Getreide-Ganzpflanzensilage als Ersatzfutter?

© jadon/aboutpixel
von , am
03.07.2013

Die Grassilage-Ernte steht in dieser Saison unter keinem guten Stern. Regional wird das Futter knapp und die Silagequalität lässt zu wünschen übrig. Kann GPS die Versorgungslücke schließen?

Die Definition und die Auslegungen des Dauergrünlandbegriffs ist für den DBV nicht eindeutig. © Mühlhausen/landpixel
Dort, wo nicht ausreichend Silomais verfügbar ist, könnten die Versorgungslücken möglicherweise mit Getreide-Ganzpflanzensilage (GPS) gefüllt werden, erklärt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. GPS ist eine Kombination aus stärkereichen Körnern und Stroh. Sie ist ein eiweiß- und mineralstoffarmes Grundfutter mit mittlerer Verdaulichkeit. Die mit zehn Prozent geringe Stärkebeständigkeit liege auf dem Niveau von Maissilage, so die Kammer.
 
Während in Niedersachsen GPS allgemein wenig verbreitet sei und eher als Notfutter angesehen werde, ist sie beispielsweise in Brandenburg und Schleswig-Holstein eine häufiger eingesetzte Komponente in der Rinderfütterung, stellt die Kammer fest. Die Vorteile liegen laut LWK in der Auflockerung enger Maisfruchtfolgen und der höheren Ertragssicherheit auf Maisgrenzstandorten. Auch bringe GPS Struktur in die Futterration von grünlandarmen Betrieben.

Entezeitpunkt ist endscheidend

Betriebe entscheiden sich für GPS häufig erst kurz vor der Getreideernte, um mögliche Futterlücken zu schließen. In diesen Fällen seien dann Ertrag und Qualität des Getreides häufig nicht optimal. Hier liege ein Grund für die unterschiedlichen Futterwerte von GPS. Soll GPS den Ansprüchen von Hochleistungstieren genügen, müssen die Bestände hohe Kornerträge liefern oder einen niedrigen Strohanteil aufweisen. Entscheidend ist in erster Linie das Korn-Stroh-Verhältnis, das bei Roggen ungünstiger als bei Weizen und Gerste ist. Kurzstrohige Sorten sind gut geeignet. Der Energiegehalt kann je nach Korn-Stroh-Verhältnis, Erntezeitpunkt und Art des Getreides stark variieren.
 

Weizen-GPS ist besser verdaulich

Die DLG-Tabelle aus 1997 weist für Gerste- und Weizen-GPS mittlere Energiegehalte von 5,5 bis 5,7 Megajoule (MJ) NEL/kg Trockenmasse (9,3 bzw. 9,6 MJ ME/kg) aus. Diese Werte deuten auf einen verspäteten Erntetermin hin, denn es werden auch höhere Energiekonzentrationen erreicht wie holsteinische Auswertungen zeigten. Dort wurden über mehrere Jahre im Mittel 6,1 MJ NEL/kg Trockenmasse erzielt. Für Weizen-GPS werden dort bei einem Korn-Stroh-Verhältnis von 1:0,8 -1,2 und einem Trockenmasse-Ertrag von 190 bis 230 kg/dt 6,2 MJ NEL/kg TM angegeben. Neuere Verdauungsversuche mit Hammeln zeigen im Vergleich zu DLG-Werten eine höhere Verdaulichkeit der Weizen-GPS. So ergibt sich daraus ein Energiegehalt von etwa 6,1 MJ NEL/kg TM.
 

2 Wochen vor Dreschtermin schneiden

Der optimale Erntezeitpunkt stelle einen Kompromiss zwischen möglichst hohen Trockenmasse-Erträgen und nicht zu hohen Trockenmasse-Gehalten dar. Angestrebt werden 35 bis 45 Prozent Trockenmasse, bei Roggen-GPS eher 35 Prozent (Beginn der Teigreife). Dann seien noch genügend leicht lösliche Kohlenhydrate enthalten, was eine gute Vergärung ermögliche, erklärt die Kammer. In diesem Stadium seien die Halmknoten noch grün, und das Korn ließe sich mit dem Fingernagel eindrücken, es spritzt aber nicht mehr. Geschnitten wird etwa zwei bis drei Wochen vor dem Dreschtermin. Zu beachten sei dabei die knappe Erntezeitspanne. Bei einem späteren Schnitt sinken dagegen die Erträge. Zu beachten sei zudem, dass bei einer späteren Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln grundsätzlich die Wartezeit einzuhalten ist.

Getreide zerkleinern

Das Getreide muss mit einem Häcksler so exakt geerntet werden, dass ein Aufspleißen der Halme und Knoten gewährleistet ist, empfiehlt die Kammer. Werden nicht alle Körner angeschlagen, passierten heile Körner den Verdauungstrakt und würden unverdaut mit dem Kot ausgeschieden, was erhebliche Körner- und somit Energieverluste verursache. Ein Zerkleinern mittels Cracker sei daher vorteilhaft. Die Häcksellänge sollte möglichst unter acht Millimeter liegen. Verfügen die Exakthäcksler über Vielmessertrommeln, Corn Cracker und Reibeböden, könne die GPS auch etwas später geerntet werden. Vorteil dabei sei der höhere Stärkegehalt, Voraussetzung ist aber, dass alle Körner auch zerschlagen sind. Neben einer exakten Häckseltechnik komme der sorgfältigen Silierung große Bedeutung zu. Die GPS müsse hoch verdichtet und anschließend sofort abgedeckt werden, da sie sich sonst schnell erhitzt, so heißt es in dem LWK-Bericht.
 

GPS lässt sich gut mit Grassilage kombinieren

"Ganzpflanzensilage kann an Milchkühe und Bullen verfüttert werden und ist mit Grassilage gut zu kombinieren", so die Kammer. Je Kuh und Tag können vier bis sechs Kilo GPS-TM eingesetzt werden, wobei die schnell abbaubare Stärke besonders in der Hochleistungsphase zu berücksichtigen sei. Der Stärkegehalt sei in erster Linie abhängig vom Kornanteil und liege deutlich unter dem von Maissilage, was in der Bullenmast zu beachten sei. Analysen gaben Aufschluss darüber, ob die geerntete GPS nur etwas für Trockensteher und Jungrinder ist oder auch den Ansprüchen von Kühen mit mittleren Leistungen genügen kann.
 

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